Referent: Handwerk muss weg vom Image des „Hauptschulberufes“

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Der Arbeitskreis Schule Wirtschaft informiert zum Thema Berufsfindung (von links): Referent Joachim Gerd Ulrich (BIBB), Schulrät
Der Arbeitskreis Schule Wirtschaft informiert zum Thema Berufsfindung (von links): Referent Joachim Gerd Ulrich (BIBB), Schulrätin Tania Hastings, Marie-Luise Weißhaupt (BBQ) sowie Markus Brunnbauer von der IHK Bodensee-Oberschwaben. (Foto: karl gälle)
Karl Gälle

„Wie finden Jugendliche heute ihren Beruf?“ Eine Frage, die nicht nur Jugendliche, sondern auch Schule, Wirtschaft und vor allem das Handwerk umtreibt. Grund genug für den Arbeitskreis Schule Wirtschaft Ravensburg/Bodenseekreis, den wissenschaftlichen Mitarbeiter des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB) in Bonn, Joachim Gerd Ulrich, zu einem Vortrag ins Bildungszentrum Meckenbeuren einzuladen.

Der Arbeitskreis Schule Wirtschaft ist, so Marie-Luise Weißhaupt von der Servicestelle Ravensburg/Bodenseekreis, ein regional verankertes und bundesweit agierendes Netzwerk für partnerschaftliche Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft. Ziel des Arbeitskreises ist es, Schulen und Unternehmen zusammenzubringen, damit einerseits den Jugendlichen der Übergang in die Berufswelt und andererseits den Unternehmen die Nachwuchssicherung gelingt. Begrüßt wurden der Referent und die gut 80 Zuhörer von Tania Hastings vom Staatlichen Schulamt Markdorf, Schulrätin und Mitglied der Steuerungsgruppe.

Bei der Berufsfindung Jugendlicher habe man es mit einem sehr spannenden Thema zu tun, mit facettenreichen Problemen und vielen Perspektiven, stellte der Referent zu Beginn seines interessanten wie anspruchsvollen Vortrags klar. Mit dem Begriff „Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt“ konkretisierte der Wissenschaftler die bekannten Probleme bei der Berufsfindung wie Stellensuche, fehlende Ausbildungsangebote aber auch der Mangel an an einer Ausbildung interessierter Jugendlicher vor allem im Bereich des Handwerks.

Ulrich erläutert Studien

An repräsentativen Umfrageergebnissen und Studien zeigte Joachim Gerd Ulrich auf, warum Jugendliche und Betriebe bei der Berufsfindung und Ausbildung oft nicht mehr zusammenkommen und so erfolglos bleiben. Dass dabei vor allem das Handwerk betroffen ist, wurde im Vortrag wie auch in der sich anschließenden Aussprache immer wieder deutlich. Das Handwerk müsse von dem Image des „Hauptschulberufes“ wegkommen in einer Zeit, in der sich die Jugendlichen eher am Studieren orientieren würden. Notwendig sei eine neue Wertschätzung der beruflichen Bildung, die auch das gestalterische, kreative und handwerkliche Talent schätze und achte. „Ein Handwerker ist nicht weniger wert als ein Herzchirurg“, zitierte der Referent den Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Holger Schwannecke.

In der von Markus Brunnbauer von der IHK Bodensee-Oberschwaben moderierten Aussprache wurden verschiedene Lösungsansätze ins Spiel gebracht, um dem Mangel an Ausbildungswilligen und in Folge an Fachkräften gegenzusteuern. Dabei wurden die Betriebe unter anderem aufgefordert, sich möglichst gut zu präsentieren, denn Jugendliche würden nicht nur Berufe wählen, sondern immer auch Betriebe.

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