Ohne Gewähr: Für Kastanienbäume sieht es gut aus

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Sie sollen erhalten bleiben: Um die vier Kastanien machen sich viele Bürger Sorgen – so auch bei der Bürgerinformation zu hören.
Sie sollen erhalten bleiben: Um die vier Kastanien machen sich viele Bürger Sorgen – so auch bei der Bürgerinformation zu hören. (Foto: roland weiss)

Die Bürgerinformation zum Bebauungsplan Altmannstraße hat am Dienstagabend 70 Interessierte in den Kulturschuppen gelockt. Nahmen die Erläuterungen von Planer- und Verwaltungsseite rund 40 Minuten ein, so gab es bei der Diskussion danach mehr als 25 Wortmeldungen, sodass der Abend offiziell nach etwa 90 Minuten endete. Hör- und spürbar war eine breite Palette an Befürchtungen, Sorgen und Anregungen der Bürger, die teils Gegensätzliches zum Ziel hatten.

Auf den langen Weg bis zur Verabschiedung des Planwerks wies Bürgermeisterin Elisabeth Kugel in der Begrüßung hin. „Richtig gut“ werde der Bebauungsplan, zeigte sie sich überzeugt, wenn dank der Bürgerinformation geäußert werde, „was es an Anregungen gibt“.

Wie dieser lange Weg konkret aussieht, das erläuterte Elmar Skurka. Der Bauamtsleiter erinnerte an den Aufstellungsbeschluss, den der Gemeinderat im Juli gefasst hat. Im August war nachgefragt worden, was die Behörden dazu meinen. Derzeit werden die Rückmeldungen aus dieser frühzeitigen Beteiligung ausgewertet, erklärte Skurka.

Die weiteren Schritte, bis mit dem neuen Werk der alte Bebauungsplan „Kleintierzuchtverein an der Pfänderstraße“ von 1986 ersetzt ist: Spätestens im Januar soll der Planentwurf verabschiedet sein. Der würde danach öffentlich ausgelegt: Eventuelle Rückmeldungen wären zu prüfen, sodass im März oder April der Satzungsbeschluss möglich wäre. Läuft alles glatt, könnte der Bebauungsplan ab Mai gelten und in der Folge die Erschließung beginnen.

Auf die Eckpfeiler der Planung für das allgemeine Wohngebiet ging Katrin Halbeck vom Büro Krisch und Partner in Tübingen ein. „Ein wichtiges Planungsziel“ nannte sie, den Meckenbeurer Bach auszubauen, der bislang in einem schmalen Einschnitt verlaufe. Auch soll er einen fünf Meter breiten Gewässerrandstreifen hin zur Straße erhalten.

Was mit einer Verschiebung der in diesem Abschnitt sanierungsbedürftigen Altmannstraße einherginge. Als Erschließungsstraße wäre sie auf 4,5 Meter auszubauen.

Mehrfamilienhaus in Bauphase II

Und dann sind da noch zwei Hütten und ein Container im südwestlichen Plangebiet, hier waren einst die Kleintierzüchter zu Hause. Ihr Vereinsheim ist ja an die Gemeinde zurückgefallen, die es seit Herbst 2017 als Anschlussunterbringung für Flüchtlinge nutzt. Die Hütten sind längstens bis 2022 verpachtet. Wird der Vertrag nicht verlängert, kann Bauphase II einsetzen. Sie sieht ein Mehrfamilienhaus mit wohl vier Wohneinheiten vor. Die Erschließung betrifft den Zugang zum Gelände der Gartenfreunde Alpenblick. Der Bebauungsplan enthält auch die öffentliche Parkfläche, deren Zufahrt nach Westen verschoben würde. Vorgesehen ist, dass der Parkplatzbereich (inklusive der Plätze am Anglerheim) zusammengefasst und umgestaltet wird. Steigen soll die Zahl der Plätze – von 36 auf 42.

Um drei Gebäude (je zweigeschossig plus Dachgeschoss) geht es im ersten Bauabschnitt, der – erhofft – bis 2022 umgesetzt sein soll: Zweimal zwei Einzelhäuser sind aneinander gereiht, das dritte sorgt dafür, dass es insgesamt fünf Wohneinheiten sind.

„Die zentralen Kastanienbäume sollen erhalten bleiben“ – diese Kernaussage konnte Kathrin Halbeck auch nach der Umweltanalyse und den ersten Ergebnissen des vertieften Baumgutachtens aufrechthalten. Eine Kerbe, in die auch Kristina Lipinski vom Überlinger Büro „365° freiraum + umwelt“ schlug: Sie hob die vier Bäume als Schattenspender, Identitätsstifter und Frischluft-Produzenten hervor.

Und doch griff gleich die erste Wortmeldung des Abends aus dem Publikum eine offenbar weitverbreitete Befürchtung auf (so ließ es der Applaus erahnen): nämlich dass die Kastanienbäume im Zuge der Baumaßnahme Schaden nehmen und doch fallen müssen. Was die Bürgermeisterin nicht ultimativ ausschließen wollte: „Das kann ein kritischer Punkt werden“, bekannte Elisabeth Kugel und führte Kosten von rund 50 000 Euro ins Feld, falls die Wurzeln der Bäume extra geschützt werden müssten.

BLICK

In den Wortmeldungen spielten die Kastanien dann nochmals eine Rolle – etwa als vorgeschlagen wurde, auf eine Unterkellerung der Häuser zu verzichten, um den Wurzeln nicht zu nahezukommen. Dass es in den Häusern eher wenig Platz gebe, war ein Argument dagegen.

Viele Bewohner aus dem Quartier nutzten die Möglichkeit, um auf Probleme hinzuweisen – so auf die Verkehrsbelastung in der Brochenzeller Straße (samt zu hohem Tempo), auf freistehende Flächen im Karl-Fränkel-Ring, die zur Müllhalde mutierten, oder auf eine Lärmbelästigung durch im Kies abfahrende Autos in der Altmannstraße.

Bezogen auf den Wohnungsbau reichte das Spektrum von „echt schade, dass so viel Grün verschwindet wegen einiger weniger Wohnungen“ bis hin zu der Forderung, die Kastanienbäume zu opfern und auf diese Weise noch mehr Wohnraum schaffen zu können. (rwe)

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