Brütende Turmfalken sorgen für Verzögerung bei der Sanierung

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Architekt Thomas Stoppel (rechts) erläuterte den Besuchern in der St. Jakobus Kirche anhand von Fotos die einzelnen Sanierungsma
Architekt Thomas Stoppel (rechts) erläuterte den Besuchern in der St. Jakobus Kirche anhand von Fotos die einzelnen Sanierungsmaßnahmen. (Foto: Kerstin Schwier)
Kerstin Schwier

Eigentlich sind ja die Turmfalken an allem schuld. Hätten sie sich nicht im Frühjahr 2018 dazu entschlossen, im Turm der St. Jakobus Kirche Brochenzell ihr Nest zu bauen und Eier zu legen, wären die Renoverungsarbeiten der ältesten Kirche Meckenbeurens voraussichtlich schon im Herbst 2018 abgeschlossen gewesen. So sorgte der Nesttrieb des Falkenpärchens dafür, dass sich die Sanierungsarbeiten bis ins Frühjahr 2019 verzögerten.

Doch nun konnte endlich das lang ersehnte Renovavierungs- und Wiedereröffnungsfest der St. Jakobus Gemeinde gefeiert werden. Am Samstagabend kamen zahlreiche Gemeindemitglieder, Architekt Thomas Stoppel sowie viele der beteiligten Handwerker in der St. Jakobus Kirche zusammen, um gemeinsam die gelungene Außenrenovierung des Gotteshauses zu feiern. Allerdings fiel die geplante Außenbesichtigung mit geführtem Rundgang buchstäblich ins Wasser, da es in Strömen regnete.

Anhand von „Vorher-Nachher“-Fotos auf zwei Stellwänden bekamen die Besucher dennoch einen Eindruck von den durchgeführten Maßnahmen. Dazu zählen die Dachsanierung über der Sakristei, Sanierung und Neuanstrich der Außenfassade, Installation einer Regenentwässerung im Sockelbereich und Einbau eines automatischen Türöffners. Die Gäste kamen zum einhelligen Urteil, dass ihre Kirche wieder richtig schön anzusehen sei. „Wenn ich von Ettenkirch Richtung Brochenzell fahre, sehe ich jetzt schon von Weitem die St. Jakobus Kirche strahlen“, freute sich Kirchengemeinderätin Gabriele Frankenhauser.

Auch Pfarrer Josef Scherer freute sich, „dass Turm und Gebäude und auch der Vorplatz wieder in frischem Glanz erstrahlen“. Dennoch schlug er bei aller Freude in der Vorabendmesse auch nachdenkliche Töne an. Die jüngst veröffentlichte Prognose, wonach sich die Zahl der evangelischen und katholischen Christen bis 2060 halbiert haben werde und die aktuelle Diskussion um den „Maria-2.0-Kirchenstreik“, bereite ihm Sorge, gestand er. „Wird diese Kirche in 40 Jahren noch gebraucht? Oder ist hier dann eine Dorfdisco?“, fragte Pfarrer Scherer und gab der Hoffnung Ausdruck, dass „auch in 40 Jahren hier in dieser Kirche die Gemeinde zusammenkommt und ein Gottesdienst in einer vollen Kirche gefeiert wird“.

Norbert Hensel, Zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderates Brochenzell, gab anschließend einen kurzen Rückblick über den Beginn der Planung 2016 bis zur Fertigstellung. „Normalerweise wären wir heute draußen. Normalerweise wären wir im Herbst 2018 fertig gewesen. Doch man soll die Rechnung nie ohne die Natur machen. Das haben wir von dem Falken gelernt“, erklärte Hensel.

Meckenbeurens Stellvertretender Bürgermeister Karl Gälle hatte als Gastgeschenk einen Scheck der Gemeinde über 20 000 Euro dabei. „Wir in der Gemeinde sind überzeugt, dass das Geld gut angelegt ist“, so Gälle. Spontanen Applaus erntete Architekt Thomas Stoppel, als er verkündete, dass von den ursprünglich veranschlagten Baukosten in Höhe von 489 000 Euro, Stand Samstagabend tatsächlich nur 470 000 Euro ausgegeben wurden. „Wir können alle zufrieden sein“, sagte Stoppel.

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