Herzblut und Geld fließen fürs „Kleinod“ in Laufenen

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Eine große Runde an Interessierten und Unterstützern aus der Gemeinde und von außerhalb trifft sich an der Bonifatius-Kapelle in
Eine große Runde an Interessierten und Unterstützern aus der Gemeinde und von außerhalb trifft sich an der Bonifatius-Kapelle in Laufenen. (Foto: rwe)

Bereits terminiert ist ein Benefizkonzert: Am Sonntag, 31. März 2019, lädt der Musikverein Brochenzell dazu ein. Der Erlös soll helfen, die Figur des Heiligen Simon neu zu beschaffen.

Mitten in die Sanierung der Bonifatius-Kapelle in Laufenen hinein ist eine erfreuliche Nachricht geplatzt: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gibt einen Zuschuss in Höhe von 30 000 Euro (dank Geldern der GlücksSpirale). Zudem fließen vom Landesamt für Denkmalpflege rund 31 000 Euro. Was bei Gesamtkosten von 137 000 Euro den Betrag, den die Gemeinde aufbringen muss, doch erheblich senkt.

Die Dankesworte von Bürgermeisterin Elisabeth Kugel kamen daher von Herzen: „Das hat es uns erleichtert, das Projekt zu stemmen“, sagte sie am Montag beim Ortstermin. Schließlich soll das „Kleinod“ lange erhalten bleiben und wenn möglich noch mehr als bisher genutzt werden – verbinde die Kapelle im Brochenzeller Hinterland doch in besonderer Weise Natürlichkeit mit Religiosität. Ein Dank galt den Nachbarn, die als „Schlüsselverwalter“ fungieren und das Recht zur Begehung einräumen – besitzt die Gemeinde doch nur das Grundstück, auf dem die Kapelle steht.

Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellte Wolfgang Meinhardt deren Arbeit vor, bei der das Ortskuratorium Villingen-Schwenningen ein Gebiet zwischen Schwarzwald und Ulm (inklusive Oberschwaben) abdeckt. „Ohne Sie und Ihre Gelder geht es nicht“, das höre die private Stiftung immer wieder von den Kommunen. Für die Kapelle in Laufenen fließen 30 000 Euro – als eines von 310 Projekten, die die Denkmalschutzstiftung allein in Baden-Württemberg fördert.

„Dabei sind wir angewiesen auf Spenden und Mittel der GlücksSpirale und von Lotto“, wollte Wolfgang Meinhardt ebensowenig nicht verhehlen wie eine Besonderheit: In den vielen Jahren, da er seitens DSD die Projekte begleitet, sei die BonifatiusKapelle die erste, die einer bürgerlichen Gemeinde gehört.

Auf die Förderung des Denkmalschutzes durch Lotto und GlücksSpirale ging Lotto-Regionaldirektor Frank Eisele ein. Mit drei Zahlen wartete er auf, um zu zeigen, dass die staatliche Gesellschaft nicht nur gewinnorientiert arbeitet, sondern auch die Allgemeinheit bedenkt: Aus Lotteriemitteln kommen jährlich 28 Millionen Euro dem Denkmalschutz zu – davon drei Millionen für Vorhaben der DSD. Und: Jeden Tag liefere die staatliche Toto-Lotto GmbH eine Million Euro an das Land ab.

Seine Dankesworte an die Förderer wie die Gemeinde verband Pfarrer Josef Scherer mit dem Ausblick, „nachspüren“ zu wollen, inwiefern die Kapelle bei weiteren Terminen mit Leben erfüllt werden kann. „Feiern dürfen in der Natur“ hob Scherer als etwas Besonderes hervor.

Details der Sanierung stellte Architektin Apollonia Thurner fürs Büro Wagner-Sorg vor. Ausgangspunkt waren Wasserschäden in der Dachkonstruktion, festgestellt wurden zudem aufsteigende Feuchtigkeit und Holzwurmbefall am Inventar. Fenster und Türen seien in schlechtem Zustand.

Nach der Notsicherung des Dachs 2017 werden nun Dach und Dachstuhl, der Sockelputz innen und außen, die Fenster und Türen und die innere Raumschale instandgesetzt. Zudem erfolgt eine grundlegende Bekämpfung der Holzschädlinge.

Wie Thurner in Abstimmung mit dem bei der Gemeinde zuständigen Sachbearbeiter Johannes Sauter vorausblickt, soll noch 2018 die Innenschale gesichert sein. Ziel sei es, das Gerüst baldmöglichst abbauen zu können, um nicht vom Winter überrascht zu werden.

Benefizkonzert in Brochenzell

In die gleiche Kerbe schlugen dann Thomas Schmäh (Schreinerei, Meersburg) und Josef Fässler (Restaurationen, Fleischwangen) – nämlich dass es immer weniger Handwerker werden, die die alten Techniken beherrschen. Zu dieser Kunst der Restauration müsse freilich auch die entsprechende Qualität des Materials kommen – nur so passt es zusammen. Nicht fehlen durfte eine Besichtigung der Kapelle, bei der die Anwohner mit weiteren Geschichten nicht geizten. Weitere dürfen gerne folgen – vielleicht ja auch im Mai oder Juni, wenn die sanierte Kapelle präsentiert werden kann.

BLICK:

Die geschichtliche Einordnung erfuhr die Kapelle, die heute als Anlaufpunkt für Jakobuspilger (früher für Bittprozessionen) dient, durch Josef Friedel. Der Gemeindearchivar sieht die bisher angenommene Ersterwähnung anno 1275 als nicht belegbar an – vielmehr taucht Laufenen wohl 1303 erstmals im Klingenberg-Urbar auf. 1447 erwarben die Humpis die Herrschaft Brochenzell inklusive der Kapelle.

Der heutige Bau stammt aus spätgotischer Zeit. Im 18. Jahrhundert wurde die Kapelle barockisiert und 1746 geweiht. „Das ganze Ensemble entspricht dem spätbarocken Formenkanon“, so Friedel. Im 19. Jahrhundert sei die Kapelle eine gut besuchte Wallfahrtskirche gewesen, die 1859 und 1866 renoviert wurde. Die letzte Renovierung vor der jetzigen geschah von 1980 bis 1985 (Kosten: 130 000 Mark). Die Inschrift auf dem Altar verweist aufs Jahr 1699. Alle Altarfiguren sind Kopien. Die Originale befinden sich – wegen Diebstahlsgefahr – seit 1984 an einem sicheren Ort. Was Diebe neun Jahre später nicht davon abhielt, die Duplikate zu entwenden.

Bereits terminiert ist ein Benefizkonzert: Am Sonntag, 31. März 2019, lädt der Musikverein Brochenzell dazu ein. Der Erlös soll helfen, die Figur des Heiligen Simon neu zu beschaffen.

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