Veränderungen gibt es nur, wenn man spricht

Lesedauer: 4 Min

Josef Keßler befindet sich seit diesem Frühjahr im Ruhestand und hat daher auch das Amt als Schwerbehinderten-Vertreter der Lukas-Klinik der Stiftung Liebenau zurückgegeben. Dort hat inzwischen eine Neuwahl stattgefunden. Als Leiter von SNOBO ist Keßler aber weiterhin aktiv.

Nach der Gesetzesnovelle ist vor der Gesetzesnovelle: So sieht es Josef Keßler als Leiter des Schwerbehinderten-Netzwerks Oberschwaben-Bodensee (Snobo). Die Neufassung des Bundesteilhabegesetzes bedeutet für ihn nicht, dass eine Ruhepause angesagt wäre. Bei viel zu vielen Themen gibt es im Sinne der Schwerbehinderten Handlungsbedarf – so versteht und lebt es der Mann aus Meckenbeuren, der seit dem Snobo-Start vor fünf Jahren als „Motor“ hinter dem Netzwerk steht.

Und mittlerweile als geschätzter Ansprechpartner für die Politik. In Berlin hat er jüngst Corinna Rüffer getroffen, die Behindertenbeauftragte der Bundestagsfraktion der Grünen. Nach Kaufbeuren ist Keßler gereist, um Stephan Stracke, Bundestagsmitglied der CSU, zu treffen. Auch im Herbst sind schon mehrere Termine geplant, zum Beispiel mit Hansjörg Hofer. Als Behindertenanwalt hat er in Österreich eine ähnliche Stellung wie dies in Berlin dem Behindertenbeauftragtem zukommt. In dieser Position ist im Frühjahr Jürgen Dusel (SPD) auf Verena Bentele gefolgt. Mit Dusel will sich Keßler austauschen, wenn er am 12. und 13. September wieder in Berlin weilt. Fünf Gespräche stehen für die zwei Tage im Raum, so auch im Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit Ministerialdirigentin Vanessa Ahuja oder bei Wilfried Oellers, dem neuen Behindertenbeauftragten der CDU/CSU-Fraktion.

Zwei weitere Termine sind in der Vorbereitung: der eine als Diskussionsrunde rund um Barrierefreiheit in Museen Ende November im Zeppelin-Museum in Friedrichshafen, der andere am 4. Dezember im Staatsministerium in München. An diesem werden natürlich auch Schwerbehindertenvertreter aus Bayern teilnehmen, wie es überhaupt das Ziel ist, breit aufgestellt aufzutreten - was dazu führt, dass Keßler und ein Vertreter aus SAP-Reihen die Treffen mit der Ministerialdirigentin und dem Behindertenbeauftragten in Berlin gemeinsam nutzen. „Veränderungen kann man nur erreichen, wenn man miteinander spricht“, ist dabei das Credo.

Schwerpunkt Wohnformen

Die Themenschwerpunkte dürften stets die gleichen sein, blickt Josef Keßler voraus. Im Fokus: Fragen des institutionellen Wohnens rund um Heime und Inklusion, aber auch des barrierefreien Wohnens für psychisch Kranke (siehe Blickkasten).

Was die neuen dezentralen Wohnformen für Menschen mit Behinderung angeht, nennt Keßler die Bauten in Oberteuringen und Brochenzell gelungen, während ihm das, was in Hegenberg und Vogt entsteht, zu sehr am Ortsrand liegt. Ein anderes Problem hat er im April im Gespräch mit Vertretern von FDP und Die Linke in Berlin erörtert: „Die Kosten laufen davon“ sei dabei allgemeiner Tenor gewesen, was sich auch auf die Personalkosten beziehe. Nicht nur aus Fachkräftemangel würden manche der Stellen nicht gleich besetzt, meint Keßler.

Josef Keßler befindet sich seit diesem Frühjahr im Ruhestand und hat daher auch das Amt als Schwerbehinderten-Vertreter der Lukas-Klinik der Stiftung Liebenau zurückgegeben. Dort hat inzwischen eine Neuwahl stattgefunden. Als Leiter von SNOBO ist Keßler aber weiterhin aktiv.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen