Der 18,5-Millionen-Bau ist für alles gerüstet

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Groß, großräumig, großzügig: Viele Meckenbeurer machen sich selbst ein Bild vom Bildungszentrum.
Groß, großräumig, großzügig: Viele Meckenbeurer machen sich selbst ein Bild vom Bildungszentrum. (Foto: Ehmann)
Schwäbische Zeitung

„Bildung und Betreuung“: Wenn ein Themenfeld in den vergangenen fünf Jahren in Meckenbeuren Priorität besessen hat, dann dieses. Dass der Bereich „Bildung“ dabei hervorstach, liegt im April 2009 begründet: Damals traf die Nachricht ein, dass das Land „grünes Licht“ für eine Realschule in der Gemeinde gab – der langgehegte Wunsch ging in Erfüllung, der stets auch die verstärkte Identifikation junger Menschen mit der Gemeinde zum Inhalt hatte.

Eckpunkte seither: Februar 2010: Ulrike Wiedmann ist die designierte Schulleiterin – September 2010: 66 Realschüler (Klasse 5) starten im umgebauten Foyer als Interimslösung – Oktober 2010: Spatenstich für den Neubau – 2012: Der Schulverbund darf sich „Bildungszentrum Meckenbeuren mit Werkrealschule und Realschule“ nennen – 2012: Umzugstermine verschieben sich, doch im September ist es so weit: 74 Fünftklässler werden in der Aula eingeschult – Oktober 2014: Mit der offiziellen Einweihung und dem Tag der offenen Tür darf das Bildungszentrum als etabliert gelten. 140 Werkrealschüler und 310 Realschüler werden von 44 Lehrkräften unterrichtet.

Freilich: Bauabschnitt IV steht noch aus mit der Erneuerung der Energiezentrale inklusive Umstellung auf regenerative Energien. Hierzu wird sich der Gemeinderat bei der Beratung des Haushalts 2015 äußern.

Wer sich vor einer Woche ein Bild gemacht hat, konnte – mit Professor Hans-Ulrich Kilian als planendem Architekten – durchaus ins Schwärmen geraten. Hell, offen, großzügig, modern, durchdacht: Lang ist die Liste lobender Adjektive, die einem zum Konzept (Anordnung in Jahrgangsgrupppen, Lernzonen) und seiner Umsetzung einfallen – oder zu den Extra-Räumen mit Lehrerarbeitsplätzen, Mensa und Hörsaal.

Und der größte Vorteil, wie ihn Kilian nannte: „Die Schule ist von der Infrastruktur her für alles gerüstet.“ Unausgesprochen: „egal, wohin der schulpolitische Weg nach der Landtagswahl führt.“

Solches hat seinen Preis. Bei 18,5 Millionen Euro steht er inzwischen.. Die Bauabschnitte I und II – der Neubau – waren in der Prognose 2010 auf 11,35 Millionen Euro angesetzt. Die heutigen 11,50 Millionen weichen davon um ein Prozent ab.

Sorgen machte Bauabschnitt III. Der Umbau im Bestand war auf 6,43 Millionen Euro veranschlagt, bei 7,04 Millionen sind die Kosten angelangt – eine Überschreitung von 9,5 Prozent. Gesamt gesehen sind es um 4,2 Prozent mehr: Aus den 17,81 sind zum jetzigen Stand 18,56 Millionen Euro geworden – dies bei einem Abrechnungsstand von 70 Prozent.

Angesichts dieser finanziellen Dimension mag das Bildungszentrum im Mittelpunkt gestanden haben – mit ihm erschöpft sich Bildung in Meckenbeuren aber bei Weitem nicht. Die sechs Kindergärten (zwei kirchliche) und vier Grundschulen bürgen für eine passende dezentrale Struktur. Was sie bewegt, ist der Ausbau ihrer Angebote in Richtung Ganztagesbetreuung.

Was er sich als „Zukunftsoption“ vorstellen kann, hat Bürgermeister Andreas Schmid beim Festakt jüngst angedeutet und nun auf SZ-Nachfrage erläutert: „Wir haben weiter das Ziel, ergänzend die gymnasiale Ebene in der Gemeinde zu haben.“ ,Ja’ sage man zu ihr, aber nicht: „ja um jeden Preis“. Die Rahmenbedingungen müssten stimmen, so Schmid, wobei klar sei, dass eine größere Investition derzeit nicht möglich ist. Auch gebe es keinen politischen Beschluss und keinerlei Zugzwang – was vermutlich ebenso für Gedankenspiele rund um die Förderschule gilt.

BLICK:

35,6 Prozent hatte die U3-Betreuungsquote in der Gemeinde bei der Momentaufnahme im März 2014 betragen. Konkret: Für 303 Kinder unter drei Jahren wurden 108 Plätze vorgehalten, davon 60 in der Krippe, sechs in altersgemischten Kindergartengruppen, 30 in anderen Angebotsformen (Familientreff) und zwölf in der Tagespflege.

Mit besagten 35,6 Prozent reihte sich Meckenbeuren auf Rang 14 unter den 23 Kreisgemeinden ein. Nicht nur dieser Platzierung und der Zahlen wegen ist in naher Zukunft mit weiteren Bemühungen zu rechnen. Hinzu kommt bei der Ganztagesbetreuung ein Schwerpunkt auf dem Kinderhaus Buch, das ja 2011/12 für 1,4 Millionen Euro ums ehemalige Foyer erweitert und modernisiert wurde.

Nur: Wird der Schritt weg von der zentralen zu einer dezentraleren Struktur gewünscht, müssen Räume in den Ortsteilen vorgehalten (zum Teil wohl gar erst gefunden) werden. Was den politischen Willen zu Investitionen voraussetzt...

Zurück in die Gegenwart: Wie Jeanette Peter (bei der Gemeinde für den Bereich Kindergärten zuständig) auflistet, sind in den vier kommunalen Einrichtungen zur Kleinkindbetreuung (Buch, Brochenzell, Liebenau, Lochbrücke plus das in kirchlicher Trägerschaft befindliche Kehlen) insgesamt 48 Frauen und ein Mann tätig. Hinzu kommen zwei Hauswirtschafterinnen, zwei hauswirtschaftliche Hilfskräfte, drei Anerkennungspraktikanten, zwei Stellen für praxisintegrierte Ausbildung (PIA), ein Praktikant und drei FSJler. Insgesamt lässt sich laut Jeanette Peter auch in Meckenbeuren der Trend zur Teilzeitbeschäftigung beobachten.

Angesprochen auf die in jüngerer Vergangenheit vielfach auftauchenden Stellenausschreibungen, meint Jeanette Peter: „Eine Fluktuation ist da“, sie sieht diese aber nicht als außergewöhnlich an

Knapp geht er nach oben, der Daumen – aber er geht. Im Bereich U3-Betreuung gibt es Gemeinden, die weiter sind – da wird Meckenbeuren mittel-, wenn nicht gar kurzfristig nachlegen müssen. Doch überstrahlt das 18,5-Millionen-Projekt Bildungszentrum natürlich alles. Und wer sich drinnen umgesehen hat, kann nur loben.

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