„herein“ will Mietchancen sozial Benachteiligter verbessern

Lesedauer: 5 Min
Arbeiten in Sachen Mieterqualifizierung Hand in Hand (von links): Christian Mayer (Caritas-Wohnraumoffensive „herein“), Ela Elci
Arbeiten in Sachen Mieterqualifizierung Hand in Hand (von links): Christian Mayer (Caritas-Wohnraumoffensive „herein“), Ela Elciboga und Thaddiana Stübing (beide Diakonisches Werk Ravensburg) sowie Lea Kopittke (Caritas-Wohnraumoffensive „herein“). (Foto: caritas)
Schwäbische Zeitung

Auch in der Region Bodensee-Oberschwaben fällt es benachteiligten Menschen, darunter Alleinerziehende, Rentner, Geflüchtete, immer schwerer, geeigneten bezahlbaren Wohnraum zu finden. Mit ihrer kirchlichen Wohnraumoffensive „herein“ möchte die Caritas Bodensee-Oberschwaben Unterstützung bieten – als Vermittler zwischen potenziellen Vermietern und Mietern.

„In enger Kooperation mit Kirchen und Kommunen der Region suchen wir geeigneten Wohnraum, um diesen befristet anzumieten und zunächst für zwei oder drei Jahre an von der Caritas sozial begleitete Mieter zu untervermieten“, sagt die Projektverantwortliche Lea Kopittke laut einer Pressemitteilung der Caritas. Um die Basis für ein positives Mietverhältnis zu schaffen, werden die Mieter bei Bedarf auch geschult. Dabei arbeitet die Caritas Hand in Hand mit dem Diakonischen Werk Ravensburg.

Reinhalten der Wohnung, Mülltrennung und Nebenkostenabrechnung, Kehrwoche- und Schneeräumpflichten oder auch das Einhalten der Hausordnung – was für viele Mieter selbstverständlich ist, stellt beispielsweise geflüchtete Menschen vor große Herausforderungen. „Damit sie und andere sozial benachteiligte Menschen sich in der Welt eines Mieters zurechtfinden und es nicht zu Ärger mit Vermietern oder Nachbarn kommt, bieten wir gezielte Mieterqualifizierungen an“, sagt Thaddiana Stübing von der Stabsstelle für Flüchtlingsarbeit im Diakonischen Werk Ravensburg. Zusammen mit ihrer Kollegin Ela Elciboga, Integrationsmanagerin und Übersetzerin bei der Diakonischen Bezirksstelle Ravensburg, macht die Diplom-Sozialpädagogin potenzielle Mieter in Schulungen mit ihren Rechten und Pflichten vertraut. Dabei geht es um Recycling, Energieeinsparung, Brandschutz oder Ruhezeiten – aber auch um Mietverträge, Übergabeprotokolle, Verbraucherschutz oder um die selbstständige Kontaktaufnahme mit Vermietern und das Verhalten bei Besichtigungsterminen.

„Das Ziel von Caritas und Diakonischem Werk Ravensburg ist es, gemeinsam die Mietchancen für Wohnungssuchende mit Unterstützungsbedarf und geflüchtete Menschen zu verbessern, Vorurteile abzubauen und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten“, sagt Lea Kopittke. Das von Unternehmensberaterin Susanne Kern und Bankkaufmann Uwe Krüger aus Neusäß bei Augsburg entwickelte Schulungskonzept basiere auf fünf Modulen mit einer Schulungszeit von jeweils etwa zwei Stunden, berichtet Thaddiana Stübing. Insgesamt dauert das Seminar anderthalb Tage und wird als Kompaktprogramm angeboten. Der Unterricht findet auf Deutsch statt, es stehen für den Bedarfsfall Dolmetscher in Arabisch/Farsi zur Verfügung. „Wir möchten, dass die Teilnehmer die deutschen Begriffe kennenlernen, damit sie sich mit ihren Vermietern verständigen können“, sagt Ela Elciboga. Viele wüssten nicht, was von ihnen als Mieter erwartet werde. Sie seien dadurch schlichtweg überfordert. Geübt wird daher im Rahmen der Schulung nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis, beispielsweise mit Telefontraining oder Rollenübungen. Die Kosten für das Seminar trägt bisher das Diakonische Werk. Die Teilnehmer bezahlen lediglich zehn Euro für ein praxisnahes und hilfreiches Schülerhandbuch.

Das Landratsamt unterstützt die Diakonie bei der Qualifizierung von ehrenamtlichen Multiplikatoren, die dringend benötigt werden. Die Mieterschulungen sind freiwillig, es besteht keine Präsenzpflicht. Wer jedoch alle fünf Module absolviert, erhält am Ende nicht nur eine Bewerbungsmappe für die Wohnungsbesichtigung, sondern auch eine Teilnahmebescheinigung. Dass dieses Zertifikat bei der Wohnungssuche sehr hilfreich sein kann, davon sind die Caritas- und Diakonie-Kooperationspartner überzeugt. Es zeige die Bereitschaft des Mieters, sich für ein positives Mietverhältnis zu engagieren, und erhöhe dadurch die Mietchancen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen