Meckenbeurens Jugend startet durch

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So soll es gehen: Wie die Jugendgremien und jene der Erwachsenen vernetzt sind.
So soll es gehen: Wie die Jugendgremien und jene der Erwachsenen vernetzt sind. (Foto: arbeitsgruppe)

Die ersten Wahlen zum Jugendrat sollen auf der nächsten (der zweiten) Jugendkonferenz abgehalten werden. Was auf jeden Fall noch 2018 sein soll.

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Durchweg gute Kritiken hat das Konzept zur Jugendbeteiligung am Mittwochabend im Gemeinderat erhalten. Die Jugendlichen selbst stellten die Eckpfeiler vor und erfuhren – neben Applaus – die einhellige Billigung der Konzeption durchs „große Ratsgremium“.

Die Vorgeschichte rief Bürgermeisterin Elisabeth Kugel in Erinnerung. Im Mai 2017 waren im Gemeinderat erste Gedanken zur Jugendbeteiligung diskutiert worden. Auf Ratsbeschluss ist Nils Kaeding seit Herbst im Jugendreferat mit einem 30-Prozent-Anteil dafür ausgestattet. Im Februar 2018 folgte die erste Jugendkonferenz (JuKon), bei der 40 Jugendliche Ideen sammelten. Diese wurden zu einem Konzept verfeinert – dies in einer Arbeitsgruppe, die aus zehn Jugendlichen, Vertretern der Ratsfraktionen und Verwaltungsmitarbeitern bestand.

Dass dazu im Bemühen um das beste Ergebnis auch ein Ringen um Details gehörte, verschwieg Ralf Schwaiger nicht. Der Jugendreferats-Leiter hob als Neuerung hervor, dass Jugendliche damit auch in fließende Prozesse in der Gemeinde eingebunden sind, und dankte – wie Kugel – allen, die sich eingebracht hatten.

Sechs Elemente machen die Jugendbeteiligung aus. Die jährliche Jugendkonferenz kann als Vollversammlung aller Jugendlichen ab Klasse 5 verstanden werden, die in Meckenbeuren wohnen. Angesprochen sind sie bis zur Vollendung des 21. Lebensjahrs – in Ausnahmefällen (besonders engagiert) auch noch sechs Jahre länger. Wichtig: Die „JuKon“ findet außerhalb der Schulzeit statt, sodass es keinen Hinderungsgrund gibt.

Neun Mädchen und Jungen bilden den Jugendrat, den die Jugendkonferenz wählt. Er stellt einen zentralen Bestandteil des Konzepts dar – auch weil er als „Schnittstelle“ Ideen an den Gemeinderat weitergibt.

Intern bestimmen die neun, die für die Dauer eines Jahres gewählt sind (Wiederwahl möglich), zwei Sprecher. Befragt, ob ein Jahr nicht zu kurz sei, kam schmunzelnd die Auskunft, „wir Jugendlichen haben eine schnelllebige Welt“ – was sich auf den Wechsel von Schulen und Interessenslagen bezog. Ernsthafter ergänzte dies die Argumentation, dass sich einerseits im Zeitraum eines Jahres durchaus etwas bewirken lasse, andererseits diese Zeitspanne planbar und absehbar sei.

Wer sich einem selbst gewählten Thema oder Projekt annehmen will, kann dies in Arbeitsgruppen tun. Sie tragen die Thematik dann in den Jugendrat.

Dessen Vernetzung mit Gemeinderat und Verwaltung erfolgt über das Jugendkomitee. Dieses besteht aus der Bürgermeisterin, den Mitgliedern des Jugendrates und je einem Mitglied der Ratsfraktionen von CDU, Freien Wählern, BUS und SPD.

Die drei Sitzungen des Jugendkomitees im Jahr werden vorerst als intern angesehen – also ohne Öffentlichkeit. Beschließen soll das Komitee über Weiterentwicklungen des Jugendbeteiligungskonzepts, die nicht rechtlich bedingt vom Gemeinderat getroffen werden müssen.

Festgeschrieben ist im Konzept selbst, dass es fortlaufend evaluiert wird, um Verbesserungen zu erreichen. Begleitet werden die Jugendlichen von der Fachstelle Jugendbeteiligung im Jugendreferat (Nils Kaeding, Ralf Schwaiger). Diese verwaltet auch die Finanzmittel, die die Gemeinde für die Jugendbeteiligung bereitstellt.

„Welche Prozesse in Meckenbeuren sind jugendrelevant?“ – diese Frage stets mitzudenken, dazu ermunterte Ralf Schwaiger die Gemeinderäte. Aus deren Reihen gab es viel Lob für Präsentation und Konzept, das Jonathan Wolf (SPD) als „total schlüssig“ empfand.

„Gut, dass alle Jugendlichen eingeladen sind“ und dass ein Instrument für Verbesserungsvorschläge bereits mitgedacht ist, so brachte Peter Banholzer (Freie Wähler) seine Zustimmung zum Ausdruck. Sein Fraktionskollege Gunter Burger erhoffte sich Impulse auch für die Arbeit des „großen“ Ratsgremiums.

Kommentar

So kann es klappen

Beeindruckend, was die Jugendlichen als Konzept erstellt und wie sie es im Gemeinderat präsentiert haben. Hier viel Freiraum für Ideen, dort Regeln, die Sicherheit verleihen: Der Balanceakt scheint mit der Konzeption gelungen.

Gut ist auch, dass der klassische Jugendgemeinderat keine Rolle mehr spielt. Mit Jugendrat und Jugendkomitee sind Gremien vorhanden, die neue Wege beschreiten (können) – mit enger Anbindung an und zugesicherter Unterstützung durch den „großen“ Gemeinderat.

Die Jugendkonferenz dient dabei als demokratische Basis. Auf Dauer wird entscheidend sein, dass sie gut besucht ist und Anstöße gibt. Denn das ist der Lohn für all jene, die sich übers normale Maß hinaus einsetzen und auf deren Motivation und Begeisterung es Jahr für Jahr ankommen wird.

Die Grundlage ist jedenfalls gelegt, dass Jugendbeteiligung kein Strohfeuer ist, sondern eine feste Größe wird, für die Meckenbeurer Jugendliche „Feuer und Flamme“ sein können.

r.weiss@schwaebische.de

Die ersten Wahlen zum Jugendrat sollen auf der nächsten (der zweiten) Jugendkonferenz abgehalten werden. Was auf jeden Fall noch 2018 sein soll.

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