Nikolaus lässt Flüchtlingskinderaugen strahlen

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Keinerlei Berührungsängste: Die Kinder freuten sich über den Besuch von Nikolaus und Knecht Ruprecht im Gemeindehaus St. Verena.
Keinerlei Berührungsängste: Die Kinder freuten sich über den Besuch von Nikolaus und Knecht Ruprecht im Gemeindehaus St. Verena. (Foto: Kerstin Schwier)

Den vielen leidenschaftlich vorgetragenen Liedern konnte sich der Nikolaus letztlich nicht entziehen. Nachdem die Besucher des Begegnungscafés in Kehlen wiederholt „Lasst uns froh und munter sein“, „Tragt in die Welt nun ein Licht“ und „Sei gegrüßt, lieber Nikolaus“ voller Inbrunst angestimmt hatten, tauchte der heilige St. Nikolaus am Dienstagabend tatsächlich in Begleitung von Knecht Ruprecht im Gemeindehaus St. Verena auf.

„Wir singen so lange, bis er kommt“, hatte zuvor Brigitte Götz, engagierte Helferin beim Freundeskreis Asyl, der das Begegnungscafé gemeinsam mit der Kirchengemeinde St. Verena regelmäßig anbietet, alle Besucher aufgefordert und danach beherzt in die Tasten des Klaviers gegriffen. Etwa 40 Flüchtlinge, viele davon aus der Gemeinschaftsunterkunft in Kehlen, waren zum internationalen Begegnungscafé gekommen, um sich mit anderen Flüchtlingen und Einheimischen auszutauschen. Doch neben guten Gesprächen bei Kaffee, Tee und Nusszopf stand der bevorstehende Besuch des Bischofs aus Myra im Mittelpunkt des Geschehens und sorgte vor allem bei den kleinen Gästen für eine gewisse Anspannung. „Viele kennen den Nikolaus gar nicht, sondern verwechseln ihn mit dem Weihnachtsmann“, so Angelika Prospero, die mit Sieglinde Bernhard seit 2015 Deutschkurse für Flüchtlinge anbietet.

Nachdem Helferin Angelika Kirstein zur weihnachtlichen Einstimmung die Geschichte „Vom Engel an dem kein Vorbeikommen war“ vorgelesen hatte, informierte Brigitte Götz die Besucher in einem kurzen, bebilderten Vortrag über Leben und Wirken des Bischofs von Myra. Dann war es endlich soweit: im prächtigen roten Gewand, mit Bischofsstab in der Hand und Mitra auf dem Kopf erschien der Nikolaus mit Knecht Ruprecht, der einen prall gefüllten Sack hinter sich herzog. Mit tiefer Stimme grüßte er alle, darunter auch Bürgermeisterin Elisabeth Kugel, und lobte die Kirchengemeinde St. Verena und den Freundeskreis Asyl für ihre wertvolle, ehrenamtliche Arbeit. „120 Kulturen hier in Meckenbeuren machen das Leben hier schön bunt“, befand der Würdenträger. „Habt ihr euch denn das ganze Jahr über Mühe gegeben? Habt ihr denn auch euren Sprachkurs mitgemacht?“, fragte der Nikolaus und schlug sogleich in seinem goldenen Buch nach, in dem die Sprachkursteilnahme ebenfalls verzeichnet war. Nachdem die Kinder der syrischen Familie Al Ali den Nikolaus mit einem syrischen Gedicht erfreut hatten, startete die Verteilaktion. Jedes Kind erhielt ein kleines Beutelchen, von Helferin Pia Litz- Kehr liebevoll gefüllt.

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