„Mit wenig Material etwas Großes erzeugt“

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Mann steht in einem Eingangstor
Andreas Hafen steht in dem von ihm gestalteten Eingangsportal zum Bürgerpark. In den kommenden Monaten wird sich die Oberfläche des Portals weiter verändern. (Foto: Anja Reichert)
Schwäbische Zeitung

Im Juli hat Metallgestalter Andreas Hafen mit seinem Team das Eingangsportal zum Meckenbeurer Bürgerpark fertiggestellt. Im Gespräch mit Redakteurin Anja Reichert spricht er über die Entstehung, die Entwicklung und die Kritik des Werks.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an Ihrem Werk vorbeifahren?

Ich freue mich, dass mich die Gemeinde gefragt hat und dass ich helfen konnte, diesen Platz zu gestalten. Wir haben einen großen Radius von München bis Zürich. Dann ist es schön, wenn man auch in der Heimatgemeinde etwas tun darf. Ich bin stolz und zufrieden mit dem Ergebnis, das sein Ziel und seinen Zweck erreicht. Auch wenn ich weiß, dass es eine Diskussion gibt.

Was war denn das Ziel?

Wir hatten hier einen Platz, der nichts aussagte. Als er leer war, sind die Menschen hier vorbeigefahren und vorbeigelaufen ohne zu bemerken, dass hier etwas Besonderes ist: nämlich ein innerörtliches Kleinod, ein spezieller Ort. Wir haben nun mit wenig Material etwas Großes erzeugt. Die Aufgabe war es, mehr Aufmerksamkeit auf das Ried zu lenken. Damit musste auch dem Platz als direktem Zugang mehr Kraft und Stärke gegeben werden, damit er Aufmerksamkeit erzeugt. Wir haben dieses Eingangsportal geschaffen, der Platz hat Stärke bekommen, eine Dynamik und durch das Farbenspiel des Materials auch eine Lebendigkeit. Man wird aufmerksam.

Sie sagten selbst, dass sie um die Diskussion wissen, in der es auch um die Oberfläche geht.

Ja, von Anfang an gibt es die Diskussion um die Oberfläche, denn der Rost hat in Deutschland ein Problem: Er ist negativ besetzt und hat auf viele eine negative Ausstrahlung. Ich persönlich liebe diese Oberfläche. Sie ist lebendig, verändert und entwickelt sich - wie die Natur. Die Oberfläche ist noch nicht fertig: Hier am Portal erkennt man die ersten Rostansätze. In den kommenden Monaten wird die Oberfläche eine Gleichmäßigkeit bekommen. Nach und nach entsteht dann eine dunkelbraune Rostoberfläche. Mit dieser Naturoberfläche soll die Verbindung zur Natur und zum Park gemacht werden. Natürlich hätte man es lackieren können, ich habe es dem Gemeinderat offen gelassen, aber wir haben uns bewusst dafür entschieden.

Die Kritik reicht noch weiter: In sozialen Netzwerken schreiben Nutzer, dass sie das Portal nicht als schön bezeichnen wollen oder dass man das Geld besser in etwas anderes investiert hätte. Treffen Sie solche Aussagen?

Selbstverständlich treffen mich solche Sätze, vor allem dann, wenn man sich so viele Gedanken zu einem Platz macht, wie ich es getan habe. Für diesen Platz gab es noch rund zehn andere Entwürfe. Die Entscheidung hat letztlich das Gremium getroffen. Es ist etwas, was die Menschen bewegt. Das ist eigentlich gut. Alles was in den Gestaltungs- oder Kunstbereich reingeht, regt die Menschen an und regt sie auf. Es berührt sie auf eine Weise und schließlich setzen sie sich damit auseinander. Man hätte auch relativ leicht einen Handlauf befestige können, aus dem Katalog zwei Bänke, Fahrradständer und Mülleimer und drei rot lackierte Pfosten hinstellen können. Auch das hätte den Zweck erfüllt, wir hätten keine Prügel bekommen und die Kosten wären vermutlich ähnlich gewesen. Aber die Frage ist, ob der Platz dann auch diese Bedeutung und Stärke bekommen hätte. Vermutlich nicht.

Erhalten Sie Rückmeldungen zu der Arbeit?

Interessanterweise habe ich nur positive Rückmeldungen gehört. Auch an die Gemeinde wurden bisher keine Beschwerden herangetragen. Nur am Rande bekomme ich andere Sachen mit. Aber direkt in einen Dialog mit mir ist bisher niemand getreten. Das ist eigentlich schade.

Sie sagten, dass es für diesen Platz gab noch rund zehn andere Entwürfe gab...

Ja, und natürlich gibt es zig andere Varianten und Möglichkeiten, wie man es hätte tun können. Ich bin Gestalter, ich bin kreativ. Wenn man mir so eine Aufgabe gibt, lässt sie mich nicht los. Gleichzeitig bin ich aber nicht der Künstler, der sagt, so ist es jetzt, das ist mein Entwurf. Änderungswünsche habe ich angenommen, Anregungen aufgenommen. Es ist ein Prozess, der sich mit dem Gemeinderat und mit den Mitarbeitern der Gemeinde weiterentwickelt hat. Wir haben jetzt dieses Eingangsportal geschaffen. Für mich ist eine gelungene Arbeit, die ihr Ziel erreicht.

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