Im Arbeitsbereich Küche in Rosenharz ist immer was los. Unter der Leitung von Hauswirtschaftsmeisterin Angela Abler-Heilig (link
Im Arbeitsbereich Küche in Rosenharz ist immer was los. Unter der Leitung von Hauswirtschaftsmeisterin Angela Abler-Heilig (links) entstehen köstliche Kekse, leckere Marmeladen, fruchtige Chutneys und Apfelchips aus der eigenen Küche. (Foto: stiftung liebenau)
Schwäbische Zeitung

Die Liebenauer Arbeitswelten bieten Menschen mit Behinderungen vielfältige Arbeit in den Werkstätten. Im Arbeitsbereich in Rosenharz gibt es eine Küche. Dreimal die Woche werden dort Kekse gebacken oder die Ernte aus dem Garten zu herrlicher Marmelade verarbeitet. Das Besondere aber sind die Begegnungen, heißt es in einem Pressebericht der Stiftung Liebenau.

Begonnen haben die Begegnungen mit einer Anfrage an die Stiftung. Zur Eröffnung des Lebensraums Campus in Oberteuringen sollten Kekse gereicht werden. Für Hauswirtschaftsmeisterin Angela Abler-Heilig war klar: „Für viele Kekse brauchen wir viele Hände. Wir haben unsere Beschäftigten gefragt, ob sie das machen möchten. Das Interesse war enorm, und beim gemeinsamen Backen stellten sie fest: Das wollen wir öfters tun.“

Sie sind stolz auf die eigenen Kekse: Äpfel schneiden, Nüsse knacken, wiegen, verpacken, die Arbeitsschritte sind so zergliedert, dass jeder, unabhängig von seinem Hilfebedarf, mitwirken kann.

Beim Kekse-Ausstechen darf erzählt werden. Mal haben sie Lust auf Lieder oder wollen einfach nur dabei sein. Beim gemeinsamen Tun outen sich Talente. Der eine informiert über Kinofilme. Eine andere spielt Tuba in der Brass-Band.

Jeder Tag ist dabei anders. Die Angebote der Hauswirtschaftsmeisterin sind demnach eine arbeitsbegleitende Maßnahme für alle – und sie kommen gern. Mit den Keksen bestücken sie Geschenkkörbe, die im Arbeitsbereich Rosenharz angefragt werden. Sie reichen ihre köstliche Hagebuttenmarmelade oder das fruchtige Apfel-Chutney zu den leckeren Keksen. Sie schauen, was draußen wächst, entwickeln ihre Rezepte, inspirieren sich gegenseitig und sind stolz: „Das haben wir selbst gemacht.“

Die Backstube stellt dabei einen besonderen Ort dar. Die Teilnehmer sollen sich dort wohlfühlen. Das ist Angela Abler-Heilig wichtig. Der eine genießt das Miteinander. Die andere braucht einen Einzelarbeitsplatz inmitten der Gemeinschaft. Immer ist es ein Lernen und schult die Wahrnehmung. Sie entdecken die Natur, ernten ihre Äpfel und sammeln Hagebutten. Sie fühlen den Teig in ihren Händen, riechen die Kekse im Ofen, sie wagen neue Begegnungen und erfahren: „Ich kann es.“

BLICK

Vor 50 Jahren hat in Liebenau die erste Werkstatt für Menschen mit Behinderungen eröffnet. Damit konnten die Beschäftigten erstmals an wirtschaftlicher Produktivität und an einem geregelten Arbeitsleben teilhaben, heißt es in der Pressemitteilung.

Heute arbeiten 565 Beschäftigte an zwölf Standorten auf vielfältigen Arbeitsplätzen, 71 besuchen den Berufsbildungsbereich, 356 spezielle Förder- und Betreuungsbereiche.

Jobcoaches begleiten beim Einstieg in den Ersten Arbeitsmarkt.

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