Einfühlsam, berührend und mit einer Prise Humor: Im Theaterstück „Oskar und die Dame in Rosa“ schlüpfte Schauspielerin Christine
Einfühlsam, berührend und mit einer Prise Humor: Im Theaterstück „Oskar und die Dame in Rosa“ schlüpfte Schauspielerin Christine Reitmeier spielend leicht von einer Rolle in die andere. (Foto: stiftung liebenau)
Schwäbische Zeitung

Zum Tag der Kinderhospizarbeit hat der ambulante Kinderhospizdienst Amalie, ein Angebot der Stiftung Liebenau und des Malteser Hilfsdienstes im Landkreis Ravensburg und im Bodenseekreis, im gut besuchten Kiesel im Medienhaus k42 in Friedrichshaen das Theaterstück „Oskar und die Dame in Rosa“ mit Schauspielerin Christine Reitmeier aufgeführt. Sowohl humorvoll als auch berührend und bewegend, macht das außergewöhnliche Stück von Erick-Emmanuel Schmitt aufmerksam auf die Situation von Familien, in denen ein Kind lebensbedrohlich erkrankt ist, wie die Stiftung Liebenau mitteilt.

Der zehnjährige Oskar weiß, dass er nicht mehr lange leben wird. Madame Rosa engagiert sich ehrenamtlich in der Klinik. Sie heißt so wegen ihres rosafarbenen Kittels. Sie bringt den todkranken Jungen auf die Idee, über alles nachzudenken, was ihn bewegt – in 13 Briefen an den lieben Gott. „Schreiben ist wie Lametta, Firlefanz und Schmus – eben Erwachsenenzeugs“, meint Oskar am Anfang. Er fühlt sich als schlechter Kranker. Als einer, der den Arzt enttäuscht, obwohl er sich bei Operation, Transplantation und Chemo so angestrengt hat. „Der Doktor macht ein trauriges Gesicht, wie der Weihnachtsmann, der keine Geschenke mehr im Sack hat.“ Auch seine Eltern haben Angst vor der Wahrheit und noch mehr Angst, mit ihrem Sohn darüber zu sprechen.

Christine Reitmeier schlüpft spielend leicht von einer Rolle in die andere. Mal mimt sie den kleinen Oskar, der voller Fragen, entwaffnend ehrlich, keck und manchmal traurig ist. Dann zieht sie den Kittel über, um als „Mama Rosa“ Zuversicht, Mut, Liebe und Gottvertrauen auszustrahlen, und das ohne rührselig zu sein. Menschen hätten Angst vor dem Tod, weil sie Angst vor dem Unbekannten haben. Ihren Tipp, jeden Tag so auf die Welt zu schauen, als wäre es das erste Mal, nimmt man gern mit nach Hause. „Dank Oskar habe ich gelacht und war so voller Leben“, lautet Rosas Fazit an seinem Lebensende.

„Du kannst Gott deine Gedanken anvertrauen und ihn jeden Tag um etwas anderes bitten“, schlägt Mama Rosa vor. Sie selbst erfindet sich als ehemalige Catcherin, deren Siege Oskar Mut machen sollen, wenn er sich jämmerlich fühlt. Außerdem soll sich der Junge vorstellen, dass jeder gelebte Tag zehn Lebensjahre bedeuten. Oskar lässt sich auf das Experiment ein und erlebt so ein ganzes Leben. In seinen Briefen an Gott erzählt er von seiner Pubertät, der ersten Liebe, Ehe, Streit, Midlife-Crisis, Alter und schließlich von der Vorbereitung auf den Tod. Mit 110 Jahren ist er zu müde, um noch älter zu werden. „Nur der liebe Gott darf mich wecken.“

Nach 90 Minuten erlosch das Licht im Kiesel und vom Publikum war kein Laut zu hören. Ergreifend und bewegend wirkte das Ein-Frau-Theaterstück nach. Mit viel Applaus dankten die Zuschauer Christine Reitmeier für ihr einfühlsames Spiel. Anschließend gab es Gelegenheit, mit Barbara Weiland und Sybille Wölfle vom ambulanten Kinderhospizdienst Amalie ins Gespräch zu kommen, wie die Stiftung schreibt. „Den Kinderhospiztag gibt es aus gutem Grund, denn Sterben und Tod ist immer noch ein Randthema – gerade wenn es Familien trifft“, so Barbara Weiland. Auch Heiderose Milz vom Medienhaus am See freute sich über den Beitrag ihres Hauses zu diesem besonderen Tag, der in der Gesellschaft ein Bewusstsein für die Arbeit der Kinderhospize schaffen will.

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