Kabarettist warnt vor Trump und Google

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Angesichts der zunehmendem Digitalisierung wird HG Butzko Angst und Bange.
Angesichts der zunehmendem Digitalisierung wird HG Butzko Angst und Bange. (Foto: Kerstin Schwier)

Wann ist der richtige Zeitpunkt, eine erste Zwischenbilanz seines Lebens zu ziehen? Bei den meisten Menschen dürfte diese Rückschau wohl mit dem 40. oder spätestens mit dem 50. Geburtstag einsetzen. Kabarettist HG Butzko (Jahrgang 1965) nimmt sein 20-jähriges Bühnenjubiläum zum Anlass, ein erstes Zwischenfazit, wie er es nennt, zu ziehen. Wo stehen wir heute? Wie sind wir da hingekommen? Und wem können wir dafür in den Hintern treten?

Mit derart tiefschürfenden Fragen beschäftigt sich der selbsternannte Hirnschrittmacher des deutschen Kabaretts. Natürlich macht einer wie Butzko die Ergebnisse dieser intensiven Beschäftigung mit dem eigenen Selbst nicht mit eben diesem aus, sondern lässt andere daran teilhaben. „echt jetzt“ heißt sein neues, zehntes Programm, in dem er auf seine Anfänge auf der Bühne im Jahre 1997 zurückblickt. Am Freitagabend präsentierte er es dem Meckenbeurer Publikum im Kulturschuppen am Gleis 1. Etwa 70 Zuschauer, viele davon Wiederholungstäter, die HG Butzko bereits mehrmals im Kulturschuppen live erlebt hatten, wollten sich diese Selbstreflexion nicht entgehen lassen und wurden auch gleich in freundlich, Butzkoscher Weise von ihm begrüßt. „Was stimmt mit euch nicht, dass ihr immer wieder kommt?“ fragte er gewohnt provokant in die Runde. Nur um gleich darauf zu warnen: „Das hier ist Mitdenkkabarett. Das ist Gehirnjogging. Du sitzt hier nicht mit der Chipsüte auf dem Sofa!“ Und dann ging es auch schon los.

Bevor die Politiker dieses Landes anteilig gestaffelt nach Wählerstimmen ihr Fett abbekamen (Merkel kriegte am meisten), war die Weltbühne mit Donald Trump dran. Die schon im Jahr 2000 von der US- Comedy-Serie „Simpsons“ prognostizierte Präsidentschaft des Immobilienhais erwies sich leider als richtig. „Was haben Trump und Gerhard Schröder gemeinsam?“ fragte HG Butzko. Nur um sich mit „Sie haben einen Ehrenplatz in der Zäpfchenpackung von Putin“ gleich selbst die Antwort zu geben.

Auch der von Ex-Bundespräsident Roman Herzog 1997 in seiner berühmten Rede geforderte „Ruck, der durch Deutschland“ gehen müsse, erwies sich leider als „Rechtsruck“, wie HG Butzko feststellte. Ausreden und Entschuldigungen lässt er dafür gar nicht gelten, sondern formuliert ganz krass: „Wer aus Protest die Rechtspopulisten wählt, ist wie jemand, der in einer Kneipe an der Klobürste lutscht, weil ihm das Bier nicht schmeckt.“

Doch den wahren Feind, abseits von braunem Gedankengut, hat er längst ausgemacht. Es ist die Digitalisierung. Die „Arschgeigen“ in Silicon Valley, in Form von „soziopathischen, emotionslosen Nerds“, die bei Amazon, Google und Apple arbeiten, hätten längst die Kontrolle über unser aller Leben gewonnen. Die würden irgendwann sogar dafür sorgen, dass die Menschheit sich selbst abschafft.

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