Sommerinterview mit der Bürgermeisterin über ein ereignisreiches Jahr 2019

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In den neu gestalteten Rathaus-Außenanlagen lässt es sich verweilen: So sieht es auch Elisabeth Kugel.
In den neu gestalteten Rathaus-Außenanlagen lässt es sich verweilen: So sieht es auch Elisabeth Kugel. (Foto: rwe)
Schwäbische Zeitung

Bereits jetzt ist es ein ereignisreiches Jahr für Elisabeth Kugel. Ein Skiunfall und seine Folgen hatten die Meckenbeurer Bürgermeisterin ab Ende März für knapp drei Monate außer Gefecht gesetzt. Wie sie diese Zeit rückblickend einstuft, danach hat sie SZ-Redakteur Roland Weiß ebenso befragt wie zu aktuellen lokalpolitischen Themen. Bei diesen nimmt momentan die B 30-neu großen Raum ein.

Frau Kugel, wie geht es Ihnen persönlich, wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Ich habe den Skiunfall weitestgehend auskuriert. Zur Zeit bekomme ich noch Krankengymnastik zur Stärkung des Rückgrats. Die Ärzte sagen, ich hatte Glück im Unglück, das hätte auch ganz anders ausgehen können.

Meine krankheitsbedingte Abwesenheit war für uns alle eine besondere Zeit. Für mich war es eine unfreiwillige Zäsur, die mich nach eineinhalb Jahren voller Power und langen Arbeitstagen gezwungen hat, zur Ruhe zu kommen. Letztlich hat dies aber dazu geführt, dass mehr Klarheit und Gelassenheit entstanden ist. Dies hat sich nach meiner Rückkehr positiv ausgewirkt und strahlt weiterhin aus.

Wie stufen Sie all das ein?

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass vieles, was einem im Leben begegnet, nicht umsonst geschieht. Seit Anfang meiner Amtszeit (Januar 2018, die Redaktion) ist natürlich vieles auf mich eingeströmt, und ich habe mir einiges vorgenommen als Bürgermeisterin. Wenn man dann plötzlich aus dem Verkehr gezogen wird und all das nicht mehr tun kann, was das Amt verlangt und was man selbst von sich erwartet, dann beschäftigt das schon sehr.

Das positive Fazit ist: Meckenbeuren hat nicht nachhaltig gelitten. Das Team in der Verwaltung und auch mein Stellvertreter Karl Gälle haben sich in dieser Zeit sehr bewährt. Mein Ansatz, dass alle in ihren Bereichen Eigenverantwortung übernehmen sollen, hat Früchte getragen. Die großen Projekte sind weitergelaufen, wir haben nichts Wesentliches versäumt, dennoch war der Schreibtisch bei meiner Rückkehr voll und es gab einiges aufzuarbeiten.

Haben sich für Sie durch Ihren Unfall Präferenzen verändert oder verändern müssen?

Ich habe intensiv über mein bisheriges Führungshandeln nachgedacht und erkannt, dass es wichtig ist, die operativen Aufgaben mehr zu delegieren. Als Chefin muss ich die Strategie entwickeln und die Umsetzung der übergeordneten politischen Ziele für Meckenbeuren im Blick behalten, die vielfältigen Fäden zusammenführen und die Mitarbeiter und weiteren Beteiligten motivieren.

Stichwort B 30: Wie beurteilen Sie das Bürgerengagement gegen die Osttrasse?

Bürgerengagement halte ich grundsätzlich für positiv. Es macht deutlich, dass sich Bürger aktiv mit kommunalen Themen auseinandersetzen. Allerdings darf die persönliche Betroffenheit nicht der einzige Blickwinkel sein. Es geht um das Gesamte, um das Gemeinwohl. Und nicht nur für Meckenbeuren, sondern für die Region, in die wir eingebettet sind. Die fachlich Verantwortlichen müssen dafür sorgen, dass die Darstellung nicht zu vereinfacht erfolgt oder wichtige Aspekte weggelassen werden.

Bei der Unterschriftenübergabe im Rathaus sind durchaus einige spannende Fragen aufgeworfen worden – etwa wie es um die detaillierte Untersuchung der Osttrasse unter umweltschutzrechtlichen Gründen bestellt ist.

Welches ist Ihre Position?

Mir geht es um Rechtssicherheit und dass wir vorwärts kommen. Ich betrachte durchaus mit Sorge die verschiedenen Vorschläge, die alle wieder bei Null anfangen und unter subjektiven Gesichtspunkten die ganze Sache neu aufrollen wollen. Wir brauchen endlich eine Lösung für die seit Jahrzehnten betroffenen Anwohner der Hauptstraße und die unzähligen Pendler, die täglich im Stau stehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir auch für die Betroffenen entlang der Osttrasse verträgliche Lösungen bei der Ausgestaltung finden werden. Und ich bin der Meinung, dass jede Lösung, ob Ost oder West, besser ist als der Status Quo.

