Ein Platz im „Meer des Grauens“

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Karin Schütrumpf

Meckenbeuren - Mit bunten Stühlen möchte die Diakonie der evangelischen Kirche in Württemberg anlässlich der Europawahl gegen die Schließung von Grenzen protestieren. Auch die Meckenbeurer haben sich an der Aktion „Ein Platz für Asyl in Europa“ beteiligt.

Vor dem Sitzungssaal im Rathaus riecht es nach Farbe. Auf einem Tisch stapeln sich halbleere Farbdosen, Flaschen mit Verdünner und Pinsel. Pappteller dienen als Paletten. Katja Opferkuch und Annette Heeger haben sogar eine Heißklebepistole mitgebracht. Auf einem dunkelblau angestrichenen Stuhl basteln sie das „Meer des Grauens“. Pappfigürchen stürzen von der Stuhllehne in das auf die Sitzfläche gemalte Meer des Grauens, in dem es brodelt wie im Hexenkessel aus dem Bilderbuch. Die beiden Damen sind an diesem Samstag nicht die Einzigen, die mit einem kreativ gestalteten Stuhl auf die Aktion „Ein Platz für Asyl in Europa“ hinweisen wollen. Mit der Aktion möchte die Diakonie der evangelischen Kirche in Württemberg anlässlich der Europawahl ein Zeichen gegen die Schließung der Grenzen setzen. Julia Frey, die Integrationsbeauftragte der Gemeinde, und der Freundeskreis Asyl haben die Aktion nach Meckenbeuren geholt, gestalten die Stühle für die geplante Ausstellung in Stuttgart mit.

Team Nigeria mischt mit

Sieglinde Bernhard, Vorsitzende des Freundeskreises Asyl, hat zusammen mit Peter Alex, Emanuel Edegbe, Friudu und Blessing Sunday, Onah Osita und Amaru Kabore einen ganz bunten Gartenstuhl gebastelt. „Wir sind das Nigeria-Team“, lacht Sieglinde Bernhard und erzählt stolz, dass die meisten ihrer Schützlinge schon eine Ausbildung begonnen haben. Wenn sie nach dem erfolgreichen Berufsabschluss noch einige Jahre im Ausbildungsbetrieb weiterarbeiten, können sie bleiben. Tutoren aus dem Freundeskreis helfen, dass es in der Berufsschule klappt.

Kaled Alhasan ist mit seinem Sohn Walid und seinem Töchterchen Alma nach Meckenbeuren gekommen. Sie haben im Internet von der Aktion gelesen und wollen mit ihrem Stuhl sagen: „Wir sind hier, weil in Syrien Krieg ist. Aus keinem anderen Grund.“ Alhasan ist mit seiner Familie schon fast drei Jahre in Deutschland und arbeitet als Elektroniker für Geräte und Systeme.

Basma, Cilia und Madlen finden einfach das Zeichen gut. Sie wollen mit ihren liebevoll bemalten Stühlen zeigen, wie wichtig sie es finden, dass es in Europa Platz für Asyl gibt.

Hami Ibrahim und sein Freud Omar kommen aus Syrien. Ihr Stuhl soll ausdrücken, dass alle Menschen gleich sind. „Deutschland ist meine andere Familie“, sagt Ibrahim.

Sieglinde und Heinz Nußbaumer engagieren sich im Freundeskreis Asyl bei der Berufsbegleitung und bei der Hausaufgabenhilfe. Zusammen mit Angelika Prospero, Wiltrud Lehle und der Familie Zazour aus Damaskus haben sie viele Zeitungsausschnitte zum Thema Asyl gesammelt und auf ihren „Platz für Asyl“ geklebt. Den Rest des Stuhles bemalen die Kinder mit bunten Farben.

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