Fasnetsjubiläum: Kehlen ist und bleibt die Gurken-Hochburg

Lesedauer: 4 Min
 Helle freundliche Kostüme zeichnen Kehlens Gurkennarren aus.
Helle freundliche Kostüme zeichnen Kehlens Gurkennarren aus. (Foto: Narren Kehlen)

Mit dem Gurkennarr feiert in diesem Jahr die erste Maskengruppe der Kehlener Narrenzunft ihr 60-Jähriges. Ein Jahr nach dem Schussenbole (Einzelmaske von 1958) wurde sie ins Leben gerufen. Mit einem internen Ball wird am Samstag an diese sechs Jahrzehnte erinnert.

Und damit an eine Zeit, die heute kaum mehr nachempfindbar ist – als nämlich fast jeder Landwirt einen eigenen Gurkenacker bewirtschaftete. Gerade um Kehlen herum soll dies nach den Weltkriegsjahren der Fall gewesen sein, so rufen es Ehrenmitglied Elli Bucher und Zunftmeister Berthold Sommerfeld im SZ-Gespräch in Erinnerung. Zur Aufbesserung der Haushaltskasse wurden die Gurken gepflanzt und auf den Märkten verkauft – sie wirkten damit weit über die „saure Gurkenzeit“ hinaus. Sammletshofen soll dabei eine Gurken-Hochburg gewesen sein.

Paten waren die Seegockel

Masken- und Krippenschnitzer Josef Hasenmaile aus Biberach kreierte dann die erste Maske, die am 17. Januar 1959 beim Feuerwehrball aus der Taufe gehoben wurde. Pate stand dabei die Narrenzunft Seegockel aus Friedrichshafen, die solches urkundlich am 8. Februar 1959 bestätigte.

Den Gurkennarr zeichnet sein orange-gelbes Häs in der Farbe der Gurkenblüten aus – ein Einteiler, der mit Gurkenranken und -blättern verziert ist. Als Nase trägt er eine Gurke mitten im Gesicht, hinzu kommt eine Handgurke. Als Mittler zwischen Narrenschar und Vorstandschaft dient der Obergurkennarr, der ein Häs in verschiedenen Grüntönen und mit braunem Schellengurt sein Eigen nennt. Hervor sticht bei ihm die große Maske in Form der Gurke, die oben spitz zuläuft.

Träger der ersten Gurkenmasken anno 1959 waren Melitta Aggeler, Hannelore Vogel, Bruno Rist, Hans Sessler und Franz Birnbaum als Obergurkennarr. In der Chronik zudem besonders hervorgehoben: das Wirken von Zunftrat August Zwisler.

Stolz darauf, ein Gurkennarr zu sein, ist mit Elli Bucher das einzige aktive Ehrenmitglied der Narrenzunft Schussenbole (seit dem 11.11.2017). 1961 wurde sie die 13. Gurke überhaupt: „Die will ich“, erinnert sie sich daran, dass viele die vermeintliche Unglückszahl ausschlugen, was für Elli Bucher nicht in Frage kam.

Schade finden Bucher und Sommerfeld, dass es derzeit nur etwa 15 „Gurken“ in den Reihen der rund 180 aktiven Kehlener Narren sind. Gerne erinnert sich das Ehrenmitglied daran, „wieviele Gurken wir einmal waren“. Dass bei der Narrentaufe 2019 auch wieder Gurkennarren beim Nachwuchs gefragt waren, macht Mut.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen