Um Schussenbrücke dürfte es Debatten geben

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Wenn die Schussen bei Kehlen zum „Strom“ wird, dann stellt sich im Nachhinein stets die Frage: Wie hat es die Brücke verkraftet
(Foto: arc)

Nur in bescheidenem Umfang hat „Alt-Kehlen“ in den vergangenen Jahren Veränderungen erlebt. Zu nennen sind das kleine Gewerbegebiet am Ortsausgang nach Hirschlatt, die Skateranlage, das im Bau befindliche Sieben-Familienhaus an der Ecke Hirschlatter/Sammletshofer Straße und die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge gleich hinterm Bahngleis.

Das wird sich in den nächsten Jahren ändern – spätestens wenn ab 2019 der Verkehr über die Südumfahrung rollt. Dann könnte auch die jetzige Kreisstraße K 7725 zur verkehrsberuhigten Gemeindestraße werden, wobei sie weiterhin als Durchgangsstrecke gedacht ist.

Um gerüstet zu sein und Ideen für diese Zeit zu entwickeln, hat der Gemeinderat jüngst die Planungsleistungen für das Entwicklungskonzept Kehlen vergeben. Er tat dies nicht an das von der Verwaltung vorgeschlagene Büro Pesch Partner (Stuttgart), das mit 16 183 Euro das günstigste Angebot vorgelegt hatte.

Fiel dieser Antrag bei vier Ja-Stimmen durch, so entschied sich das Gremium bei drei Enthaltungen und einem „Nein“ für das Angebot des Büros Kienzle-Vögele-Blasberg (Friedrichshafen). Dieses lautete auf 16 936 Euro, doch gab den Ausschlag, dass diese Planer bereits beim Entwicklungskonzept Kehlen aus dem Jahr 2009 Erfahrungen gesammelt hatten. Dieses war im Frühjahr 2010 in einer vielbeachteten Bürgerinformation vorgestellt worden.

Warum dann aber sechseinhalb Jahre später schon wieder ein neues Entwicklungskonzept Kehlen? Der Grund: Seit 2009 haben sich wichtige Parameter grundlegend gewandelt – allem voran, dass es keine Bahnunterführung geben wird, und dass die K 7725 in absehbarer Zeit zur Gemeindestraße zurückgestuft wird.

Das neue Konzept legt den Fokus darauf, dass viele entwickelbare Flächen vorhanden sind – sei es im Bereich Wohnen, Gewerbe oder Gemeinwohl. Einzubeziehen sind zum einen Flächen, die näher an der B 30 liegen (ehemaliges „Haus Wocher“), aber auch die für „die zweite Reihe“ in der Hirschlatter und Sammletshofer Straße soll Entwicklung möglich sein. Themen könnten aber auch die Erweiterung des „Gewerbegebietchens“, ein sicherer Fußgängerweg auf Höhe der alten Schreinerei Stoppel oder das „Für“ und „Wider“ eines Kanu-Ufers an der Schussen sein.

Bauchweh bereitet dem einen oder anderen, dass mit der Übernahme der Straße – neben den Gestaltungsmöglichkeiten – auch die Baulast für die Schussenbrücke auf die Gemeinde zukommt. „Das muss genau geklärt sein“, deutete Bürgermeister Schmid an, dass es zu dem Thema zu einer längeren Diskussion mit dem Kreis kommen könnte.

Und doch überwiegen die Chancen, zumal auch eine Gemeindestraße „offen“ bleiben soll. „Wir werden nichts machen, was den Gewerbetreibenden im Ort zum Nachteil gereicht“, betont Ulrike Serry. Vielmehr könnten verkehrsberuhigende Maßnahmen den Ort aufwerten, so ihre Überzeugung. Ein Teil des Entwicklungskonzepts soll eine Bürgerbeteiligung sein. Ihre Form muss aber erst noch definiert werden.

Ob ins Entwicklungskonzept Kehlen nicht auch die Planungen für Siglishofen einfließen könnten – das war eine Frage in der November-Sitzung des Gemeinderats gewesen. „Wir werden das nicht koppeln“, beschied nun Bürgermeister Andreas Schmid. Warum nicht – das führte Bauamtsleiterin Ulrike Serry aus. Demnach bestehe bereits eine Abrundungssatzung für Siglishofen aus den 80er Jahren.

Und: „Ein städtebauliches Grundkonzept hilft uns an der Stelle nicht weiter“, ergänzte Schmid. Was meint: In Richtung Norden (Sportplatz) und Westen (Schussen) gibt es kein Potenzial für eine bauliche Weiterentwicklung.

Vielmehr richtet sich der Fokus auf eine Nach- und Innenverdichtung. Die wiederum ist abhängig von der Erschließung, erläutert Ulrike Serry. Ist die Eschstraße problemlos, so gilt das Augenmerk dem Weg Am Kohlbach. „Hier ist es schwierig“, benennt Serry den Knackpunkt, der zu Gesprächen mit dem Regierungspräsidium führt. Wenn eine Nachverdichtung kommt – reicht die Erschließungssituation dann noch aus? Und wenn nicht: Was ließe sich machen – Stichwort: Linksabbiegerspur von der B 30? Sie war in der Vergangenheit nicht auf Gegenliebe gestoßen.

Das Plangebiet soll von der Hirschlatter Straße (Ortseingang im Westen) bis zur Bundesstraße reichen. Ein erster Entwurf wird fürs erste Quartal 2016 erhofft.

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