„Wie geil war das denn“, freute sich Heinrich del Core, über die „Schwäbsche Eisebahne“ die ihm seine Gäste auf’s Handy sangen u
„Wie geil war das denn“, freute sich Heinrich del Core, über die „Schwäbsche Eisebahne“ die ihm seine Gäste auf’s Handy sangen und sagte Dankeschön. (Foto: wie)
Schwäbische Zeitung
Helga Wiechert

Sie singen für ihn, sie hängen an seinen Lippen, sie bekommen nicht genug von ihm und holen ihn immer wieder auf die Bühne: Die Rede ist von Heinrich del Core, der brillanten männlichen Quasselstrippe, den die Gäste am Freitagabend nicht mehr von Meckenbeurens Kulturbühne lassen wollten. Und womöglich schmunzeln sie noch heute.

Aus Rottweil kam er daher, in roten Hochglanzschuhen, mit italienischen Wurzeln und dem Schwäbischen im Blut und hat die Gäste im Sturm erobert. Er wollte genau wissen, wer da vor ihm saß. „Die 20, 30 oder 40-jährigen? Die Singles und Geschiedenen? Oder die Senioren bis 80, die den Abend finanzieren?“ „Einfach gemischt“ stellte er zufrieden fest und begann den Angriff auf die Lachmuskeln seiner Gäste. Aus einer Hochburg der Narretei kam er, die wohl ihre große Freude hat am Redekünstler und preisgekrönten Kabarettisten, dem alles wirklich „ganz arg wichtig“ war. So lautete sein Programm, mit dem ganz genauen Blick auf all die täglichen Dinge des Lebens. Auf das schöne Rottweil, mit der längsten Hängebrücke und der großen Herausforderung für Rollatorfahrer, die beim Übergang um Jahre älter werden, dafür aber den Blick erhaschen bis in die schöne Schweiz, dem Feindesland für jeden Geldbeutel. Auf die verzweifelten Versuche, die Romantik in der Ehe mit Spaghetti und Pizza zu retten oder auf die Kirche, in der er schon Erfolge feierte.

„Mit dem Heiland obendrüber war‘s schon etwas komisch“, erzählte er herzergreifend theatralisch vom Auftritt „auch vor den schwarzen Schäfchen“ und las die Weihnachtsgeschichte, wie sie noch keiner hörte: „Traditionell natürlich, mit Weihnachtsgans und -baum. So wie’s halt war damals in Bethlehem und wie’s auch heut noch ist bei Alleinerziehenden und Patchwork-Familien, mit einem Vater in höherer Position, der sich für die Karriere entschieden hatte. Die Krippenplätze waren aber kostenfrei“. Wer zu diesem Zeitpunkt noch keine Tränen in den Augen hatte, war bald schon an der Reihe, denn del Core legte immer noch einen Zahn zu.

Er packte zur versprochenen Situationskomik, dem Charisma und dem Sprachwitz auch noch sein schauspielerisches Talent dazu, trieb es bunt auf dem Zahnarztstuhl, rollte die Zunge bis zur Taille, lästerte sich durch die Abi-Zeitung seiner Tochter, servierte Leckerbissen mit Omas Gebiss, verschenkte Brustvergrößerungen für die eine Seite und rutschte mit dem Satinschlafanzug durchs eheliche Festtagsbett, dass es kaum mehr auszuhalten war.

Die Leute grölten und rieben sich die Bäuche und die Augen und der Meister stellte schließlich genüsslich schwäbisch fest: „Gell des gfallt eich“.

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