Laienspielgruppe zeigt das Beste aus 36 Jahren Straßentheater

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Der Mann vom Ministerium (Florian Falkert, Mitte) erklärt beim „Bauernskat“ Didi Ammann (links) und Wolfgang Kugele (rechts) die
Der Mann vom Ministerium (Florian Falkert, Mitte) erklärt beim „Bauernskat“ Didi Ammann (links) und Wolfgang Kugele (rechts) die Weltpolitik. (Foto: Karin Schütrumpf)
Karin Schütrumpf

Dicht gedrängt sitzen die Zuschauer an Biertischen im Kulturschuppen – wie sonst beim Bahnhofsfest-Straßentheater der Laienspielgruppe. Die Publikumshits aus 36 Jahren sorgen für ein volles Haus. Mit „Bitte Vorsicht am Gleis 1“ startet die Laienspielgruppe einen erfolgreichen Angriff auf die Lachmuskeln. Bei witzigen Sketchen, tollen Einaktern und frechen Liedern, kommen die Zuschauer aus dem Lachen gar nicht mehr raus.

Die Laienspieler nehmen den Zwist zwischen Katzenfreundin und Hundehalter aufs Korn. Und sorgen mit einer nicht ganz so direkten Wegbeschreibung für Gelächter. Vom Geißbock und seiner Gespielin, die auf dem „Häfelesmarkt“ für Scherben sorgen ist auch die Rede.

Raphael Thiel und Didi Ammann treten als Bänkelsänger „Drunt in der grünen Au“ auf und präsentieren als Schotten Dudelsackmusik mal a capella. Didi Amman jault fast so schön wie das schottische Blasinstrument.

Viel Beifall bekommen die Laienspieler für den schön gereimten Einakter „Der Hirsch im grünen Wald“. „Das haben wird schon 1999 auf dem Bahnhofsfest gespielt“ erzählt Didi Ammann, der das Programm für diesen Abend zusammengestellt hat. Mitspieler der mörderischen Moritat: ein Jäger (Florian Falkert) und sein auf Rollen laufender Stoff-Jagdhund, ein Wilderer (Michael Marschall) und sein Nebenbuhler (Wolfgang Kugele) um die Gunst der Jägerstochter (Verena Damoune-Lutz).

Ein vielbeklatschter Höhepunkt des Abends ist eine Seifenoper, die schon zweimal beim Bahnhofsfest begeisterte. Bei „Brot und Rosen im Strudel des Ruins“ spielt das Ensemble mit so übertriebener Gestik und Mimik wie in einem Stummfilm. Unglaublich komisch agiert Wolfgang Kugele als Erzähler. Vater (Andreas Seitz) und Mutter „Ehrenwert“ (Sabine Beck) werden von Gutsherr „Faustrecht“ (Didi Amann) unter Druck gesetzt. Auftritt der tugendreichen Tochter „Maria“ (Verena Damoune- Lutz): Der Erzähler trägt ein Plakat mit Marias Telefonnummer der „32 16 8“ aus dem Song „Skandal im Sperrbezirk“ über die Bühne.

„Faustrecht“ droht der Familie „Ehrenwert“ mit Rausschmiss – der Erzähler lässt Papierflocken als Schnee auf die Bühne rieseln – es sei denn, Faustrecht bekommt Maria zur Frau. Natürlich naht Rettung durch den verschollen geglaubten Sohn (Michael Marschall) und durch Marias Freund Hans Mannhaft (Simon Trakowski).

Florian Falkert hüft als Nummerngirl über die Bühne und erklärt als Beamter des Innenministeriums beim „Bauernskat“ die Weltpolitik mit Bierseideln und einer Pipeline aus Brotstangen. In einem Sketch aus dem Operationssaal müssen „Dr. Rotkirch“ (Andreas Seitz), Narkoseärztin „Dr. Göbel“ (Anja Zürn), „Schwester Esther“ (Mara Knobel) und Pfleger „Olli“ (Simon Trakowsky) erst mal auswürfeln, was heute operiert wird. Die Wahl fällt auf den Blinddarm.

Da Patient Krummbügel aber leider schon keinen mehr hat, beschließen die vier Fürchterlichen den Darmannex bei Patientin Sauerland aus- und bei Krummbügel einzubauen. Pfleger Olli sorgt für die Holzhammernarkose und das OP-Team will schon zu Teppichmesser und Kneifzange greifen, da taucht Putzfrau Gundula (Ulla Käckenmeister) auf. Die Raumpflegerin rät fachkundig zu einem minimalinvasiven Eingriff – bis sie entdeckt, dass Krummbügel, der Mann ist, der sie vor 20 Jahren sitzen ließ.

Ein Gag jagt den nächsten. Die Zuschauer kommen aus dem Lachen gar nicht mehr raus. „Wir hätten noch Material für zwei bis drei Abende gehabt“, erzählt Didi Ammann. Vom Erfolg sind die Laienspieler selbst überrascht. Eine Fortsetzung schließt Ammann nicht aus.

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