Lars Höllerer gestaltet Kunstwerke mit dem Mund

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Voller Staunen schauen die Kinder der integrativen Ferienfreizeit dem Maler Lars Höllerer zu, wie er seine Bilder mit dem Mund m
Voller Staunen schauen die Kinder der integrativen Ferienfreizeit dem Maler Lars Höllerer zu, wie er seine Bilder mit dem Mund malt. (Foto: Stiftung Liebenau)
Schwäbische Zeitung

Der Mundmaler Lars Höllerer stattete den 32 Grundschulkindern mit und ohne Behinderung bei der Integrativen Ferienfreizeit in Hegenberg einen Besuch ab und malte gemeinsam mit ihnen. Voller Staunen und Begeisterung schauten die Kinder zu, wie Lars Höllerer seine Kunstwerke gestaltete.

Der Nachmittag beginnt mit Lars Höllerers Geschichte und warum er im Rollstuhl sitzt. Ein kleiner Junge streckt die Hand und ruft: „Weil du einen Motorradunfall hattest!“ Das stimmt, denn Lars Höllerer hatte mit 21 Jahren einen schweren Unfall und ist seither ab dem vierten Halswirbel gelähmt. Geduldig erklärt er seinen kleinen Zuhörern, wie sein Rollstuhl funktioniert, wie er seine Zähne putzt, warum er Arme und Beine nicht mehr bewegen und wie er telefonieren kann. Ein Mädchen fragt: „Aber wie kannst du dann deine Kunstwerke machen?“ Die Antwort lautet: „Mit dem Mund“. Und um genau das zu zeigen, ist Lars Höllerer an diesem Nachmittag hier.

Mucksmäuschenstill sind die Kinder, als der Maler vor die Leinwand rollt, sich den Pinsel geben lässt, ihn in die Farbkleckse auf der Palette taucht und die ersten Striche des Bildes aufträgt. Immer größer werden die Augen der kleinen Zuschauer, als er mit unglaublicher Präzision dem Kleid der Frau auf dem Bild gelbe Streifen malt. Die neunjährige Klara stellt fest: „So schön können wir nicht mal mit der Hand malen!“ Das wird sich zeigen, denn dann sind die Kinder dran. Mit großem Eifer und den Händen auf dem Rücken verschränkt, versuchen sie es ihm gleich zu tun.

Die integrativen Ferienfreizeiten für Kinder, im Alter von fünf bis zehn Jahren, werden von der Stiftung Liebenau, in einer Veranstaltergemeinschaft mit der Caritas Bodensee-Oberschwaben, dem Bildungszentrum St. Konrad sowie dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend und der Gemeinde Meckenbeuren als Partner, angeboten. Für die Kinder gibt es in den vier Tagen ein buntes Programm. In diesen Herbstferien steht alles unter dem Motto „Zauberwald“. „Wir haben an einem Waldtag Naturmaterialien gesammelt und daraus ein Mobile gebastelt, haben Igel-Kekse gebacken, eine Schnitzeljagd gemacht und Wald-Mandalas gelegt“, berichtet Jasmin Einhauser, die die Herbstferienfreizeit leitet. „Es gelingt uns im gemeinsamen Spiel und Erleben, dass die Kinder Verständnis füreinander entwickeln. Oft bemerken sie gar nicht, dass da jemand besonders ist“, berichtet die Koordinatorin Theresa Amann über die Erfahrung und den integrativen Aspekt der Freizeit.

So war auch der Nachmittag mit dem Mundmaler Lars Höllerer für die Kinder eine besondere Erfahrung. Eine solche Begegnung öffnet die Augen dafür, dass jeder Mensch, ob mit oder ohne Behinderung, ganz besondere Fähigkeiten hat, die es zu schätzen und zu fördern gilt. Das Thema Inklusion und Teilhabe ist für Lars Höllerer eine Herzensangelegenheit. Mehr Selbstverständlichkeit in der Gesellschaft, im Umgang mit Menschen, die ein Handicap besitzen, ist Lars Höllerer ein wichtiges Anliegen.

Von den 20 Grundschulkindern und den zwölf Kindern mit Behinderung kommen viele immer wieder zu den Ferienfreizeiten nach Hegenberg.

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