„Es ist bemerkenswert, was Sie gemacht haben“

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Stoßen auf das Jubliäum an: hinten Geschäftsführer Alexander Lahl, vorne Geschäftsführerin Stefanie Locher, Aufsichtsratsvorsitz
Stoßen auf das Jubliäum an: hinten Geschäftsführer Alexander Lahl, vorne Geschäftsführerin Stefanie Locher, Aufsichtsratsvorsitzender Joachim Senn, vorne Seniorin Gertrud Wendler, dahinter Professor Thomas Klie, vorne MdL Petra Krebs, dahinter MdB Benjamin Strasser, MdL August Schuler, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Paul Locherer, Vorstand Berthold Broll und Moderator Ulrich Dobler. (Foto: anrö)
Annette Rösler

Zur Jubiläumsfeier am Donnerstagvormittag hat die Stiftung Liebenau zahlreiche Gäste ins Schloss der Stiftung eingeladen. Mit einem „Grüß Gott“ hieß der Vorstand der Stiftung Liebenau, Dr. Berthold Broll, die Persönlichkeiten aus Politik, Landkreisen, Partnergemeinden und Mitarbeiter der Stiftung, willkommen. Ein besonderer Gruß ging an Professor Dr. Thomas Klie aus Freiburg, der als wichtiger Sozialexperte ein hohes Ansehen genießt und sich bereit erklärt hatte, den Festvortrag zu halten.

Broll warf einen Blick auf die Geschichte der Stiftung, die in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz inzwischen 30 Mehrgenerationenwohnanlagen für Jung und Alt eröffnet hat, weitere sind geplant. Moderator Ulrich Dobler, bei der Stiftung Liebenau zuständig für Politik und Internationales, nahm die Gäste anschließend auf eine Reise in die jüngere Vergangenheit mit. 1994 war die Stiftung in die Altenpflege eingestiegen und hatte mit dem Grundgedanken der vier Säulen „Sicherheit, Selbstbestimmung, Selbstständigkeit und Unterstützung“ die erste Wohnanlage für Jung und Alt eröffnet.

„Es ist bemerkenswert, was Sie gemacht haben“, lobte Professor Thomas Klie die Entwicklung der Stiftung. „Caring Community – zwischen Sorgekultur und Management“ lautete das Thema seines Vortrags, bei dem es um das Leitbild für eine sich sorgende Gemeinschaft geht, die als Organisation, Anlauf- stelle und Geschäftsmodell alle Menschen von der Geburt bis zum Tod, mit einer Mischung aus professionellen und ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut. Dazu gehöre das Grundrechtsversprechen, gute Bedingungen für das Leben aller auszuhandeln, umfassende Nächstenliebe und vor allem Verantwortung für Andere zu tragen. Menschen sollten nicht auf ihre Pflegebedürftigkeit reduziert werden, sondern aus tragfähigen Beziehungen selbstbestimmt entscheiden können. Die Subsidiarität als Ordnungsprinzip verlange nach einer Debatte über Solidarität der „Caring Communities“, die Rolle des Sozialstaats und ein Management, in das investiert wird, um die Ausbeutung der sorgenden Gemeinschaft zu verhindern. Die „sorgende Gemeinde“ bestehe schon, nur gebe es noch kein Konzept von „außerhalb“, so Thomas Klie.

Gertrud Wendler, eine betagte Bewohnerin, trat souverän vor die Gäste und sprach in Gedichtform einen Dank für ihre schöne Zeit in den Lebensräumen aus, was mit einem langem Applaus gewürdigt wurde.

Geschäftsführer Alexander Lahl ergriff das Wort und wies darauf hin, dass neue Wege beschritten werden müssten, da die Vereinsamung der Menschen steige und es laut Prognosen bis zum Jahr 2030 eine Verdoppelung der Pflegebedürftigen gebe. „Caring Community“ sei für ihn das Stichwort, denn das Mehrgenerationenwohnen könne da trotz 25-jährigem Bestehen immernoch gut mithalten. Auch er sehe die Notwendigkeit, die Sorge auf mehrere Schultern zu verteilen und man sei dabei, neue Wohn- und Versorgungskonzepte zu finden. Hauptamtliche Gemeinwesenarbeit mit öffentlichen Servicezentren für Koordination und Begegnung, die Förderung der Mobilität und die Digitalisierung in Wohnung und Quartier seien dabei einige wichtige Entwicklungen. „Wir werden darüber mit den Bürgermeistern sprechen“, kündigte Alexander Lahl an.

Talk mit Gästen

Anschließend gab es einen „Talk mit Gästen“: Professor Thomas Klie, Grünenpolitikerin Petra Krebs, Paul Locherer, der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Stiftung Liebenau, sowie der Landtagsabgeordnete August Schuler standen Rede und Antwort, Moderator war Ulrich Dobler. Die Fragen drehten sich um den Bau weiterer Quartiere, die Finanzierung, die Verantwortlichkeiten sowie den Umgang mit den alternden Menschen in der Gesellschaft. Man war sich einig, dass es Veränderungen geben müsse, es gab viele konstruktive Vorschläge, nur war noch keine konkrete Lösung, besonders bei der Finanzierung, in Sicht.

Geschäftsführerin Stefanie Locher brachte zum Abschluss ihren Stolz auf die 25 Jahre Lebensräume für Jung und Alt zum Ausdruck und dankte dem „Herzstück“ der Stiftung, den Gemeinwesenarbeitern, die eine kreative Truppe seien.

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