Eisenbahnromantik auf sechseinhalb Metern

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Mit vielen Einzelheiten wartet das Modell des Meckenbeurer Bahnhofs auf, wie es Alfons Horn, Hans-Dieter Hefele, Günter Lauinger
Mit vielen Einzelheiten wartet das Modell des Meckenbeurer Bahnhofs auf, wie es Alfons Horn, Hans-Dieter Hefele, Günter Lauinger (Foto: Fotos: rwe)
Schwäbische Zeitung

Ende 1995 hat der Meckenbeurer Bahnhof für Furore gesorgt, vor 20 Jahren wurde er dann fertiggestellt. Die Rede ist von dem Modell, mit dem die Eisenbahnfreunde Ravensburg-Weingarten beim großen Dioramenwettbewerb der Messe Stuttgart im November 1995 „absahnten“. Seine volle Ausdehnung von sechseinhalb Metern (fünf Module à 1,3 Meter) erreichte der 1,1 Kilometer lange Bahnhofsbereich zwischen Eselsbrücke und Holz Hegner dann 1996, als Siegfried Maier und Werner Schmidberger ihr „Meisterstück“ komplettierten.

Siegfried Maier ist leider schon verstorben. Unterstützt von den Vereins- und Vorstandsmitgliedern Alfons Horn, Hans-Dieter Hefele und Günter Lauinger erinnerte Werner Schmidberger nun im Gespräch mit der SZ an jene Zeit vor 20 Jahren, als der Meckenbeurer Bahnhof im Maßstab von etwa 1:87 Gestalt annahm.

„Ich erinnere mich noch, dass wir im Zügle nach Tettnang zum Hopfenbrocken gefahren sind“: Schmidberger hat in Meckenbeuren die ersten vier Lebensjahre verbracht und daher eine besondere Beziehung zur Schussengemeinde. Dass deren Bahnhof damals fürs Modell gewählt wurde, hatte aber andere Gründe. Maximal vier Meter durfte das für den Wettbewerb einzureichende Modell lang sein, was für einen überschaubaren Bahnhof sprach. Und da der Meckenbeurer auch Nichtschwaben durch das Lied „Auf der Schwäbsche Eisenbahne“ bestens bekannt war, fiel die Wahl auf ihn.

Nur „echt“ mit Kuhfladen

Drei Monate hatten Siegfried Maier und Werner Schmidberger damals Zeit – im Wissen, dass sie die 1,1 km lange Strecke „stauchen“ mussten. Im Maßstab 1:87 abgebildet hätte dies sonst nämlich zwölf Meter Gleislänge im Modell bedeutet.

Als erstes kümmerten sie sich um die Pläne, ehe es vor Ort ging – dies mit Fotoapparat, Skizzenblock und Meterstab. Was heute mit dem Lasermessgerät ein „Kinderspiel“ ist, war vor 21 Jahren eine Herausforderung. So gut es ging wurden die Gebäude im Original vermessen, mit angelegtem Meterstab abfotografiert und in die Pläne übertragen.

Und dann sei es „klassisch“ losgegangen, schmunzelt Werner Schmidberger heute – „vier Bretter und ein Deckel drauf“. Modulkästen wurden erstellt, in Form geschnitten, mit Korkbettungen versehen und Gleisen belegt. Die elektrische Versorgung richtete sich nach den Vorgaben der bereits im Bau befindlichen HO-Modulanlage.

Rund 500 Stunden inklusive Nachtschichten und Samstagsarbeit sollten es werden, bis die drei Segmente fertiggestellt waren. Bei der Preisverleihung in Stuttgarts Messe dann der Coup: „Sehr überrascht“ seien sie gewesen, so Schmidberger, als ihr Modell den dritten Preis in der Gesamtwertung und den zweiten Preis in der Altersklasse einheimste.

Was aber war das Besondere? Gelobt wurde die Modelltreue, und noch heute ist es erstaunlich, wie die Erbauer es verstanden, die Gesamtstimmung des Bereichs einzufangen. Wohlgemerkt: Mit einem Zustand aus den 70er Jahren, mit den Gasthäusern „Zur Post“ und „Baur“, dem Milchwerk Brüstle und Gleisen, die nach Tettnang noch vor dem Bahnhofsgebäude verliefen. Oder auch die Viehladerampe am nördlichen Ende des heutigen Kulturschuppens – nur „echt“ mit Kuhfladen.

Diese Meisterstücke entstanden „aus der Not“ – bot doch kein Hersteller der Welt den Bahnhof Meckenbeuren im Maßstab 1:87 an. Aus Sperrholz wurden die einzelnen Modelle dann in akribischer Kleinarbeit sowie mit viel Liebe zum Detail und Herzblut erstellt. Werner Schmidberger kennzeichnet den damaligen Güterschuppen denn auch gerne als „Meisterwerk“ von Siegfried Maier – samt abnehmbaren Dach, sodass die beeindruckende Balkenkonstruktion erkennbar wird.

Als größte Schwierigkeit benennt Schmidberger den Bahnhof selbst. Von Dachgaupen über Verwinkelungen bis zu den Fensterrahmen wurde alles originalgetreu wiedergegeben.

Heute ist der Meckenbeurer Bahnhof Teil der großen Modulanlage der Eisenbahnfreunde Ravensburg-Weingarten, die damals noch in den Kinderschuhen steckte und heute etliche Stationen entlang der Südbahn umfasst – plus das prämierte Donautal. Mit der Gesamtlänge von 60 Metern und einer Gleislänge von 175 Metern lockt sie stets zur Jahresausstellung des Vereins in die Ravensburger Oberschwabenhalle.

Die Modellbahnausstellung findet anno 2016 am 10. Dezember in der Oberschwabenhalle statt. Wer jetzt schon weitere Bilder vom Meckenbeurer Modell sehen mag: eine Bildergalerie gibt’s unter

www.schwaebische.de

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