Josef Brustmann liefert Lacher im Dreivierteltakt

Lesedauer: 5 Min

Zum Glockenspiel holt sich Josef Brustmann Verstärkung aus dem Publikum auf die Bühne des Kulturschuppens. Lucia aus Tettnang m
Zum Glockenspiel holt sich Josef Brustmann Verstärkung aus dem Publikum auf die Bühne des Kulturschuppens. Lucia aus Tettnang macht ihre Sache richtig gut. (Foto: kerstin schwier)
Schwäbische Zeitung
Kerstin Schwier

Für ängstliche Hasenfüße ist diese Vorstellung wahrlich nichts gewesen. Doch als solche gerierte sich das Publikum am Samstagabend amn Gleis 1 auch gar nicht. Vielmehr gehörte es zur Spezies des schlauen, anpassungsfähigen Fuchses, auf den Josef Brustmann an diesem Abend ein Loblied sang. Der Musikkabarettist und Sonderpreisträger des deutschen Kabarettpreises 2015 begeisterte mit seinem Programm „Fuchstreff: Nix für Hasenfüße“ die Zuhörer im gut besuchten Kulturschuppen.

Bissig, witzig, spritzig, aber zuweilen auch melancholisch – seine zahlreichen Lieder, Witze und Anekdoten bildeten die gesamte Bandbreite der menschlichen Gefühlsskala ab. Immer wenn er eine Salve an pointierten Witzen und Erzählungen abgefeuert hatte, gönnte er seinem vom ständigen Lachen erschöpftem Publikum eine kurze Verschnaufpause. Dann griff er zu Gitarre, Zither oder Akkordeon und ließ ruhigere, besinnlichere Töne erklingen. Abgesehen natürlic von AC/DCs „Highway to hell“.

Der Funke zwischen ihm und seinen Gästen springt sofort über. Gleich nach seinem, im breitesten bayrisch entrichteten „Grüeß euch“ und zwei kurzen Warm-up-Witzen ist die Verbindung da und wird auch für den Rest des Abends nicht mehr abreißen. Auch wenn er sich einen Seitenhieb auf die geographische Lage der Schussengemeinde nicht verkneifen kann. Sein Spruch: „Meckenbeuren liegt zwar nicht am Arsch der Welt, aber man kann ihn von hier aus schon sehen“ wird ihm daher gleich verziehen. Was folgt, ist eine teils sentimentale Reise in die Vergangenheit des Kabarettisten und ehemaligen Musiklehrers. Brustmann lässt die Zuschauer teilhaben an einzelnen Stationen seines Lebens.

Dieses beginnt am 28. Dezember 1954 auf einem Einödhof im bayrischen Waldram bei Wolfratshausen. Geboren an einem Sonntag, „ein Glückstag für mich und fürs ganze Land“, als achtes von neun Kindern. Wie Josef Brustmann im folgenden die Bilder seiner Kindheit und Jugend wiederauferstehen lässt, weckt auch bei den Zuschauern die ein oder andere Erinnerung. Jede freie Minute verbrachte der kleine Josef in den nahen Isarauen, ein Paradies für ihn und seine Freunde. Dinge wie Lactose- oder Fruktoseintoleranz und Allergien waren völlig unbekannt. „Das hättest du dir in unserer Zeit gar nicht erlauben dürfen. Da hättest du keinen Tag überlebt“, erzählt Brustmann.

Sein bester Freund war Franz, seines Zeichens Häuptling Abendwind vom Stamme der Delawaren. Zusammen spielten sie mit dem Berger-Maxe, der auch schon mal als zweiter Torpfosten herhalten musste. Der Moment, als er 1968 seine erste Blue- Jeans, von der Mutter leider mit Bügelfalten versehen, bekam und flugs in die Badewanne sprang, zwecks Engerwerdung. Da lachte so mancher Gast im Publikum spontan auf. Nur dass er sich wahrscheinlich nicht die Badewanne mit dem Weihnachtskarpfen teilen musste.

Der Zithertisch als Zittertisch

Die erste Liebe hieß Evi. Die war aber in Andi verliebt, der wiederum in Joe, wie Josef sich in Zeiten allgemeiner Amerika-Euphorie nannte. Mit der zweiten Liebe, der Summer- Katie, die beim Küssen immer summte und deren Goldfisch „Hemingway“ hieß, lief es auch nicht viel besser. Und so reiht Brustmann Anekdote an Anekdote, blendet dabei tagespolitische Ereignisse nicht aus – Seehofer, Söder, Streibl und natürlich Trump kriegen ihr Fett weg. Gerade noch wettert er gegen die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche („Ich habe mich gewundert, dass die sexuellen Übergriffe in Köln vor der Kirche stattgefunden haben“), und im nächsten Moment sitzt er wieder am Zithertisch, der sich als Zittertisch entpuppt, und zügelt das Tempo. „Der Applaus ist berechtigt,“ dankt er am Ende dem Publikum, und niemand will da widersprechen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen