Erfreut seit 30 Jahren Zuschauerherzen: Die kleine Garde Brochenzell

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Gruppenbild der kleinen Tänzerinnen in Garde-Uniform
Die kleinen Tänzerinnen der kleinen Garde Brochenzell fiebern ihrem Auftritt beim Jubiläumsbrunch entgegen. (Foto: Fotos: kesc)
Kerstin Schwier

Die Gardemädels der ersten Stunde sind längst erwachsen. Viele von ihnen sind mittlerweile selbst Mutter. Und falls sie Mutter einer Tochter sind, tanzt diese nicht selten heute mit der gleichen Lust und Leidenschaft bei der kleinen Garde wie einst die Mama. Seit 30 Jahren begeistert die kleine Garde Brochenzell ihre Zuschauer bei Bällen, Zunftmeisterempfängen und anderen närrischen Gelegenheiten. Grund genug, diesen runden Geburtstag gebührend zu feiern.

Das dachten sich auch Jenny Berlinger und Silke Stoppel, Trainerinnen der aktuellen kleinen Garde, und luden am Samstagvormittag zu einem Jubiläumsbrunch in das St. Jakobus Gemeindehaus in Brochenzell. Viele ehemalige Tänzerinnen, Trainerinnen, Freunde und Bekannte sowie der Vorstand der Narrenzunft Brochenzell folgten der Einladung und erlebten einen kurzweiligen Vormittag, natürlich garniert mit einem Auftritt der 15 kleinen Gardemädchen 2020.

Selbstredend, dass die kleinen Tänzerinnen nicht ohne Zugabe abtreten durften. Jenny Berlinger und Silke Stroppel freuten sich in ihrer Begrüßungsrede, dass neben der „geistigen Gardemutter“ Klara Bergler – die andere Initiatorin, Beate Hofacker, war beruflich verhindert – auch die beiden Ehrenzunfträte Manfred Jäger und Hanna Gresser, ihres Zeichens Gründerin der Großen Garde Brochenzell, zu der Feierstunde gekommen waren. Alle hatten sie Platz genommen an den liebevoll, in den Farben der Garde (rot- weiß) dekorierten Tischen. Das Trainergespann dankte dem Vorstand der Zunft „für die jahrelange Unterstützung und auch dafür, dass ihr unsere Idee einer Jugendgruppe wachsen lasst und diese vielleicht schon 2021 realisiert werden kann.“

Mit einer speziellen Jugendgruppe soll die Übergangsphase zwischen kleiner Garde, im Alter von drei bis zwölf Jahren, und großer Garde, ab 16 Jahren, überbrückt werden, erläuterte Silke Stroppel. Zunftmeister Ralf Müller gab anschließend in Reimform einen kurzen historischen Abriss über die Anfänge der kleinen Garde. „1979 fragten sich einige, lang ist es her, wie toll doch so eine Kindertanzgruppe wär. Klara Bergler und Beate Hofacker waren es, gesagt und getan, diese beiden nahmen sich dieser Aufgabe an“, trug Müller vor. Von 1983 bis 1987 leitete Klara Bergler die Tanzgruppe, dann war erst einmal Schluss, „weil mir irgendwann die Zeit ausging“, wie Bergler erzählte.

Schließlich habe sie sich damals auch um die große Garde und das Männerballett gekümmert. Erst 1990 nahmen sich Susi Lanz und Sabine Bojanic wieder der Sache an und die heutige kleine Garde ward geboren. „Gleich der erste Auftritt war im Feuerwehrhaus, leider blieb es dabei, denn mit Beginn des Golfkriegs war die Fasnet vorbei. Doch danach wollten die beiden es erst recht wissen, haben mit den Kids die Fans begeistert und mitgerissen. Vor Beifallsstürmen tobte jedes Haus, denn die schwungvollen Mädels sahen auch allerliebst aus,“ dichtete der Zunftmeister weiter.

Nach 19 Jahren übergaben Lanz und Bojanic den Staffelstab dann 2009 an Sonja Bruder und Nadja Sauter, die „die herrliche Tradition weiterführten“. Seit 2018 haben nun Jenny Berlinger und Silke Stroppel die Leitung inne. Ob bei ihren Auftritten bei Kinderbällen, im Kindergarten, in der Schule oder im Pflegeheim – überall ernten die kleinen Mädchen bis heute wahre Begeisterungsstürme. „Ich habe mit drei Jahren angefangen, weil meine große Schwester Katharina schon dabei war. Da war ich eifersüchtig und wollte auch mitmachen,“ blickt Theresa Rädler auf ihre Anfänge bei der kleinen Garde zurück. Zusammen mit ihren Freundinnen, die alle bei der Garde getanzt haben und mittlerweile zwischen 21 und 25 Jahre alt sind, ist sie zu der kleinen Feierstunde gekommen. Alle haben durchweg positive Erinnerungen an die Zeit damals. „Es war top. Vor allem die roten Lippen und die Süßigkeiten nach jedem Auftritt waren klasse“, erzählt Rädler und erntet von allen Seiten Zuspruch. „Und das legendäre Abschlussessen in der Waldschenke war auch immer super“, wirft Samantha Salow noch ein. Für Julia Sauter, die wie die meisten bis heute bei der großen Garde tanzt, wäre die von Silke Stroppel vorgeschlagene Jugendgruppe eine ideale Lösung, um die Zwischenzeit zu überbrücken. „Das war richtig blöd damals, zu warten, bis man endlich 16 ist und in die große Garde darf“, erinnert sie sich. Den legendären ersten Auftritt der kleinen Garde 1990 im Feuerwehrhaus Meckenbeuren hat Franziska Gsteu im zarten Alter von drei Jahren mitgemacht.

„Da erzählt meine Oma heute noch von und irgendwie wissen das alle noch“, berichtet Gsteu, die sich selbst kaum daran erinnern kann. „Das war so niedlich. Du bist mit deinen kurzen Beinchen kaum auf die Bühne gekommen“, kann sich Susi Lanz dafür umso besser erinnern.

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