Schafkopfturnier erlebt Interesse wie noch nie

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 Gut gelaunte Turniersieger am Samstag: (von links) Ivo Lauber als Erster, Martin Felder als Zweiter und Hans Lerner als Dritter
Gut gelaunte Turniersieger am Samstag: (von links) Ivo Lauber als Erster, Martin Felder als Zweiter und Hans Lerner als Dritter. (Foto: Fotos: Olaf e. Jahnke)
Olaf E. Jahnke

An drei Tagen haben vom 27. bis 29. Dezember 40 Spieler um Tages- und Gesamtsieg beim Weihnachtsschafkopfturnier jeweils 96 Partien gespielt. Schauplatz war das „Leone“ in Buch am Donnerstag, am Freitag und Samstag wurde im Meckenbeurer „Lehlehof“ gespielt. Veranstaltet hat den Wettbewerb die Schafkopfgruppe Liebenau-Brochenzell.

Wie Mitorganisator Joachim Locher bestätigte, seien 40 Teilnehmer eine Rekordzahl. Ebenfalls mitorganisiert, gerade bei der Sponsoren-Akquise, hat Ivo Lauber, der sich noch an die alten Zeiten des Turniers erinnert, das schon seit Jahrzehnten ausgetragen wird. Seit 1995 habe man dann im Liebenauer „Hirschen“ gespielt, sei ab 2012 in Gaststätten rund um Meckenbeuren als Spielort gewechselt.

Mitorganisatorin Petra Heim hat ursprünglich in Nordrhein-Westfalen mit Doppelkopf angefangen, konnte sich im Süden für Schafkopf begeistern und organisiert mit. Sie freut sich über das verstärkte Interesse der Jugend. Beim Blick auf die Teilnehmer zeigt sich, offensichtlich haben inzwischen auch Jüngere Interesse an dem Traditionsspiel gewonnen. Petra Heim erläutert, dazu habe man für unter 18-Jährige die Beiträge erlassen und erst einmal Jugendtische eingerichtet. Anfänger seien nicht zu streng behandelt worden. „Wir haben denn fünfe auch mal gerade sein lassen“, ergänzt Joachim Locher (Turniergewinner 2016), der mit seiner Frau Irene (Turniergewinnerin 2013) ebenfalls mitorganisiert.

„Es ist spannend, es fordert das Gedächtnis und benötigt Taktik, Strategie und Konzentration, die Königsklasse der Kartenspiele“, beschreibt Locher die Spielqualität. „Eine echte Alternative zu Computerspielen – mit echten Menschen und echtem Spaß.“

Zwar gebe es einen Spieleinsatz von zehn Cent, aber davon werde keiner reich und keiner arm. Auch das Startgeld hält sich mit sieben Euro in Grenzen.

Am dritten Abend stand schließlich Ivo Lauber als Gewinner fest, er hatte sich mit der Rekordzahl von 47 Punkten am Freitag schon mal einen Tagessieg geholt und freute sich: „Schön, dass das nach 2003 noch mal gelungen ist.“ Lauber erreichte mit 126 Punkten Platz 1 des Turniers – 19 Punkte vor dem Zweitplatzierten Martin Felder mit 107. Knapp dahinter und auf dem dritten Platz landete Hans Lerner (106 Punkte). Auf Rang vier kam Tagessieger Albert Schwarz (101), Platz fünf erreichte Lothar Schwab (99) vor Johannes Romahn, der mit 92 Punkten auf Platz 6 landete. Punktgleich folgte schließlich der Tagessieger vom ersten Tag, Günther Blech. Die Zahl der gespielten Gesamt-Solospiele ging von null bis zehn, in der Spitzengruppe lag man eher bei fünf.

Petra Heim erzählt, dass man sich inzwischen regelmäßig donnerstags in der Tettnanger „Traube“ treffe. Außerdem soll sich, wie beim Turnier verlautete, künftig auch in Eriskirch eine Schafkopf-Gruppe treffen. Interessenten für das Schafkopfen gibt Petra Heim gerne Auskunft, dies unter Telefon 07542 / 229 89 oder unter der E-Mailadresse p.r.heim@ online.de.

BLICK

Neben Binokel, Gaigel, Doppelkopf oder Skat ist Schafkopf ein besonders im süddeutschen Raum beliebtes traditionelles Kartenspiel, mit altdeutschem beziehungsweise altbayerischem Blatt – wofür die Farben Eichel, Gras, Herz und Schellen stehen. Der bayerische Philologenverband hat kürzlich gar gefordert, dass Schafkopf wegen seiner positiven Eigenschaften künftig offiziell in den Schulen gespielt werden sollte, als Alternative zu Handyspielen.

Gespielt wird zu viert. Die Meckenbeurer Weihnachtsturnierorganisatoren haben das Regelwerk im Vorfeld festgeschrieben, da es viele Varianten oder Spielmöglichkeiten gibt. Damit sich keine zu strategischen Allianzen bilden, werden an jedem Turniertag die Tischzusammensetzungen gewechselt. Ebenfalls geregelt ist, dass die Spielrichtung im Uhrzeigersinn läuft, dass abgehoben werden muss oder viermal zwei Karten gegeben werden. Falschspieler oder -schreiber fliegen aus dem Turnier.

Die Spiele sind festgelegt als normales Spiel (Ruf-, Sau- oder Partnerspiel), Reno, Wenz, Solo oder Sie, als Besonderheit wird Ramsch gespielt.

Schneiderfrei sind 31 Augen. Es gibt auch Contra oder Re. Mindestens 32 Spiele pro Turniertag werden gespielt. Geldpreise werden je nach Einnahmen und Sponsoring für die Schafkopf-Gemeinschaft ausgelobt. Beim Weihnachtsturnier waren das beispielsweise 20 Euro und ein Sachpreis für den Tagessieg, 80 Euro für den Gesamtsieg und Preisgelder für die weiteren Plätze – was dieses Mal bis Platz 20 ging, sollten doch alle Einnahmen verwertet werden.

Der Letztplatzierte hat sich über ein rotes Inspirations-Schlusslicht und einen Kartensatz gefreut.

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