Meckenbeurer diskutieren über „Rettet die Bienen“

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Gruppenbild von fünf Männern
Referierten zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“ (von links): Willi Mayer (NABU Ravensburg), Dietmar Rist (konventioneller Landwirt), Clemens Hund (Bioland Bauer), Meinrad Leiter (zweiter Vorsitzender des Imkerverbandes Tettnang), Engelbert Sachs (BUND Ortsverband Meckenbeuren). (Foto: Karin Schütrumpf)
Karin Schütrumpf

Volles Haus in der Pizzeria Leone in Meckenbeuren: Die BUS-Fraktion hatte zu einer Informationsveranstaltung zum Volksbegehren Artenschutz „Rettet die Bienen“ eingeladen. Vertreter der Landwirtschaft, der Imker und von Naturschutzverbänden stellten ihre Positionen dar. BUS-Fraktionsvorsitzende Annette Mayer moderierte eine Diskussion, bei der kontroverse Meinungen aufeinanderprallten.

Die Zuhörer besetzten alle Tische, standen im Eingang und saßen teilweise auf dem Boden. Nachdem Annette Mayer die wichtigsten Forderungen des Volksbegehrens zusammengefasst hatte, stellten fünf Referenten ihre unterschiedlichen Positionen dar. Clemens Hund, der einen Bioland Bauernhof in Senglingen betreibt, ist sicher: „Ich könnte meinen Betrieb bei Eintreten des Volksbegehrens nicht fortführen.“ Mehr Bauern zu biologischem Anbau zu verpflichten, ist seiner Ansicht nach, nicht der richtige Weg: „Man kann die Leute nicht zu Bio zwingen.“

Sorgen und Nöte

„Wenn das Volksbegehren durchkommt, muss ich für jedes Pflanzenschutzmittel erst mal einen Antrag stellen. Bis dahin ist unser Zeug von den Schädlingen aufgefressen“, kritisierte Dietmar Rist. Er betreibt im Landschaftsschutzgebiet eine konventionelle Landwirtschaft. Rist: „Landwirte sind Unternehmer.“ Seine Kulturen seien ohne Pflanzenschutzmittel „nicht machbar“. Auch das Anpflanzen von Blühsträuchern ist seiner Meinung nach keine Lösung. Diese würden Mäuse anziehen.

Initiiert wurde das Volksbegehren von den beiden Berufsimkern David Gerstmeier und Tobias Miltenberger vom Verband proBiene. Imker Meinrad Leiter aus Tettnang, zweiter Referent bei der Infoveranstaltung, findet, dass beim Volksbegehren die Tücke im Detail liege. Auch faire Preise für die Bauern seien wichtig. Seiner Meinung nach müsste das Volksbegehren „Rettet die Bienen und die Bauern“ heißen. Willi Mayer vom NABU Ravensburg überstützt das Volksbegehren „Rettet die Bienen“: „Das ist eine gute Möglichkeit, den Naturschutz in den Alltag zu bringen.“ 20 Prozent der Insekten- und Vogelwelt seien verschwunden.

Die Existenzängste der Bauern bezeichnet er als „berechtigt, denn wenn es keine Bienen mehr gibt, wird es mit dem Bestäuben schwierig.“ Das Volksbegehren sei zwar „mit heißer Nadel gestrickt“ könne aber ein Handlungsanstoß für die Politik sein.

„Sie können Ihre grünen Kreuze in Meckenbeuren einpacken“, rät Engelbert Sachs vom BUND Meckenbeuren den Bauern. „Das Landschaftsschutzgebiet von Rebholz bis Knellesberg dient der Erhaltung der Eisrandformen also der Geländeform“, stellt er klar. Weil der Schutzzweck ein anderer ist, sei der Pestizideinsatz gar nicht verboten. Kontrovers wurde anschließend über die Wortbeiträge diskutiert.

Ein Zuschauer forderte unter großem Beifall eine Reduktion des Pflanzenschutzmittel-Einsatzes. Die auch im Volksbegehren enthaltene Forderung den Pestizideinsatz zu reduzieren, wiesen die Landwirte dagegen deutlich zurück. Obstbauer Stefan Maenner „In niederschlagsreichen Jahren haben wir Schorf, obwohl wir spritzen.“ Schon jetzt sei deshalb der Einsatz von Spritzmitteln am unteren Limit.

Die Anfälligkeit für Schorf führt Maenner auf das Einkreuzen schorfanfälliger Sorten zurück. „Mit den bestehenden Sorten sind wir auf dem Holzweg“ warnt er. Schorfresistente Sorten ließen sich jedoch am Markt nicht platzieren.

Die Naturschutzvertreter plädierten für größere auch mehrjährige Blühstreifen aus einheimischen Pflanzen. „Der NABU beteiligt sich am Volksbegehren, weil es um Artenschutz geht“, stellte Willi Mayer klar

Mehr Dialogbereitschaft forderte Zuschauerin Helene Göbel: „Warum setzt man sich nicht zusammen an einen Tisch“, wollte sie wissen. „Man muss das Ganze sehen“, findet sie. Das kommt ihrer Ansicht nach beim Volksbegehren zu kurz.

Auch Imker Meinrad Leiter hält einen Dialog zwischen Naturschützern, Imkern und Landwirten für wichtig: „Mit meinen Bienen bin ich auch im Raps oder in den Heidelbeeren.“

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