„Christen und Muslime gemeinsam“: Benefizkonzert für ein außergewöhnliches Vorhaben

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Wertvolle Anlage: Ein am Hang gelegener Bouli vor dem Obst- und Gemüsegarten.
Wertvolle Anlage: Ein am Hang gelegener Bouli vor dem Obst- und Gemüsegarten. (Foto: Schaaf/MISEREOR)

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www.misereor.de/spenden/ spendenprojekte/burkina-faso- gemeinsam-gegen-die-wueste

Bereits im neunten Jahr unterstützt die Kirchengemeinde St. Maria das Projekt „Union Fraternelle des Croyants de Dori“ in der Region Dori in Burkina Faso. Mit ihm wollen Christen und Muslime gemeinsam die Infrastruktur in einem der ärmsten Länder Afrikas verbessern. Öffentlichkeitsrelevant wird die Meckenbeurer Unterstützung am Sonntag, 16. September: Dann geben die von Gerd Frank geleiteten Saloniker aus Wangen ein Benefizkonzert im Gemeindehaus.

Im Folgenden die Kerndaten zu acht wichtigen Fragen:

Wo liegt Dori?

5477 Kilometer von Meckenbeuren entfernt im Norden des westafrikanischen Landes, das 1960 von Frankreich unabhängig wurde und bis 1984 Obervolta hieß. Zur Region Dori gehören 78 Dörfer, die zusammen mit dem Hauptort 100 000 Einwohner haben. Die Stadt Dori ist Sitz des Bistums Dori, das identisch ist mit der Region Sahel. Katholiken und Protestanten machen hier etwa 1,6 Prozent der Bevölkerung aus – etwa halb so viele, wie sich zur traditionellen Religion bekennen.

Noch immer gibt es in der Region Dori einen sehr großen Flüchtlingszustrom aus Mali. 2016 hatten sich rund 30 000 Flüchtlinge dort aufgehalten.

Welches sind die grundsätzlichen Probleme?

Ein großes Problem wirft in der Region Sahel die Wasserversorgung der Bevölkerung auf. Das Klima ist tropisch-wechselfeucht mit einer kürzeren Regenzeit als im Rest des Landes. In normalen Jahren fällt hier in vier Monaten mit annähernd 500 Millimetern fast die Jahresmenge von Berlin – damit stellt sich die Frage, wie es gespeichert werden kann.

Allerdings seien seit mehr als zehn Jahren gravierende Veränderungen festzustellen. So sei der Regen deutlich weniger geworden und komme unregelmäßiger.

Was steht hinter „Union Fraternelle des Croyants de Dori“?

Die „Union Fraternelle des Croyants de Dori“ (UFC-Dori), übersetzt als „Bruderschaft der Gläubigen aus Dori“, gibt es seit 1969 als Nicht-Regierungsorganisation NGO. Entstanden ist sie aus den Wirren der Hungersnot von 1969 auf Anregung von Pfarrer Lucien Bidaud hin.

Von Misereor wird sie seit 1973 unterstützt, mit Fokus auf die Aktivitäten der UFC für Ernährung und Entwicklung – zum Beispiel Spargruppen, Getreidebanken, Mikrokredite oder Brunnenbau.

Der UFC-Dori versteht sich als lebendiges Beispiel für den interreligiösen und interkulturellen Dialog zwischen muslimischer und katholischer Gemeinschaft, steht im Willkommensgruß auf der Homepage (www.ufc-dori.org). Dori gilt heute weithin als Vorbild für ein nicht nur friedliches, sondern auch kooperatives Zusammenleben unterschiedlicher Religionsgemeinschaften.

Zugleich darf die UFC-Dori als Ausdruck dafür verstanden werden, dass der Friedensdialog die sozioökonomische Entwicklung befördert. „Den Hunger stillen, die Wasserversorgung verbessern und Horizonte öffnen durch Bildung und soziale Maßnahmen – dafür haben wir die UFC gegründet“, so fasst es der Grand Imam Abaye Cissé zusammen, der eines der letzten der zwölf Gründungsmitglieder von 1969 ist.

Welches sind wichtige Projekte?

