„Da hab ich gerade wieder Lust, in die Schule zu gehen“

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 So kann ein Musterklassenzimmer aussehen – mit Dokumentenkamera, Medienpult und Display.
So kann ein Musterklassenzimmer aussehen – mit Dokumentenkamera, Medienpult und Display. (Foto: KMZ)

Der erste Schritt ist getan, die Grundschulen in Meckenbeuren wissen, wie künftig die „Medientechnik im Klassenzimmer“ aussehen soll. Der Gemeinderat hat sich einhellig für das „Ensemble“ Medien-Pult, Dokumentenkamera und Display mit Soundbar ausgesprochen und gibt für diese Präsentationstechnik zusammengenommen 50 000 Euro in den Jahren 2019 und 2020 frei.

Im zweiten Schritt wird dann zu entscheiden sein, wie die Endgeräte für die Klassen respektive Schüler aussehen, also PCs, Tablets oder Laptops. Im Zusammenhang sei dies zu sehen mit dem Medienentwicklungsplan, den derzeit jede der vier Meckenbeurer Grundschulen erstellt – daher könne diese Ausstattung auch individuell erfolgen, steht dazu in der Sitzungsvorlage.

Bereits dem jetzigen Beschluss liegt ein seit anderthalb Jahren erarbeitetes Konzept zugrunde, wie es Schulnetzberater Roman Kleiner vom Kreismedienzentrum anschaulich und elanvoll im Gemeinderat vorstellte (stellvertretend für eine größere Projektgruppe, der aus dem Rathaus unter anderem der IT-Beauftragte Samuel Schier angehörte).

Kleiner schlug den Bogen zum Bildungsplan 2016, der für die Grundschulen die Herausforderung beinhaltet, Medienbildung sinnvoll in den Unterricht zu integrieren. Im ersten Schritt hatte er den Ist-Zustand erhoben, der sich „ganz unterschiedlich“ dargestellt habe (bis hin zu Kabeln als Stolperfallen). Klar wurde: Es braucht ein Konzept.

Im Vorjahr war dann bei einer Schulleiterkonferenz der gemeinsame Wunsch laut geworden, zum Thema „Medienbildung“ einen Neustart hinzulegen. Wichtiges Element dabei: die einheitliche Ausstattung der 22 Klassenzimmer in den Schulen in Brochenzell, Kehlen, Langentrog und Meckenbeuren mit Medientechnik. Deren Kern: Sie soll nur einen minimalen Eingriff in die Infrastruktur bedeuten und einfach nutzbar sein, um sich sinnvoll in den Unterricht integrieren zu lassen.

Wie dies aussehen kann, ist an einem Pilotprojekt erprobt worden. An Brochenzells Eugen-Bolz-Schule wurde das Zimmer der Erstklässler von Aspassia Thanos zum Referenzobjekt. Was zugleich dem Gedanken folgt, dass die Multimedia-Berater an den Schulen die Einweisung des Kollegiums übernehmen.

Im Gemeinderat erstattete Aspassia Thanos einen Erfahrungsbericht, der vier „Gelingfaktoren“ benannte. Ad 1: „Der Inhalt bestimmt die Technik.“ Zum zweiten: die Qualifizierungskonzeption über die eigenen Multimedia-Berater. Drittens: benutzerfreundliche und einfache Bedienung. Sowie viertens: die permanente Verfügbarkeit der Technik (ohne langen Vorlauf, wie er wohl der Vorgängertechnik innewohnte).

Durchaus positiv fiel das Fazit aus – übrigens auch bei Kollegin Simone Wolff, die eine Lanze für die niederschwellige Bedienbarkeit brach: „Vielfältige Medienerfahrung“ sei so möglich, befand Aspassia Thanos, die zudem beobachtete, dass so die Schüleraktivierung angeregt werde.

Dass es sich bei dieser Form der Präsentationstechnik um ein Arbeitsmittel und Handwerkszeug handle, hob Roman Kleiner hervor. Quasi eine Ergänzung und keineswegs sei es so, „dass die Kinder von der ersten bis zur sechsten Stunde vor dem Medium sitzen“. Durch die Dokumentenkamera machte er „einen hohen Mehrwert für den Unterricht“ aus, der an der Lebenswelt der Kinder orientiert sei.

Zu entfallen habe der Tageslichtprojektor, so Kleiners dringender Appell, denn dann müsse die Lehrkraft mit der neuen Technik arbeiten.

Viele Fragen und wenige Bedenken kamen nach dem Vortrag von den Räten. Ein Risiko, dass die Technik in fünf Jahren veraltet sein könne, sah Karl Gälle (CDU). „Wir wissen nicht, wo die Entwicklung hingeht“, wollte Kleiner keine Gewähr geben, zeigte sich aber optimistisch, dass die gewählte Präsentationsform in zehn Jahren noch aktuell sei.

In der Mehrzahl aber war Lob für den eingeschlagenen Weg zu hören, so von Martin Schaeffer (SPD) für den „Schritt in die richtige Richtung“, die ihn zu der Aussage ermutigte: „Da hab ich gerade wieder Lust, in die Schule zu gehen.“

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