Fremde Düfte für Meckenbeurens Küchen

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 Julia Frey (links), Integrationsbeauftragte, und Annette Heeger (rechts) vom Freundeskreis Asyl, stellen das Weltküche-Kochbuch
Julia Frey (links), Integrationsbeauftragte, und Annette Heeger (rechts) vom Freundeskreis Asyl, stellen das Weltküche-Kochbuch vor. (Foto: Karin Schütrumpf)
Karin Schütrumpf

„Der Geruch orientalischer Gewürze hing in der Luft, wenn wir gekocht haben. Das war ein ganz besonderer Duft“, erinnern sich Julia Frey, die Integrationsbeauftragte der Gemeinde, und Annette Heeger vom Freundeskreis Asyl an die Kochabende im vergangenen Jahr. „Die aus allen möglichen Ländern geflohenen Frauen konnten uns beim Kochen ein Stück ihrer Heimat zeigen, auch wenn sie teilweise noch nicht viel Deutsch gesprochen haben und die Kinder als Übersetzer mit mussten“. Die besten Rezepte aus den Kochabenden sind jetzt im Weltküche-Kochbuch erschienen. Zum Ausprobieren oder zum Nachlesen für alle, die im vergangenen Jahr dabei waren.

Viel Neues gelernt haben wir auch bei der Zubereitung erzählt Annette Heeger „Zum Zerkleinern von Nüssen oder Knoblauch werden die Zutaten einfach in eine kleine Tüte gegeben, auf die dann mit dem Knauf des Kochmessers eingehackt wird“, erzählt Annette Heeger: „Dünne Teigfladen werden mit Hilfe eines Kissens in Form gebracht.“

„Vieles sieht leicht aus, ist es dann aber doch nicht“, erinnert sich Julia Frey an die Zubereitung kleiner Teigtäschchen. „Da hatte ich ganz fix Knoten in den Fingern.“

Die Frauen haben uns Rezepte gezeigt, die schon über Generationen von der Mutter an die Tochter weitergegeben wurden.

„Einige ausländische Frauen sind dabei richtig aufgeblüht“, freut sich Frey: „Das waren unkomplizierte Begegnungen, ohne Sprachbarrieren.“

Beim gemeinsamen Einkaufen wurden deutsche und fremdländische Begriffe für dieses und jenes Lebensmittel ausgetauscht. Kochen geht auch ohne gute Sprachkenntnisse.

Es ist für die geflohenen Frauen wichtig, dass sie auch mal jemand auf der Straße treffen, den sie kennen. Nach dem Essen wurde gemeinsam Tee getrunken. Manchmal wurden auch schon Telefonnummern getauscht.

Dass so viele Interessenten aus Meckenbeuren zu den Kochabenden kamen, zeigt nach Ansicht von Julia Frey, dass viele Menschen hier offen für neue Kulturkreise sind.

Das Kochbuch enthält Rezepte aus Syrien, aus dem Irak, aus Eritrea und Aserbaidschan von leicht bis schwierig. Ein Rezept aus der Alltagsküche ist Shawama, ein gefülltes Fladenbrot. Das ist „arabische Streetfood“ findet Julia Frey. Andere Gerichte wie Baklawa mit seinen unendlich dünnen Teigfladen verlangen einige Übung.

Annette Heeger war besonders von Zigni angetan, einem Rindfleischgerich mit Tomate und Ei. Ungewohnt für deutsche Gaumen war, dass mit viel Öl gekocht und viel mit Knoblauch gewürzt wird. Die arabische Küche enthält viele indische Gewürze, stellten Annette Heeger und Julia Frey fest, in der syrischen und irakischen Küche wird viel Reis und viel Fleisch verwendet. In muslimisch geprägten Ländern wird bekanntlich kein Schweinefleisch gegessen, dafür aber viel mit Rind- und Lammfleisch gekocht. Dazu gibt es Tomaten, Zwiebeln Zuchini, Kartoffeln und Augerginen. Typisch sind Hülsenfrüchte wie Bohnen, Kichererbsen (Humus) und Linsen.

Insgesamt sind im Kochbuch 38 Rezepte beschrieben und abgebildet. Allein 18 verschiedene Hauptgerichte wurden in Meckenbeuren zubereitet, und fanden Eingang in die Rezeptsammlung. Zehn Beilagen und 6 verschiedene Nachspeisen sind auch genau beschrieben.

Die Zutaten kommen bis auf wenige Ausnahmen aus der Region. „Wir haben versucht auf dem Markt und vor Ort einzukaufen. Einige wenige wie die „Molokhia“ (spinatähnliches Gemüse aus den Blättern der langkapseligen Jute, einer Malvenart) gibt es nur getrocknet in türkischen Supermärkten. „In Syrien und im Irak ist es viel heißer. Das verändert auch die Essgewohnheiten. Im arabischen Raum wachsen Nahrungsmittel, die wir in Deutschland nicht anbauen könnten“, erklärt das Kochbuch die Besonderheiten der Weltküche.

Das Weltküche Kochbuch gibt es gegen eine Spende bei der Metzgerei Amann, bei Restle, bei Abundo und natürlich auch in der Bücherei und im Bürgerbüro. Insgesamt 200 Exemplare sind zu haben. Gefördert wurde das Projekt vom Amt für Migration und Integration des Landratsamtes Bodenseekreis.

„Die Spenden, aus den Weltkugeln werden alle für Projekte in Meckenbeuren verwendet“, verspricht Julia Frey. Ein neues Projekt zusammen mit geflüchteten Frauen ist auch schon angedacht. „Wir wollen zusammen nähen“, erzählt Integrationsbeauftragte Frey.

Wer jetzt Lust hat, die eine oder andere Spezialität aus fernen Ländern zu kosten, kann das am 25. Mai tun. Dann bewirtet der Freundeskreis Asyl beim Bigband-Konzert im Kulturschuppen mit leckeren Häppchen aus der „Weltküche“. Die internationalen Köchinnen wünschen dann „Shahiat jayide“ Guten Appetit.

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