Das Schulessen wird im Bürgersaal serviert

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Bei einer Nein-Stimme hat sich der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch hinter die Planung gestellt, Räume im Dorfgemeinschaftshaus Kehlen (DGH) umzunutzen – vor allem den Bürgersaal. Dort sollen künftig die Grundschüler ihr Mittagessen einnehmen können. Konkret sieht der Beschluss vor, beim Landratsamt als Genehmigungsbehörde diesen Antrag zu stellen. Kommt von dort kein Veto, kann es an die Ausschreibung gehen. Falls sich die Sommerferien für den Umbau nutzen lassen, wäre aufs neue Schuljahr hin die Neuerung denkbar.

„Es drängt an der Wilhelm-Schussen-Schule nach Lösungen“, leitete Bürgermeisterin Elisabeth Kugel den Punkt ein, der durch den Umzug des Schulseminars nach Weingarten (Mai 2018) möglich wurde. Seit der Vorwoche kann die Gemeinde wieder über die Räume im DGH verfügen, „das Seminar hat die Schlüssel abgegeben“, bezog sich Rudolf Mayer als Leiter des Liegenschaftsamts auf das Ende des Mietverhältnisses.

Die Situation an der Schule erläuterte Jeanette Peter (Abteilung Bildung und Betreuung). Aktuell würden zwischen 20 und 45 Kinder das Betreuungsangebot am Nachmittag inklusive Mittagessen wahrnehmen, das von Montag bis Donnerstag gilt. Die Essensausgabe in der zu kleinen Schulküche (Baujahr 1989) erfolge in zwei Schichten. Die Küche ist damit lange Zeit belegt und für die zugedachten schulischen Belange nur eingeschränkt nutzbar. Zudem ist der Raum als Zeichensaal ausgeflaggt und für den BKTW-Unterricht eingerichtet.

Weiteres Manko: Die Abwasserleitung ist durch die Spülmaschinen dauerhaft überlastet. „Im Moment funktioniert das System, dies ist aber gefährdet“, bezog sich Jeanette Peter auf die Sitzungsvorlage.

Vier Alternativen seien – mit Blick auf die erwarteten 60 Essen in Zukunft – geprüft worden, die aber allesamt nicht sinnvoll zu verwirklichen gewesen seien. Sie reichten von Anfragen im Vereinsheim des SV Kehlen und in der Gaststätte des Sportkegelclubs über Räume in einem nahen privaten Gebäude bis zu solchen im Feuerwehrhaus. Eugen Lehles (Freie Wähler) Nachfrage galt speziell ihnen, doch wusste Jeanette Peter um den Grund, warum sie nicht in Frage kamen: Der Weg der Schulkinder hätte genau durch den Anfahrts- beziehungsweise Ausrückbereich der Feuerwehr geführt.

Lehle votierte mit „nein“, da ihm der tägliche Weg über die viel befahrene Pestalozzistraße trotz Fußgängerübergang als Nachteil erschien.

Anders seine Ratskollegen samt Bürgermeisterin, die sich dabei auf das Votum von Schulleitung und Betreuungsleitung für die „kleine Lösung“ stützen konnten. Verworfen worden war nämlich eine große Lösung – mit eigener Küche im Nebenraum des Bürgersaals, was aber in technischer Hinsicht und finanziell zu aufwändig gekommen wäre.

Weit gediehen war die Idee, auf dem frei geräumten Areal am einstigen „Haus Wocher“ Containermodule aufzustellen. Und doch stets im Hinterkopf: die Überzeugung, dass der Bürgersaal die beste Lösung darstellt.

Der Durchbruch: In Gesprächen mit dem Gesundheitsamt und Veterinäramt wurde die Möglichkeit einer kleinen Lösung im DGH entwickelt. Ihr Kern: Gegessen wird an maximal 56 Plätzen im Bürgersaal, dort erfolgt auch die Essensausgabe – ein Handwaschbecken muss dazu installiert werden. Es darf keinerlei Essensverarbeitung im Haus erfolgen.

Gespült werden kann in dem Raum, der derzeit die alte Küche beherbergt. Der Herd müsste weichen, der laut Sitzungsvorlage „nur wenige Male im Jahr von den Vereinen gebraucht wird“. Stattdessen wäre eine reine Spülküche mit Gastro-Spülmaschine einzubauen (samt neuen Leitungen) wie auch ein neuer Boden. Für Kinder wie Mitarbeiter muss es gesonderte Toiletten geben.

Die Abläufe samt Anlieferung (weiterhin von der Diakonie Pfingstweid) streifte Ortsbaumeister Axel Beutner. So müssten die Behälter eine Treppe herauf respektive herunter getragen werden – was nur händisch möglich sei. Der Bürgersaal besitze inzwischen einen zweiten Rettungsweg: Eine Metalltreppe wurde bereits angebaut. Nötig wird – neben einem Durchlauferhitzer – auch eine Hebeanlage, müsse das Wasser doch hochgepumpt werden.

Im Haushalt waren bisher 210 000 Euro für die Containerlösung eingestellt. Der neue Kostenrahmen mit etwa 30 000 Euro stieß daher auf große Zustimmung. Auf 17 000 Euro sind Umbau und Spülküche veranschlagt, die restlichen 13 000 Euro müssten für Stühle und Tische eingerechnet werden, hieß es.

Als Interimslösung sah Josef Sauter (CDU) den Bürgersaal. Sein „Ja“ verknüpfte er mit dem Appell, an der Mitte Kehlens zu arbeiten. „Mir fehlt für das ganze Quartier ein Konzept“, wollte er neben dem DGH auch die Nachbargebäude in der Hügelstraße eingebunden wissen.

Als „große Chance“ bezeichnet Schulleiterin Andrea Rist die neue Entwicklung. Bei der Querung der Straße ist ihr nicht bange, weil diese in Begleitung und in einer gut sichtbaren Gruppe erfolge.

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