Selbst an das „Denkmal im Boden“ ist gedacht

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 Unter diesen drei Varianten hat sich der Gemeinderat für die linke entschieden. Im Jahr 2019 soll das Brochenzeller Schloss die
Unter diesen drei Varianten hat sich der Gemeinderat für die linke entschieden. Im Jahr 2019 soll das Brochenzeller Schloss diesen Anbau als zweiten Rettungsweg erhalten. (Foto: Gemeinde)

Das Schloss Brochenzell und sein zweiter baulicher Rettungsweg, diese bis ins Jahr 2015 zurückreichende Geschichte ist um ein Kapitel reicher. Ortsbaumeister Axel Beutner rollte jüngst im Gemeinderat auf, was bisher geschehen ist. So liegt nun die Baugenehmigung vor, und es folgen in der nächsten Woche Gespräche mit dem Pächter im Wirtshaus Schloss und dem Vorsitzenden des Schlossfördervereins. Allerdings hatte es im Sommer auch eine Überraschung gegeben, als das „Denkmal im Boden“ eine Rolle spielte.

Rückblende im Zeitraffer: Eine Brandschutzschau im Oktober 2015 führt zu einer baurechtlichen Verfügung, die das Landratsamt im Dezember 2015 erlässt. Demnach muss die Gemeinde als Besitzer des seit 1983 unter Denkmalschutz stehenden Schlosses in einer bestimmten Frist den Auflagen nachkommen – zuvorderst: einen zweiten Rettungsweg bauen.

Im November 2017 einigt sich der Gemeinderat auf die Edelstahl-Variante eines zwölf Meter hohen Treppenturms. An der Nordseite des Schlosses soll er hin zur Schlossscheuer seinen Platz finden.

Im Januar 2018 liegt die Stellungnahme der Baurechtsbehörde im Landratsamt vor, die in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt erfolgt. Sie schließt sich dem Meckenbeurer Votum für ein Stahl-Mesh-Gewebe an, allerdings mit einer kleinen Änderung: Der obere Abschluss soll nicht in der abgeschrägten Variante erfolgen, sondern in waagrechter Form.

Im Mai reicht die Gemeinde das Baugesuch ein, im Juni gibt es eine Stellungnahme des Landesdenkmalamts dazu. Sie weist darauf hin, dass es auch ein „Denkmal unter der Erde“ gibt. Deshalb muss ein anderes Gründungsverfahren für den Turm gewählt werden, um nicht den einstigen Wassergraben (samt etwaigen Gegenständen) zu zerstören.

Aus dem Landesdenkmalamt wird auf SZ-Anfrage bestätigt, dass die neue Gründung nun nicht mehr so tief erfolgt. Da der Bodeneingriff reduziert wurde, ist auch keine weitere Beteiligung des Amtes vonnöten.

Die Erkenntnisse darüber, was sich im Boden unter und neben dem Schloss befindet, gehen übrigens auf Grabungsberichte zurück, die aus dem Jahr 1999 stammen.

Seit Ende Oktober liegt Axel Beutner zufolge die Baugenehmigung vor. Jetzt geht es an die Ausschreibung, die in zwei Losen erfolgen soll: Denn neben dem Treppenturm in Brochenzell wird auch eine Treppe für das Rathaus in Buch als zweiter Rettungsweg benötigt. Zu stehen kommen soll sie – ebenfalls als Stahlkonstruktion – am Balkon des Sitzungssaales.

„Der Kittel ist so groß, dass er immer noch passt“

Derzeit werden die Unterlagen für die Ausschreibung erstellt. Mit der Umsetzung des Vorhabens am Brochenzeller Schloss ist dann 2019 zu rechnen. Als Haushaltsansatz für das kommende Jahr sind 300 000 Euro anvisiert. „Hierin lässt sich nach der Kostenberechnung vom November 2018 die Maßnahme abbilden“, teilt der Ortsbaumeister auf SZ-Anfrage mit, nachdem dieses Thema auch im Gemeinderat angesprochen worden war. „Die Zahlen sind stabil“, konnte Beutner dort verkünden, samt dem anschaulichen Bild: „Der Kittel ist so groß, dass er immer noch passt.“

Was natürlich immer unter dem Vorbehalt zu sehen ist, ob sich die Angebote und Preise am Markt dann auch wie berechnet erzielen lassen.

250 000 bis 270 000 Euro hatte die Schätzung im Jahr 2016 gelautet – ohne die jetzigen Erkenntnisse aus Konstruktion, Statik und Denkmalamt.

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