Bei Mercedes einen Opel Astra kaufen

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Frank Fischer findet seine Programm-Inhalte im Alltag.
Frank Fischer findet seine Programm-Inhalte im Alltag. (Foto: Karin Schütrumpf)
Karin Schütrumpf

„Ich komme am Gleis 1 an und stehe auch schon auf der Bühne“, sagt Frank Fischer. Damit ist der bahnreisende Kabarettist schon gleich mittendrin im Programm: Was tun gegen ungebetene Bahngespräche? „Imitieren Sie ihre Mitfahrer und schon haben Sie Ruhe“, rät Fischer, der mit seinem Programm „Gewöhnlich sein kann jeder“ das Publikum im gut besuchten Kulturschuppen zum Lachen brachte.

„Ich finde meine Gags unterwegs und im Alltag. Gestalten Sie das Leben lustig“, sagt der vielfach ausgezeichnete Kabarettist ins Publikum. „Drücken Sie im Aufzug alle Knöpfe und versuchen Sie mal, beim Mercedes Händler einen Opel Astra zu kaufen. Ganz einfach weil es erlaubt ist.“

Frank Fischer karikiert gekonnt das mehrstündige Zug-Picknick von Musicalreisenden oder sich gegenseitig anpöbelnden Fußballfans in der Raucherecke eines Bahnsteigs. Er freut sich über das Schild, das „Coffee to go auch zum Mitnehmen“ anbietet und schlüpft in die Rolle eines sächsischen Bahnschaffners, der durchsagt, dass der Ausstieg heute nicht links sondern … Ääääh gegenüber ist.

Fischer imitiert Klaus Kinski und macht sich als „bekennender Wurstianer“ über militante Veganer lustig. Sägespäne in der Milch machen länger satt als Diätnahrung glaubt er. Fischer beschreibt seinen Besuch im Fitnessstudio „wo keiner nicht tätowiert ist“ und glaubt das Spazierengehen das Laufband ersetzt. Zumba tanzen ist für ihn Fußballspielen ohne Ball. Selbstironisch witzelt er über seinen Namen und über seine Glatze „ich bin nicht der Bruder von Helene, eher der von Ottfried“.

Ein Gag folgt blitzschnell dem nächsten. Frank Fischer hat für jede Alltagssituation eine passende Antwort parat. Auch beim Fernsehen oder beim Einkaufen findet er reichlich Stoff für seine Späße. Wie wird man Kandidat in der Auswandererserie „Goodbye Deutschland“? Mit einer komplett verrückten Geschäftsidee in einem Beruf, von dem man keine Ahnung hat, geht das, glaubt Fischer.

Dialektstark witzelt sich der Mainzer auf sächsisch, bayrisch oder schwäbisch durchs Programm. Er nimmt Müsliwerbung, Staubsaugerverkäufer und Fernsehdoktoren ebenso aufs Korn wie „Germany’s Next Topmodell“ oder die „Shopping-Queen“. Im Baumarkt sucht er nach den festgelegten Fluchtrouten beratungsunwilliger Mitarbeiter. Wann waren Sie das letzte Mal beim „Buchstabenraten“ also beim Augenarzt will er wissen. Stellen Sie sich im Zoo irgendwo hinter einen anderen Besucher und schon wird sich eine Schlange bilden, behauptet er.

Frank Fischer rast am Gleis 1 zwei Stunden lang wie ein Schnellzug durchs Programm und spießt zielsicher die Komik aus ganz gewöhnlichen Alltagssituationen auf. Ist das einstudiert oder komplett improvisiert? Auf jeden Fall ist es kurzweilig und strapaziert die Lachmuskeln.

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