Mit Blick auf die Weiterentwicklung der Wohnbau- und Gewerbeflächen die Frage: Lähmt es die Gemeinde oder Arbeit der Verwaltung, dass der Flächennutzungsplan aus dem Jahr 1999 stammt?

Nein, das hat die Gemeinde bislang nicht gelähmt, weil der damalige Bürgermeister Roland Karl Weiß weit voraus gedacht hat. Die ausgewiesenen Flächen haben bislang ausgereicht.

Dem Flächennutzungsplan vorgeschaltet sehe ich die Gemeindeentwicklungsplanung. ,Einmal die große Linie aufziehen’, das sehe ich mit ihr verbunden. Viele andere Kommunen sind diesen Weg bereits gegangen – Tettnang mit dem ISEK-Projekt oder Owingen 2030.

Mit der Planung wollen wir Antworten geben auf Fragen wie: In welchem Ortsteil passt welche Ausbaustufe? Wo soll es welche Höhenentwicklung bei Bauten geben? Wie wichtig sind uns Grünzüge? Und vieles mehr.

Wie konkret ist das?

Wir hoffen, dass sich im Oktober im Gemeinderat ein Büro beauftragen lässt. Und dann habe ich das ehrgeizige Ziel, dass nach einem Jahr erste Ergebnisse vorliegen sollen. Eine ausführliche Beteiligung der Bürger halte ich hierbei für wichtig.

Sicher ist dann auch das Quartier Buch ein Thema, mit dem die Gemeinde die Wohnraumnot zu lindern hofft. Reicht das, was jetzt auf dem Weg ist, bis es zu dieser großen Lösung kommen kann?

Das reicht sicher nicht. Ich höre es immer wieder, dass dringend Wohnungen gesucht werden, dass der Druck groß ist. Es ist aber auch nicht so, dass wir hier untätig sind. Jeden Monat werden vielfältige Bauanträge mit dem Einvernehmen des Gemeinderats versehen, und es zeichnet sich ab, dass in naher Zukunft neue Baugebiete entstehen werden.

Ich bin der Meinung, dass es sich lohnt, für die großen Fragen der Weiterentwicklung von Mecken-beuren und seiner Ortsteile grundsätzliche Lösungen und Antworten zu suchen und zu diskutieren, anstatt wie in den vergangenen Jahren immer vereinzelte Patchworklösungen umzusetzen. Aus den dann vorliegenden Erkenntnissen und Daten muss der Gemeinderat ein Konzept machen und dies stückweise realisieren.

Ich bin überzeugt: Meckenbeuren braucht einen Masterplan für die kommenden zehn Jahre. Und dieser Plan sollte, so meine Vorstellung, regelmäßig überprüft und fortgeschrieben werden.

Immer wieder scheint es zu Verzögerungen zu kommen, zuletzt beim Feuerwehrgerätehaus, bei dem es baulich wohl erst 2020 weiter geht. Gibt es einen Stau an Maßnahmen?

Stau wäre zuviel gesagt. Aber natürlich sind wir, wie bereits gesagt, noch in der Phase der Nacharbeit nach meiner Erkrankung. Wir haben eine Fülle an Themen in Arbeit, die einerseits von der Verwaltung bearbeitet werden und die im Gemeinderat platziert und entschieden werden müssen. Zu jedem Thema ist eine entsprechende Vorbereitungszeit erforderlich. Gerade beim Feuerwehrhaus hatten wir auch noch weitere Ideen des Gemeinderats aufgenommen, was eine Umplanung erforderlich gemacht hat. Mir geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Ich sehe uns als gut aufgestellt an.

Wie beurteilen Sie die neue Zusammensetzung im Gemeinderat?

Zunächst haben einmal die Wählerinnen und Wähler entschieden. Das respektiere ich als Bürgermeisterin selbstverständlich. Mit zwei Dritteln Konstanz und einem Drittel frischem Wind hat sich der Gemeinderat aus meiner Sicht durchaus verändert und auch verjüngt. Ich finde, das Gremium ist sehr breit aufgestellt, sowohl von den Berufsgruppen und Qualifikationen her als auch von den Ortsteilen, aus denen die Mitglieder kommen. Das begrüße ich sehr. Ich erlebe ein leistungsfähiges und motiviertes Team und bin sehr zuversichtlich für die Zusammenarbeit.

Bereits im Interview im Februar war es ein Thema: Die gemeinde-interne Öffentlichkeitsarbeit liegt brach. Bis heute hat sich nichts getan. Woran liegt das, wie geht es weiter?

Dass es bislang nicht sichtbar voran geht, ist einem umfassenden internen Klärungsprozess geschuldet. Es gibt zum einen ungelöste Personalthemen, zum anderen die Frage nach einer Weiterentwicklung der Öffentlichkeitsarbeit als grundlegendes Instrument der Bürgerbeteiligung. Hier geht es auch darum, was wir uns zukünftig leisten wollen und können und welche Zusammenhänge mit dem Standortmarketing und der Wirtschaftsförderung zu beachten sind. Der neue Gemeinderat wird hier Entscheidungen für eine zukunftsorientierte Lösung treffen.

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