Mach(t)mal: Spiele um Macht und Machtmissbrauch

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Direktor Karl Handschuh gratuliert den frisch gebackenen Theaterpädagogen.
Direktor Karl Handschuh gratuliert den frisch gebackenen Theaterpädagogen. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

„Viele Köche“, so sagt ein altes Sprichwort, „verderben den Brei.“ Im Theater scheint das nicht zuzutreffen, denn am Samstagabend hat das Publikum im Kulturschuppen am Gleis 1 am Ende des Abschlussprojekts der Theaterpädagogik am Seminar Weingarten kräftig applaudiert. Und das, obwohl es statt des früheren Regieteams diesmal gleich 31 Regisseure gegeben hat.

Jeder der Teilnehmer hat in allen Bereichen gearbeitet und sicher viel für die spätere Theaterarbeit an der Schule gelernt. Und noch eine Besonderheit: „MACH(t)mal“ hieß das Stück, das laut Ansage der beiden Leiter Britta Lutz und Jochen Stuppi in eineinhalb Tagen aus drei Einzelstücken zusammengeführt worden war. Die einzelnen, von drei Teams unabhängig voneinander erarbeiteten Stücke „Black Box“, „1xICH – einmalig“ und „IDEENreich“ wurden in der letzten Woche an neun Schulen von Meckenbeuren bis Bad Waldsee aufgeführt, einige interessierte Schulen mussten leer ausgehen.

Jürgen Mack, als Genie apostrophiert, sagte zu seinem Nachfolgeteam: „Abgeben fällt ganz leicht, wenn man weiß, in welche Hände man es gibt.“ Auch Direktor Karl Handschuh vom Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Weingarten lobte das neue Konzept von Britta Lutz und Jochen Stuppi. Er habe den beiden alle Freiheiten gegeben und vieles bewegt, damit es diesmal neben den Aufführungen in den Schulen noch ein Abschlussprojekt geben konnte.

Die neue Doppelspitze hat Jürgen Mack nicht kopiert, sondern ihr eigenständiges partizipatives Konzept entwickelt mit mehr Verantwortung für jeden einzelnen Teilnehmer. In deutlichen Worten übte Handschuh Kritik am Sparwahn in diesem reichen Land. Die Mittel für Kultur seien drastisch zusammengestrichen worden. Mit Freude nahmen die 31 Teilnehmer nach der Aufführung ihre Zertifikate entgegen – Dokumentation einer zeitintensiven zusätzlichen Tätigkeit neben dem üblichen Pensum.

Man konnte durchaus Probleme haben, den Zusammenhang des ohne Pause zweistündigen Stückes zu erfassen. Philosophische Probleme des menschlichen Lebens wurden thematisiert und nicht allein als Sprechtheater dargeboten, sondern mit Musik und choreographischen Elementen erweitert, wobei der ganze Raum einbezogen wurde. So agierten Spieler auch von den Seiten oder sprachen das Publikum an.

Eindringlich sind die Szenen

Kulissen auf Stellwänden zeigten ein tristes urbanes Bild. Am Anfang war da eine graue Box, eine sogenannte Blackbox, deren Teile variiert eingesetzt werden konnten. Hauptthemen waren Macht und Machtmissbrauch. Eindringlich waren Szenen mit einem Bürgermeister, der mit Mitteln des Rechtsstaates seine Bürger unterdrückt und die Demokratie ad absurdum führt. Dass es zu inhaltlichen Wiederholungen kam, die nicht verstärkend wirkten, war wohl dem Zeitmangel geschuldet. Beim Premierenpublikum, meist Angehörige und Freunde der Beteiligten, kam die Aufführung jedenfalls gut an.

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