Große Meckenbeurer Schar feiert in Kehlen

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 Immer wieder kommen sie zusammen – die Freunde aus Luxemburg und von der Schussen. Im Bild die Meckenbeurer Delegation von 200
Immer wieder kommen sie zusammen – die Freunde aus Luxemburg und von der Schussen. Im Bild die Meckenbeurer Delegation von 2003. (Foto: archiv ce)

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Weit mehr als 100 Meckenbeurer verbringen das Wochenende in Luxemburg. Zu den 60 Musikern aus Kehlen kommen Gemeinderäte, Verwaltungsmitarbeiter inklusive der Bürgermeisterin, Vereinsvertreter, eine sportliche Radfahrergruppe und Privatpersonen hinzu, die auf Einladung der Gemeinde Kehlen/Luxemburg das 25-Jahr-Jubiläum einer Partnerschaft feiern, deren Geschichte weit mehr als dieses Vierteljahrhundert zurückreicht (siehe Kasten).

Gefördert wird sie auf hiesiger Seite seit 1992 durch den Partnerschaftsausschuss, dem von Anfang an Franz Assfalg vorsteht. Natürlich wird auch er am Freitagmorgen mit in einem der beiden Busse sitzen, mit denen die 488 Kilometer bis Kehlen/Luxemburg zurückgelegt werden.

Dort angekommen dürfen sich die Gäste auf einen Ablauf freuen, von dem Franz Assfalg anerkennend sagt: „Die Kehlener legen immer ein gutes Programm auf.“ Ein gemeinsamer Begrüßungstrunk samt Abendessen ist dabei am Freitag gegen 19 Uhr vorgesehen, den die „Keespelter Strepp“ musikalisch begleiten.

Am Samstagvormittag geht eine Kellereibesichtigung in die Moselrundfahrt über. Ebenfalls interessant: der Besuch im weltbekannten Ort Schengen samt Anbringung eines Freundschaftsschlosses.

Im Festzelt spielt sich dann der Abend ab. Den musikalischen Auftakt machen hier die „Blue Notes“ der Musikschule Meckenbeuren, ehe es Zeit für die Festreden ist. Hier ist die einheimische Musikgesellschaft Kehlen für Kurzweil zuständig.

Das Aufschneiden des Geburtstagskuchens ist ein weiterer Höhepunkt, der ins gemütliche Beisammensein übergeht. Dazu wird die Musikkapelle Kehlen aufspielen - ein Auftritt, der gerade von den Luxemburgern stets mit großer Spannung und Vorfreude erwartet wird, wie Franz Assfalg bestätigt.

Zum Festgottesdienst am Sonntag geht es dann im kleinen, aber feinen Umzug. Eine Stärkung zur Mittagszeit lässt sich auf dem „Quetschefest“ in Keispelt einnehmen, ehe die Busse dann wieder die 488 Kilometer retour in Angriff nehmen.

Dass die Jubelfeier diesmal in Luxemburg stattfindet, ergibt sich auch daraus, dass die beiden Partner ihr 20-Jähriges am Pfingstwochenende 2013 in der Schussengemeinde gebührend gefeiert haben.

Doch auch ohne Jubiläen werden die Kontakte gepflegt - sei es zwischen den Musikkapellen, den Rathäusern (Beispiel: Neujahrsempfang oder Amtseinführungen) und Bauhöfen, bei Vereinsausflügen oder seitens der Feuerwehr. Hier sei in den Vorjahren viel passiert, stellt Assfalg fest. Was vor allem daran liegt, dass die Wehren aus den Ortschaften Dondelange, Kehlen, Keispelt, Meispelt, Nospelt und Olm seit dem Vorjahr unter einem Dach in einem Feuerwehrhaus eine Anlaufstelle haben.

Mit dem Rad nach Luxemburg

Eine innige Verbindung haben auch die Radsportler aus der Gemeinde aufgebaut. Am Mittwoch um 7 Uhr sind derer acht aufgebrochen, um zum wiederholten Mal den Weg nach Luxemburg zurückzulegen. Bereits zum vierten Mal im Sattel: Charly Wolf, der nach 2001, 2003 und 2013 wieder Richtung Nordwesten in die Pedale tritt. Zusammen mit Max Jung und Franz Assfalg zählt Wolf auch zum engeren Ausschuss-Team.

Neben dem Sport verbindet auch die Kunst, die Hobbykunst. Die traditionelle hiesige Ausstellung wird seit Langem durch Künstler aus den Partnergemeinden Neustadt (zuvor Hohwald, davor Langburkersdorf) und Kehlen/Luxemburg bereichert und ist seit 2010 als „Kunst am Gleis“ im Schuppen am Gleis 1 angesiedelt.

