Neuer Wohnraum nahe des Bahnhofs in Meckenbeuren

Lesedauer: 7 Min
Neuer Wohnraum: Meckenbeuren verdichtet bahnhofsnah nach
Vier oder fünf Mehrfamilienhäuser sollen in der Altmannstraße entstehen. Wieviele es werden, hängt davon ab, ob die Kastanienbäume erhalten werden können.

Im nächsten Schritt soll ein Planentwurf erarbeitet werden, der nach der Sommerpause im Gemeinderat gebilligt und dann öffentlich ausgelegt werden könnte. Angedacht ist das beschleunigte Verfahren nach Paragraf 13a Baugesetzbuch, sodass frühzeitig eine Rückmeldung der Fachbehörden eingeht. Vor Billigung des Planentwurfs soll es eine Bürgerinformation geben, die insbesondere für die Anwohner zwischen Schussen und Bahnlinie gedacht ist.

Wohnbebauung sieht die Gemeinde in der Altmannstraße vor. Und zwar auf der derzeit ungenutzten Fläche zwischen dem ehemaligen Vereinsheim der Kleintierzüchter und dem Parkplatz, der den Gartenfreunden Meckenbeuren zugeordnet ist. Verwirklichen will sie dies mit dem Bebauungsplan Altmannstraße, der im Gemeinderat letztlich einstimmig gebilligt wurde. Zuvor hatten aber vier Einzelabstimmungen angestanden, nachdem vor allem über die Dichte der Bebauung und den Erhalt der Kastanienbäume diskutiert worden war.

Rückblende: Seit 1986 existiert der Bebauungsplan „Kleintierzuchtverein an der Pfänderstraße“. Er lässt nur Gebäude und Anlagen für diesen Zweck zu. Die Gemeinde hatte die Fläche jahrzehntelang an den Kleintierzuchtverein Z 133 verpachtet. 2016 war der Vertrag nicht verlängert worden. Seit November 2017 sind im vormaligen Vereinsheim Asylbewerber untergebracht – was mittels Befreiung möglich war.

Zwei Hütten am südlichen Rand hin zu den Gartenfreunden dienen noch mehreren Kleintierzüchtern – die Pachtverträge laufen unterschiedlich lang, längstens bis 2022.

Da Konsens besteht, dass in diesem Quartier zu Wohnzwecken nachverdichtet werden soll, ging es nun an die Erstellung eines Bebauungsplans, dessen Eckpfeiler Katrin Halbeck (Büro Krisch und Partner in Tübingen) vorstellte.

Dazu gehört, dass der Meckenbeurer Bach, dem übergeordnete Bedeutung zugesprochen wird, auf seinem Weg zur Schussen ausgebaut werden soll – sodass sich der Bach beidseits der Pfänderstraße präsentiert. Zwar wird er nicht ins Plangebiet aufgenommen (siehe Kasten), doch ist ein fünf Meter breiter Gewässerrandstreifen vorgesehen.

Was dazu führt, dass die eh sanierungsbedürftige Altmannstraße verlegt und von drei auf 4,5 Meter verbreitert werden soll, um leistungsfähig als Erschließungsstraße für das neue Wohnquartier zu dienen.

Davon und vom Umriss des Plangebiets betroffen ist der öffentliche Parkplatz der Gartenfreunde Alpenblick, weshalb der Bebauungsplan auch auf die Parkfläche ausgedehnt wurde. Die Zufahrt würde nach Westen verschoben: Vorgesehen ist in diesem Zusammenhang, dass der Parkplatzbereich (inklusive der Plätze vor dem Anglerheim) zusammengefasst und umgestaltet wird.

Unterschieden wurde in die Varrianten A und B (beide von zwei Baustufen ausgehend, entsprechend der Verfügbarkeit der Fläche). Erstere sieht den Erhalt der vier in Reihe stehenden Kastanienbäume vor. Was mit sich bringt, dass ein Gebäude weniger entstehen kann.

Variante B nimmt keine Rücksicht auf die Bäume und sieht eine Ersatzpflanzung zwischen der Anschlussunterbringung und der neu geplanten Wohnbebauung vor. In ihr ist ein Gebäude mehr möglich.

„Experimentiergelände“ denkbar

In der Diskussion befanden die BUS-Rätinnen Katja Fleschhut und Ursula Herold-Schmidt, dass sich an dieser Stelle durchaus noch mehr Wohnraum schaffen ließe. Ob nicht Geschosswohnungsbau (statt der bisher angedachten zwei Geschosse plus Dachgeschoss) angebracht wäre, warfen sie ein. „Dann gehen uns die Flächen aus bei den Stellplätzen“, so das Gegenargument von Katrin Halbeck. Was Katja Fleschhut an eine Rücknahme der Stellplatzzahl je Wohneinheit von 2,0 auf 1,5 denken ließ, während Ursula Herold-Schmidt sich angesichts der Nähe zum Bahnhof ein „Experimentiergelände“ vorstellen konnte – nämlich ohne Stellplätze auszukommen, also Familien ohne Auto zu bedenken.

Ehe der Aufstellungsbeschluss einhellig erfolgte, gab es vier Abstimmungen zu Details. Bei einer Ja-Stimme und Enthaltung wurde der Antrag abgelehnt, den Meckenbeurer Bach ins Plangebiet einzubeziehen. Vier Ja-Voten und eine Enthaltung gab es beim Antrag, das Quartier „autofrei“ zu gestalten. Mehr Geschosse in dem Plangebiet zu ermöglichen – dafür sprachen sich drei Räte aus (abermals eine Enthaltung).

Mit 15 Ja-Stimmen angenommen wurde der Antrag, Variante A weiterzuverfolgen – samt dem Zusatz: Wenn sich zeigt, dass die Bäume nicht zu erhalten sind, soll über ein weiteres Baufeld nachgedacht werden. Damit wurde dem Rechnung getragen, dass es mit Blick auf die Baumaßnahme keine Sicherheit gibt, ob alle Bäume diese überstehen.

BLICK:

Das beschleunigte Verfahren nach Paragraf 13a Baugesetzbuch für einen „Bebauungsplan der Innenentwicklung“ legte es nahe, den Meckenbeurer Bach nicht mit ins Plangebiet mitaufzunehmen – so der Tenor der Verwaltungsbank.

Der Grund: Beim Verfahren nach Paragraf 13a muss der naturschutzrechtliche Ausgleich nicht innerhalb des Plangebiets geschaffen werden.

Würde der Meckenbeurer Bach jetzt einbezogen und aufgewertet, würde damit ein Bestand innerhalb des Plangebiets geschaffen, ohne dass dieser der Gemeinde Ökopunkte eingebracht hätte.

Wird dies hingegen separat als Maßnahme der Gemeinde angegangen, so lassen sich auf diese Weise Ökopunkte erwerben.

Im nächsten Schritt soll ein Planentwurf erarbeitet werden, der nach der Sommerpause im Gemeinderat gebilligt und dann öffentlich ausgelegt werden könnte. Angedacht ist das beschleunigte Verfahren nach Paragraf 13a Baugesetzbuch, sodass frühzeitig eine Rückmeldung der Fachbehörden eingeht. Vor Billigung des Planentwurfs soll es eine Bürgerinformation geben, die insbesondere für die Anwohner zwischen Schussen und Bahnlinie gedacht ist.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen