Handlettering: Schreiben wird ganz groß geschrieben

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 Handlettering mit Sigrid Bengel: Jede Karte ist ganz individuell gestaltet.
Handlettering mit Sigrid Bengel: Jede Karte ist ganz individuell gestaltet. (Foto: Karin Schütrumpf)
Karin Schütrumpf

Stille im Untergeschoss der Bücherei: 14 Mädchen und ein Junge lassen konzentriert die Stifte zwischen den Hilfslinien des Übungsblattes kreisen. Das erste Wort, das die Ferienspiel-Teilnehmer schreiben ist „minimum“. Lettering-Trainerin Sigrid Bengel macht es vor. Sie malt das Wort mit gleichmäßigem Schwung in kleinen Schreibschrift-Buchstaben auf den Flipchart. Die vielen Schwünge und Bögen verschwimmen vor dem Auge und sind schlecht lesbar. „Plötzlich sieht man nur noch Linien“, beschreibt Bengel den Effekt.

Sie zeigt, wie sich daraus eine plakative und deutliche Schrift gestalten lässt. Zwei I-Punkte teilen den Linienstrang, unterschiedliche Schatten geben der Schrift Tiefe. Ein paar Striche mit zwei Farbstiften geben ihrem „minimum“ maximalen Ausdruck. Die Kinder probieren die Technik nun auch an anderen Buchstaben. „The quick brown fox jumps over the lazy dog“, schreiben jetzt alle auf ihr Übungsblatt. Der scheinbar sinnlose Satz enthält alle Buchstaben des Alphabets und eignet sich deshalb perfekt zum üben.

Leise geht Sigrid Bengel hin und her und gibt Tipps. „Eine gerade Linie ist gar nicht so einfach“, tröstet sie eine Teilnehmerin. „Das dürfte noch ein bisschen länger sein“, rät sie einer anderen. „Dieser Buchstabe muss genauso groß sein wie der dort drüben“, korrigiert sie. „Beim Handlettering schreiben wir richtig groß, damit die Bewegung der Schrift richtig schön zu sehen ist.“ Die Übungen ziehen sich hin. Tuscheln, Kichern und Flüstern werden lauter

Aber als Sigrid Bengel erklärt, wie man eine Schmuckkarte gestalten kann, hat sie wieder die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Teilnehmer. Einen Grundkurs in Sachen Layout gibt es inklusive. „Wenn der Text nur kurze Worte enthält, passt ein Hochformat“, verrät Bengel. „Was ist dir wichtig?“ Das zentrale Wort der Botschaft kommt in riesigen Lettern auf die Karte. Mit einem transparenten Papier übertragen die Teilnehmer ihre Entwürfe auf die Karte. Sigrid Bengel gibt Tipps, wie sich die Botschaft mit Schmuckelementen wie Kreisen, Rauten, Sternen und Herzen hervorheben lässt

Wangen und Meckenbeuren waren die ersten Stationen der Handletteringreise, die Sigrid Bengel weiter nach Bad Waldsee, Biberach, Ravensburg, Tettnang und Friedrichshafen führt. An diesem Nachmittag entstehen Grußkarten, Wandbilder und Lesezeichen. „Jedes Stück ist ein kreatives Unikat, selbst wenn alle genau den gleichen Text auf die Karte schreiben“, weiß Kursleiterin Sigrid Bengel.

„In Meckenbeuren war der Ferienspielkurs Handlettering total ausgebucht“, erzählt Bibliotheksleiterin Judith Tinnacher. Statt zwölf Kindern betreut Sigrid Bengel an diesem Nachmittag 15. Judith Tinnacher: „Trotzdem gab es eine lange Warteliste, und wir überlegen, ob wir das auch während der Schulzeit mal anbieten können. Die Kinder sind ja alle strahlend rausgegangen.“

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