Eingespielt hat sich ein Turnus für die Ausstellung – das eine Jahr in Sachsen, dann in Luxemburg, dann am Bodensee (erneut 2019). Neu ist, dass hiesige Künstler auch bei der Kulturnacht in Kehlen/Luxemburg mitwirken. Bei all dem nicht zu unterschätzen: die privaten Kontakte, die sich über all die Jahre ergeben haben und zu Freundschaften gewachsen sind. „Viele Selbstläufer“ macht Franz Assfalg hier aus - und ist mit seiner Familie selbst ein Beispiel dafür: Mit Marie-Anne und Roby Kieffer verband den Gemeinderat aus Kehlen eine tiefe Freundschaft. Sie hält auch nach dem viel betrauerten Tod von Roby Kieffer im Jahr 2010 an: Einmal in der Woche gebe es ein Telefonat mit Marie-Anne Kieffer, das ist Monika und Franz Assfalg wichtig. Zur Pflege der Freundschaften ist am Bahnhofsfest ein Ritual eingerichtet worden: Alle zwei Jahre sind die Partnergemeinden aus Luxemburg und Sachsen dort mit einem Stand vertreten und schenken Wein und Bier aus. Dass auch abseits der Festivitäten Freunde aus Luxemburg in der Schussengemeinde auftauchen, freut den Ausschussvorsitzenden. Auf der Urlaubsreise gen Süden werde gerne in Meckenbeuren ein Stopp eingelegt.

Und was bedeutet das Wochenende für Franz Assfalg? „Ich freue mich, dass ich viele Luxemburger treffe und mit ihnen feiern kann.“ Dass dabei „alte Geschichten“ aufleben gehört dazu – denn: „Man kennt sich seit 30 Jahren.“

BLICK:

Ein Rückblick, wie es zu dieser Partnerschaft kam, führt ins Jahr 1980, als der pensionierte Schuldirektor Raymond Feiereisen aus Kehlen in Luxemburg seinen Urlaub am Bodensee verbrachte. Bei Ausflugsfahrten las er auf einem Wegweiser „Kehlen“, das er besuchte. Als passionierter Hobby-Maler brachte er ein Aquarell, das das alte Schulhaus an der Hirschlatter Straße zeigt, zu Papier. So brachte er die Kunde vom deutschen Kehlen nach Luxemburg. Fünf Jahre später kehrte der damalige Sekretär der Fanfare Kehlen, Raymond Hoffmann, im Gasthaus Kreuz im hiesigen Kehlen ein und übergab der damaligen Wirtin seine Visitenkarte sowie eine Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum der Fanfare Kehlen.

Inspiriert durch diese Kontakte, wandte sich im August 1988 der damalige Präsident der Fanfare Kehlen/Luxemburg, Roby Kieffer, an Verantwortliche der Ortschaft Kehlen/Deutschland mit der Anregung, Kontakte auf kultureller und musikalischer Ebene aufzunehmen. Zur ersten persönlichen Kontaktaufnahme fuhren der damalige Vorstand des Musikvereins Kehlen, Franz Assfalg sen., Walter Amann sowie Birgit und Gerold Eberhard am Karfreitag 1989 nach Kehlen/Luxemburg, wo sie von Roby Kieffer und seiner Frau Marie-Anne herzlich empfangen wurden. Gut zwei Monate später reiste dann Kehlens Musikkapelle samt Vorstandschaft nach Luxemburg. Die Gastgeber brachten alle Gäste in Privathäusern und bei Musikerfamilien unter. Damit war eine gute Basis fürs Kennenlernen geschaffen, und es entstanden enge Freundschaften, die bis heute gepflegt werden.

Durch die Tatsache, dass die Luxemburger Freunde allesamt ausgezeichnet Deutsch sprechen sowie durch deren aufgeschlossene und liebenswerte Art war das Fundament gelegt für die gegenseitige Sympathie, die das Verhältnis zwischen beiden Kehlen bis heute auszeichnet.

Im Mai 1990 erfolgte der Gegenbesuch der Fanfare Kehlen zum Besuch des Musikfestes Kehlen. Weitere gegenseitige Besuche der Musikvereine und anderer Vereine und Einrichtungen aus den beiden Kehlen folgten. Die so gewachsenen Beziehungen gipfelten in der 1993 offiziell besiegelten Partnerschaft der politischen Gemeinden Kehlen / Luxemburg mit dem damaligen Bürgermeister Jos Halsdorf und Meckenbeuren mit Bürgermeister Roland Karl Weiß an der Spitze.

Niedergeschrieben hat den Ablauf Franz Assfalg. Zu finden ist er in der Festschrift, die 2008 zum 175-Jährigen des Musikvereins erschien.

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