Mehr Bewegung schlägt dem Alter ein Schnippchen

Lesedauer: 3 Min
„Wie wollen wir alt werden?“ Privatdozent Dr. Hans Joachim Simmendinger, ehemaliger Chefarzt der Anästhesie des Häfler Klinikums
„Wie wollen wir alt werden?“ Privatdozent Dr. Hans Joachim Simmendinger, ehemaliger Chefarzt der Anästhesie des Häfler Klinikums, und Ergotherapeutin Daniela Nerlich vom Therapiezentrum Friedrichshafen-Tettnang beleuchten Fragen rund ums Alter und (Foto: mcb)
Schwäbische Zeitung

Beim Patientenvortrag der Reihe „Medizin am Gleis“ des Medizin Campus Bodensee stand die Frage „Wie wollen wir alt werden?“ im Fokus. Dr. Hans Joachim Simmendinger, ehemaliger Chefarzt der Anästhesie des Klinikums Friedrichshafen, referierte vor rund 70 Interessierten. Ergotherapeutin Daniela Nerlich vom Therapiezentrum Friedrichshafen-Tettnang gab alltagspraktische Tipps, um Stürze zu vermeiden.

Die Lebenserwartung steigt stetig und bereits jetzt leben etwa 17 000 über 100-Jährige in Deutschland, teilt der Medizincampus Bodensee mit. „Alle wollen alt werden, aber keiner will alt sein“, schickte Dr. Simmendinger humorvoll voraus. Die gute Nachricht: Wir können selbst etwas tun – ist unsere Lebenserwartung doch nur zu einem Viertel genetisch bedingt. Drei Viertel hängen von Umwelteinflüssen und Lebensstil ab. „Der Mensch ist so alt wie seine Gefäße.“ Ein stressarmes Leben, ein starker Familienverband, vielfältige soziale Kontakte, körperliche Aktivität sowie eine ausgewogene Ernährung seien förderlich.

„Altern beginnt in den Zellen, das heißt mit dem Versagen von Regenerationsmechanismen“, erläuterte Simmendinger. Altern sei also das Ergebnis, wenn Zellschäden und -reparatur nicht mehr in Balance sind. „Etwa ab dem 60. Lebensjahr erfolgt ein mehr oder weniger starker Abbau aller Funktionen“, berichtete der ehemalige Chefarzt, der selbst die 80 schon überschritten hat. Leider sei das Elixier für ewige Jugend noch nicht gefunden worden. Zu fürchten sei jedoch nicht der Tod, sondern lange Pflegebedürftigkeit und Siechtum. Für ein gesundes, aktives und unabhängiges Altern gab Simmendinger den Zuhörern folgendes Rezept mit auf den Weg: Maßhalten, insbesondere mit Blick auf den Bauchumfang. Bewegung, riskante Aktivitäten und chronischen Stress vermeiden, soziale Kontakte pflegen und sich Ziele setzen.

Ergotherapeutin Daniela Nerlich gab im Anschluss Tipps und Hinweise in Sachen Sturzprophylaxe. Falle doch jeder über 65-Jährige mindestens einmal im Jahr. Sie empfahl auch, Hindernisse und Stolperfallen zu beseitigen, feuchte oder glänzende Böden zu meiden, für gute Beleuchtung zu sorgen und rechtzeitig Hilfsmittel wie Gehhilfen oder Rollator zu benutzen. Und sie hat auch einen Tipp, wenn es doch mal zum Sturz kommt: „Aufstehen, Krönchen richten und weitermachen.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen