Roboter sollen Menschen mit Behinderung unterstützen

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Die Probanden der Stiftung Liebenau, gemeinsam mit dem kollaborativen Roboter und den IWT-Mitarbeitern Rohan Sahuji (ganz links)
Die Probanden der Stiftung Liebenau, gemeinsam mit dem kollaborativen Roboter und den IWT-Mitarbeitern Rohan Sahuji (ganz links) und Kris Dalm (neben Herrn Sahuji). (Foto: Veranstalter)
Schwäbische Zeitung

Nicht nur in der Industrie, sondern auch im Bereich der Inklusion und Teilhabe kann die Digitalisierung ganz neue Chancen eröffnen. Dies zeigt ein Projekt des IWT, bei dem untersucht wird, wie Menschen mit Behinderung mit Robotern interagieren. Dabei geht es weniger um die technischen Fragen als um Themen wie Akzeptanz und Nutzerfreundlichkeit.

Da die meisten Arbeitgeber die Bedingungen für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung derzeit nicht erfüllen, ist der Bedarf an integrativen Maßnahmen hoch. Zusammen mit den Partnerwerkstätten der Integrations-Werkstätten-Oberschwaben in Weingarten, der Stiftung Liebenau und den Lindenberger Werkstätten werde sich deshalb nach Möglichkeiten umgesehen, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in der Industrie für Arbeitgeber und Arbeitnehmer lukrativ zu gestalten, ist einem Pressetext des IWTs Wirtschaft und Technik zu entnehmen. Daraus entstand die Idee einer Studie, ob gewisse Einschränkungen durch den Einsatz von kollaborativen Robotern kompensiert werden können. Es soll in der Betrachtung keinesfalls darum gehen, Menschen zu ersetzen, sondern sie durch moderne Techniken und Technologien zu unterstützen. Um dies zu untersuchen wurde das Projekt „Roboter in Kollaboration mit Menschen mit Behinderung“ in der Industriellen Montage ins Leben gerufen, das aus zwei Experimenten besteht.

Ein Experiment beschäftigt sich mit der Akzeptanz und der Benutzerfreundlichkeit von kollaborativen Robotern direkt im Umgang mit Menschen mit Behinderung. Dabei wird von 30 Probanden jeweils ein fiktives Produkt zusammengebaut, wovon von den sieben Montageschritten zwei der kollaborative Roboter übernimmt. Mithilfe von ausgewählten Fragen wird während des Montageprozesses untersucht, wie die Menschen auf den Roboter reagieren, heißt es in dem Bericht weiter.

Nach ersten Gesprächen mit den Partnerwerkstätten hat sich herauskristallisiert, dass die Werkstattleitungen in Zeiten von Industrie 4.0 motiviert sind, moderne Techniken und Technologien wie kollaborative Robotik einzusetzen. Die Befürchtung ist allerdings, dass die Mitarbeiter und Betreuer in den Werkstätten die Roboter nicht selbstständig betreuen und eigene Programme oder Programmänderungen umsetzen können, da sie in der Regel nicht über die entsprechenden Kenntnisse verfügen. Müsste bei jeder Änderung ein Mitarbeiter des Roboterherstellers in Anspruch genommen werden, ist der Einsatz eines kollaborativen Roboters finanziell nicht mehr zu bewerkstelligen. Um diesem Thema entgegenzuwirken, ist die Idee des zweiten Experiments entstanden. Bei diesem werde mithilfe von 60 Probanden untersucht, ob auch Menschen ohne technisches Wissen in der Lage sind, einen modernen Roboter zu programmieren. Deshalb sind 30 der Probanden mit technischem Hintergrund und 30 ohne diesem Hintergrund. Bei dem Experiment machen sie die gleiche Aufgabe wie die Menschen mit Behinderung. Darüber hinaus bekommen sie allerdings auch noch die Aufgabe, das Programm des Roboters zu modifizieren. Noch vor einigen Jahren wäre dieses Experiment aufgrund der Komplexität der Roboterprogrammierung undenkbar gewesen, heißt es in dem Bericht. Heute sind jedoch viele Roboter sehr intuitiv zu steuern und zu programmieren.

Die Auswertung der umfangreichen Ergebnisse der Experimente wird 2020 stattfinden und im Rahmen einer Veröffentlichung publiziert werden.

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