„Meckenbeuren soll lebendiger werden“

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Auch auf dem Wochenmarkt will Elisabeth Kugel in den nächsten Wochen zugegen sein – mit einem Schild, das für sie besondere Bede
Auch auf dem Wochenmarkt will Elisabeth Kugel in den nächsten Wochen zugegen sein – mit einem Schild, das für sie besondere Bedeutung hat, als Erkennungszeichen. (Foto: rwe)

Donnerstagabend in Brochenzell: Der Fuhrmannskeller im Wirtshaus Schloss platzt aus allen Nähten. Das Interesse an der Wahlkampf-Veranstaltung von Elisabeth Kugel ist riesig: Etwa 70 Frauen und Männer aller Altersklassen finden sich ein, einige lauschen der Kandidatin vom Vorraum aus.

Den Versammlungsort nutzt Elisabeth Kugel als Einstieg: Als „optimales Beispiel“ fürs Zusammenspiel von Bürgern/Ehrenamtlichen und Kommune empfindet sie das Wirtshaus Schloss. „Viel viel mehr solche Projekte“ sollte es in Meckenbeuren geben, so ihr Impuls – zumal sich damit ein Gebäude erhalten ließ, das von der Ortsgeschichte zeugt.

Um Ideen, die Meckenbeuren bewegen, geht es der 46-Jährigen an diesem Abend – bevorzugt unter Beteiligung der Bürger. Überzeugen will sie, damit die Zuhörer mit dem Gefühl heimgehen: „Der Frau kann man zutrauen, dass sie noch mehr bewegt, als es bisher der Fall war.“

Immer wieder streut Elisabeth Kugel Stationen aus ihrem Lebensweg ein, bei dem sich aus ihrer Sicht Bodenständigkeit und Ursprünglichkeit mit der Energie mischen, etwas bewegen und entwickeln zu wollen.

Dafür führt sie Beispiele an, veranschaulicht sie anhand von Mitgebrachtem – seien es Äpfel oder Nüsse. Wenn es letztere zu knacken galt, habe sie schon als Kind die Nüsse nicht einfach weitergeschoben, sondern stets selbst mit angepackt – beharrlich, bis die Nuss geknackt war.

Seit ihrer Bewerbung merke sie, so Elisabeth Kugel, „wie sich ein Weg ebnet“, mit Blick auf ihre Hoffnung: „Es könnte eine andere Zeit anbrechen in Meckenbeuren“ – mit ihr als Bürgermeisterin.

„Stattliche Gemeinde“ statt Stadt

Was sie nicht offensiv gegen die Arbeit von Schultes und Räten wendet, aber: „Ich habe andere Schwerpunkte und andere Herangehensweisen“, hebt sie hervor. Zu den Sichtweisen gehört dabei, dass Meckenbeuren mit seinen 51 Weilern „für mich keine Stadt ist, sondern eine stattliche Gemeinde“ und sich auch nicht in diese Richtung entwickeln müsse.

„Wir brauchen ein Gesamtkonzept“, befindet sie unter baulichen Aspekten und fragt: „Wo sollen Flächen freigehalten werden? Wo soll die Mitte sein?“ Dabei gelte es, „nicht nur protzig zu bauen“, sondern auch den Charakter zu erhalten.

„Die Innenbelebung ist mir wichtig“, verweist sie für den Kernort auf das Gebiet zwischen Bahnhof und Kirche, das ausbaubar sei. Mehr Leben soll auf den öffentlichen Plätzen einziehen, um die Abwanderung nach Ravensburg oder auch Tettnang zu stoppen. Ihr Ansatz: „Meckenbeuren soll lebendiger werden.“

Tief ins Detail geht es dabei eher selten. Was Elisabeth Kugel bewusst ist: „Ich will mir noch diese und nächste Woche Zeit lassen“, sagt sie mit dem Beisatz: „Ich sammle Puzzlestücke für eine neue Vision.“

Einfließen sollen Impulse aller Gruppen. „Was wollen Sie bewahren? Was ist Ihnen wichtig?“ wendet sie sich an die Zuhörer. Die Anregungen sind breit gestreut – beginnend damit, dass in der Gemeinde privates Engagement etwa bei der Landschaftspflege zu wenig geschätzt werde. „Es braucht Energie, um viel Leben zuzulassen und um das zu bündeln“, traut sie sich dies mit Blick auf die Initiativen der Bürger zu.

Auf dieses „Getragensein von der Bürgerschaft“ setzt sie, könnte sich nach mehrfacher Kritik an der Radwegsituation vorstellen, eine Gruppe aus Engagierten zusammenzuholen, die sich dem Thema annimmt – „dann muss auch nicht der Gemeinderat alles machen.“

Potenziale sieht sie auch im sozialen Bereich. Viele Gruppierungen wüssten zu wenig voneinander: „Wir können viel mehr Gemeinschaft hereinbringen“, ist sie sich sicher.

Persönliche Vermittlung und Begleitung – das taucht als Erfolgsansatz für Elisabeth Kugel auch bei der Frage nach bezahlbarem Wohnraum auf. Stichwort: hohe Mietpreise. Hier könne eine Lösung sein, wenn die Gemeinde „in Vorleistung“ gehe und ein Gelände bebaue. Oder auch wenn Bestandsgebäude anders genutzt würden. „Rutschen wir zusammen in Meckenbeuren?“ – auf die Frage habe es in Lochbrücke ein tolles Beispiel gegeben. Auch andernorts sei dies möglich und durch Gespräche zu vermitteln, so ihr Ansatz.

Was ihr generell wichtig ist, hat sie in drei Punkten auf einem Plakat niedergeschrieben. Da ist einmal die Dankbarkeit, die es täglich zu leben gelte. Dann die kritische wie kreative Herangehensweise an Dinge sowie die Suche nach Lösungswegen, die gemeinsam („kooperativer Führungsstil“) umzusetzen seien.

Nach 80 Minuten beschließt sie den offiziellen Teil und erhebt das Glas Wasser: „Prost, auf das Wohl von Meckenbeuren.“

Auch nächste Woche wird die SZ nochmals je eine Veranstaltung von Elisabeth Kugel und Andreas Schmid begleiten – oder auch eines weiteren Kandidaten, denn bis Montag, 18 Uhr, sind ja noch Bewerbungen möglich.

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