Schloss Brochenzell – Aufzug wird wieder Thema

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 An der Nordseite des Brochenzeller Schlosses soll der Treppenturm angebaut werden. Bislang ist kein Aufzug geplant.
An der Nordseite des Brochenzeller Schlosses soll der Treppenturm angebaut werden. Bislang ist kein Aufzug geplant. (Foto: Roland Weiss)

Paukenschlag im Gemeinderat: Zu der beabsichtigten Vergabe für den zweiten Rettungsweg am Schloss Brochenzell ist es nicht gekommen, vielmehr hat die Diskussion um einen Aufzug neue Nahrung gefunden.

Der Anbau eines Treppenturms auf der Nordseite (hin zur Scheune) sollte Teil der Lösung dessen sein, was von der Brandschutzschau im Oktober 2015 und den damals erhobenen Forderungen ausging. Der baurechtlichen Verfügung des Landratsamts zufolge muss die Gemeinde als Besitzer des seit 1983 unter Denkmalschutz stehenden Schlosses in einer bestimmten Frist den Auflagen nachkommen – zuvorderst: einen zweiten Rettungsweg bauen.

Stationen seither: November 2017: Der Gemeinderat einigt sich auf die Edelstahl-Variante eines zwölf Meter hohen Treppenturms – Mai 2018: Das Baugesuch liegt vor – Juni 2018: Stellungnahme des Landesdenkmalamts: Ein anderes Gründungsverfahren für den Turm muss gewählt werden, um nicht den einstigen Wassergraben zu zerstören – Oktober 2018: Die Baugenehmigung ist erteilt, jetzt geht es an die Ausschreibung – März 2019: Die Submission erfolgt – April 2019: Unter drei Aspekten soll am Mittwoch im Rat laut Sitzungsvorlage vergeben werden: die Gründungs- und Rohbauarbeiten an die D & K Spezial-Tiefbau (Bad Grönenbach/Thal) für 39 300 Euro, die Verglasungsarbeiten an die Firma Alu Technik K. Rinkenburger (Baienfurt) zum Preis von 32 300 Euro sowie die Stahlbau- und Metallarbeiten. Letztere waren in Los 1 (Schloss) und Los 2 (Rathaus) unterteilt – hier lag die Firma Fähnle aus Bodnegg mit 158 900 Euro vorn – siehe Info-Punkt.

Doch nun die Wende: „Die Sachlage hat sich verändert“, begründete Bürgermeister-Stellvertreter Karl Gälle als Sitzungsleiter, dass die Frage gestellt wurde: „Macht es Sinn, die Arbeiten jetzt zu vergeben?“

Zur neuen Sachlage zählt, dass „Schloss“-Pächter Michael „Mitch“ Masuch auf 30. Juni gekündigt hat. Fürs Wirtshaus wird ein neuer Pächter gesucht (Ausschreibung demnächst) – was sich angesichts der allgemeinen Situation in der Gastronomie offenbar schwierig gestaltet.

Daher hat die Gemeinde jüngst den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) mit einem Gutachten beauftragt. In ihm soll bis Mitte Mai aufgezeigt werden, was in der Gastronomie im Schloss zu tun ist, um sie für einen Pächter attraktiver zu gestalten. Zur Sprache kommt dabei sicher auch der Aspekt der Barrierefreiheit. Und damit der des Treppenturms, den der Gemeinderat (mehrheitlich) bislang bewusst ohne Aufzug geplant hat. Jetzt aber seien durchaus von außerhalb Stimmen zu hören, so Josef Sauter (CDU), die zur Pächtersuche sagen: „Ohne Aufzug kriegt ihr niemanden.“

In dieser offenen Situation die Aufträge zu vergeben – davon sah das Gremium ab. Ortsbaumeister Axel Beutner erklärte zur rechtlichen Lage, dass der Gemeinderat ohne Angabe von Gründen eine Ausschreibung aufheben könne – freilich sei dann nicht auszuschließen, dass sich Firmen wegen des Aufwands, den sie mit der Kalkulation hatten, an die Gemeinde wenden. Die Bindefrist als solche dauert bis 18. April.

„Wir sollten abwarten, bis wir einen Wirt gefunden haben“, der dann auch seine Vorstellungen einbringen könne – die Sicht von Peter Banholzer (Freie Wähler) mündete in den Antrag, die Ausschreibungen aufzuheben und zu warten. Bei acht Ja- und acht Nein-Stimmen (zwei Enthaltungen) wurde der Antrag abgelehnt. Eine Mehrheit (13:5) fand Josef Sauters (CDU) Vorschlag, mit den Firmen zu verhandeln, wie lange sie ihr Angebot aufrechterhalten. Sollte dies zeitlich nicht zusammenpassen, müsste aufgehoben werden.

Von Martin Schaeffer (SPD) kam die Frage, ob sich das Museum derweil weiter nutzen lasse. „Das kann ich nicht voraussehen“, lautete Beutners Antwort, mit Bezug darauf, dass hier das Landratsamt mitspricht.

Müsse man an den Aufzug „rangehen“, werde das sehr teuer, so Ingrid Sauters (SPD) Ausblick. Christof Hartmann (Freie Wähler) schaute hingegen zurück: „Wir haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht.“

BLICK

Sie wundern sich vielleicht, dass ich hier sitze und nicht Bürgermeisterin Elisabeth Kugel“ – mit diesen Worten hat Karl Gälle am Mittwochabend die zahlreichen Zuhörer bei der Gemeinderatssitzung im Rathaussaal willkommen geheißen. Wie der stellvertretende Bürgermeister erläuterte, „hatte Elisabeth Kugel Ende März einen Skiunfall und ist bis zu den Osterferien krankgeschrieben“. Das kurze Statement schloss er mit den Worten: „Wir wünschen ihr gute Besserung und schnelle Genesung.“ Karl Gälle (CDU) hatte bereits zuvor die öffentliche und die nicht-öffentliche Sitzung des Technischen Ausschusses geleitet. Und erhielt am Ende der öffentlichen Ratssitzung nach 21 Uhr vom Fraktionschef der Freien Wähler, Christof Hartmann, den Dank des Gremiums für seine Sitzungsleitung abgestattet – samt der Einladung auf ein Schorle, das Gälle zufolge gerne auch ein Viertele“ sein darf.

Das ließ sich zwar Mittwochnacht nicht mehr einlösen, doch scheint es nur aufgeschoben und nicht aufgehoben.

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