Die Brunnen und die Boulis. Diese Regenauffangbecken dienen als Wasserspeicher, mehr als 30 wurden vom UFC-Dori bislang gebaut. Die Ausschachtung erfolgt dabei mit schweren Maschinen, die Misereor finanziert hat. Die Bevölkerung muss alle übrigen Arbeitsleistungen erbringen sowie die Arbeiter der UFC unterbringen und versorgen.

Der Effekt: Über Monate hinweg kann es auf den Feldern und in den kleinen Gärten zur Bewässerung eingesetzt werden. Die Organisation des Wasserverbrauchs wird von den Dorfgemeinschaften verwaltet. In ihnen setzen sich seit langem Christen und Muslime an einen Tisch und gehen miteinander die Probleme an.

Die verbesserte Wasserversorgung hilft den Familien, dass sie jährlich mehrmals aussäen und ernten können. Was sie in die Lage versetzt, einen Überschuss zu produzieren und diesen in nahegelegenen Ortschaften zu verkaufen.

Die sachgerechte Bewirtschaftung des Landes soll zudem langfristig helfen, mittels Aufforstungszonen die Erosion aufzuhalten und die Versteppung teils zurückzudrängen. In jüngster Zeit werden Versuche unternommen, Jungfische in die Wasserbecken einzusetzen, die später gefischt und verkauft werden.

Was sind aktuelle Themen?

Anfang August hatte UFC-Dori im Friedenszentrum „Dudal Jam“ (2011 eröffnet) in der Hauptstadt einen Workshop für 30 Journalisten aus der Sahelzone angeboten – in Zusammenarbeit mit der Botschaft der Vereinigten Staaten in Burkina Faso. Das Thema: „Die Rolle der Journalisten in der Sahelzone bei der Prävention von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus.“ Ziel war es, damit die Widerstandsfähigkeit der öffentlichen Meinung bei diesen Phänomenen zu stärken. Eine der Aussagen dabei: Information bedeute für den sozialen Körper, was Wasser für den menschlichen Körper sei.

Was kam die Verbindung nach Meckenbeuren zustande?

Die Kirchengemeinde St. Maria hat sich dieses Projekt 2010 als Missionsprojekt ausgesucht, weil es den Kriterien Naturverbundenheit, interreligiöser Dialog und Nachhaltigkeit am besten entsprochen hat. Seither hat der Missionsausschuss viele Aktionen gestartet, um Spendengelder zu gewinnen. Dies mit Erfolg: Bisher wurden etwa 17000 Euro für das Projekt gesammelt.

An den Misereor-Sonntagen wurde die Thematik in den Gottesdiensten aufgegriffen, gefolgt von „Fastenessen“ im Gemeindehaus, deren Erlös an das Projekt floss.

Wie festigte sich der Kontakt?

Im November 2012 war Raul Ramdé von der Diözese Dori zu Gast, der aus erster Hand über die Erfolge des Projekts berichtete. Im März 2014 fand die Veranstaltung zur Eröffnung der Misereor-Aktion in der Seelsorgeeinheit Meckenbeuren statt. Hierzu wurde auch Josef Lomoe begrüßt, der in Burkina Faso ein regionales Teilprojekt der Aktion „Christen und Muslime gemeinsam“ leitet. Er sprach vor rund 150 Besuchern in Brochenzells Halle über seine Arbeit in Dori. Der Erlös der Kirchweihfeste wurde anteilmäßig an die Missionare, die mit St. Maria in Verbindung stehen, und das Projekt „Christen und Muslime gemeinsam“ aufgeteilt.

Was hat es mit den Benefizkonzerten auf sich?

In den beiden Vorjahren hatte die Kirchengemeinde zu Konzerten mit der Gruppe Tre Amici eingeladen, deren Erlös über Misereor vollständig an das Projekt ging. Was auch 2018 der Fall sein soll: Am Sonntag, 16. September, gibt es von 18 bis 20 Uhr ein Benefizkonzert mit den Salonikern aus Wangen im Gemeindehaus St. Maria. Die Leitung liegt in den Händen von Gerd Frank, der jahrelang den Kirchenchor von St. Maria Meckenbeuren geleitet hat. Neben der Musik wird auch für das leibliche Wohl gesorgt sein, heißt es.

Weitere Informationen unter

www.misereor.de/spenden/ spendenprojekte/burkina-faso- gemeinsam-gegen-die-wueste

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