Die Mostpressen stehen kaum noch still

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Rekordernte drückt die Obstpreise
Meckenbeuren - Schon seit vielen Jahren haben die Obstbäume nicht mehr so viele Äpfel, Birnen oder Zwetschgen getragen wie in diesem. Auch in der Bodenseeregion ächzen die Bäume unter ihrer reifen Obstlast. Die großen Obstmengen drücken allerdings auch den Preis. Manche Obstbauern lassen die Äpfel mittlerweile sogar einfach hängen, weil die Pflückkosten angesichts der niedrigen Verkaufspreise höher wären als der Ertrag. Die Mostproduzenten hingegen dürfen sich über günstige Einkaufspreise freuen. Werner Deutelmoser aus Meckenbeuren glaubt jedenfalls nicht daran, dass auch der Mostpreis unter Druck geraten könnte. Und lässt sich schonmal ein Pröbchen schmecken...
Sportredakteur

Schon seit vielen Jahren haben die Obstbäume nicht mehr so viele Äpfel, Birnen oder Zwetschgen getragen wie in diesem. Auch in der Bodenseeregion ächzen die Bäume unter ihrer reifen Obstlast. Die großen Obstmengen drücken allerdings auch den Preis.

Wo Mostpressen stehen, da laufen sie derzeit auf Hochtouren. Auch Johannes Weishaupt, Geschäftsführer der Seemost-Kellerei in Meckenbeuren, erhält in diesem Herbst deutlich mehr Obstlieferungen von den Landwirten der Region als üblich, denn: „Bei vielen unserer Zulieferer hängt noch viel mehr auf den Bäumen, als sie ohnehin schon erwartet haben.“ Sogar Annahmestopps hat es in manchen obstverarbeitenden Betrieben gegeben, weil diese an ihre Kapazitätsgrenzen stießen. Den Zulieferern der Seemost-Kellerei ist dieses Malheur bisher erspart geblieben. „Wir haben noch niemanden wegschicken müssen“, sagt Weishaupt.

Die hohe Menge an Obst drückt allerdings dessen Preise - ungeachtet der in diesem Jahr aufgrund der günstigen Witterung ebenfalls außergewöhnlich hohen Qualität. Weishaupt: „Den Preis regelt der Markt.“ Der Geschäftsführer des Familientraditionsbetriebs weiß von eigenen Zulieferern, dass diese ihr Obst teilweise schon gar nicht mehr ernten: „Manche Obstbauern lassen die Äpfel einfach hängen, weil die Pflückkosten angesichts der niedrigen Preise höher wären als der Ertrag. Ab sechs Cent pro Kilo lohnt es sich einfach nicht mehr.“ Der Preis für 100 Kilogramm Mostobst liege üblicherweise zwischen zwölf und 15 Euro, so Weishaupt. Aktuell würde er zwischen neun und 13 Euro bezahlen, wobei er seinen Zulieferern damit offenbar schon entgegenkommt, denn er fügt an: „Den Bauern zuliebe“

Oechsle-Grad auf Rekordhöhe

Für Zulieferer ist das Traumjahr also mitunter gar nicht so traumhaft. Ideal ist die Konstellation in dieser Saison hingegen für Marktteilnehmer, die Obst sowohl erzeugen als auch selbst verarbeiten. Wie die Seemost Kellerei. Oder wie Werner Deutelmoser („Werners Saftladen“), ebenfalls in Meckenbeuren ansässig. Deutelmoser erwartet sowohl eine hohe Menge, als auch eine hohe Qualität beim Most: Der Oechsle-Grad, also der Zuckergehalt des Obstes, liege nämlich deutlich über dem der Vorjahre: „Dieses Jahr sind wird bei 58 bis 60, normalerweise bewegt sich die Zahl zwischen 54 und 55.“

Allerdings müsse die Ernte zügig verarbeitet werden, denn: „Bei der Wärme hält sich das Obst nicht lange.“ An den Bäumen habe es in diesem Sommer „wenig Fäule am Obst“ gegeben, so Deutelmoser, der auch deshalb von einem „insgesamt wirklich sehr guten Jahrgang“ spricht.

Dieter Mainberger, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, fühlt derweil natürlich auch mit den Obstzulieferern: „Die wirtschaftlichen Ergebnisse hängen in den Betrieben jetzt halt auch davon ab, wie hoch der Anteil von Mostobst ist. Denn die europaweit gute Ernte in diesem Jahr drückt da ganz schön auf den Marktpreis, das ist klar.“

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