Bei den Ferienspielen fürs (Über-)Leben lernen

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Die kleinen Erste-Hilfe-Helden zeigen stolz die Verbände, die sie selbst gewickelt haben.
Die kleinen Erste-Hilfe-Helden zeigen stolz die Verbände, die sie selbst gewickelt haben. (Foto: Karin Schütrumpf)
Karin Schütrumpf

Meckenbeuren - „Stellt euch vor, auf dem Schulweg liegt jemand, der sich nicht rührt.“ Mit kleinen Rollenspielen zeigt Klaus Herberth vom Roten Kreuz 13 Grundschülern, wie sie ein Erste-Hilfe-Held werden können. Die Kinder üben Notrufe, lebensrettende Maßnahmen, durften sich mit Verbänden gegenseitig einwickeln und im Krankentransportwagen in alle Fächer schauen.

Im Übungsraum liegen Ingo, Karl, und Fritz auf gelben Kunststoffdecken. Drumherum sitzen jene, die ihnen helfen wollen. Mit aller Kraft drückt die kleine Lilli rhythmisch auf Ingos Brustkorb. Das ist anstrengend. Die Haare fliegen ums Gesicht und schon bald lässt sie sich von einer Kollegin ablösen. Der Beatmungsbeutel, den ein anderer kleiner Ersthelfer auf Ingos Nase drückt, muss fest zusammengepresst werden. Das ist für kleine Hände schwierig. Als Kursleiter Klaus Herberth die Herzmassage und Beatmung an der Gummipuppe Ingo vorgemacht hat, hat sich Ingos Brustkorb irgendwie mehr bewegt. „Das macht nichts“, findet Herberth. Es sei wichtig, erst einmal die Scheu vor dem Helfen zu verlieren. „Und im Ernstfall, können Kinder, die das jetzt hier gesehen haben, sogar Erwachsene anleiten, deren Erste-Hilfe-Kurs vielleicht schon viele Jahrzehnte zurückliegt“, so Herberth.

Erst mal ansprechen, dann anfassen – ist sie bewusstlos oder macht die alte Frau auf der Parkbank bloß ein Nickerchen? Am Gummitorso Ingo üben die Kinder auch, wie man erkennt, ob ein Verletzter noch atmet. Ein Ohr an Ingos geöffnetem Mund, die Hand auf seiner Brust, probieren die Kinder aus, wie es geht.

„Wo ruft ihr an, wenn jemand Hilfe braucht?“ Die Notrufnummer 112 kennen die meisten Kinder, die sich zum Ferienprogramm angemeldet haben, schon. Einige waren 2018 schon mal dabei. Der richtige Notruf wird im Rollenspiel mit Klaus Herberth, Marko Kiwatsch und Sarah Schmidberger vom Roten Kreuz in Tettnang noch mal geübt.

Professionell ausgestattet

Auch die stabile Seitenlage will gelernt sein. Dazu reicht die Kraft der Kinder aus, weiß Klaus Herberth. „Selbst einen großen schweren Mann kann ein Kind am aufgestellten Knie herumrollen.“ Damit die Rollenspiele noch mehr Spaß machen, ziehen die Kinder Rettungswesten an, montieren ein Warndreieck und ziehen Gummihandschuhe an. Alle fünf Finger auf die Schnelle richtig in den engen Gummihandschuh einzufädeln, ist auch nicht so leicht, wie es aussieht. „Hey, die Handschuhe quietschen ja“, stellt ein Junge verwundert fest.

Nachdem die Gummipuppen Ingo, Karl und Fritz wieder aufgeräumt sind, packt „Klaus“ mit den Kindern den Verbandskasten aus. Zwei Nachwuchsretter kuscheln sich probehalber in die Rettungsdecke und entdecken, dass die dünne Glitzerfolie tatsächlich wärmt. „Unser Körper strahlt Hitze ab. Die Decke sorgt dafür, dass die Körperwärme nicht verloren geht“, erklärt Klaus Herberth.

Mit Mullbinden und Wundauflage wird ein Arm verbunden, mit dem Verbandspäckchen aus dem Kasten zaubert Herbert einen Kopfverband und mit dem Dreieckstuch im Nu eine Armschlinge. Dann zeigt Herberth einen Druckverband. Den dürfen die Kinder dann gegenseitig auch selbst üben. Der Knoten, der am Schluss alles zusammenhält, ist am schwierigsten.

Ganz zum Schluss dürfen die Kinder noch einen Krankenwagen besichtigen. Sie erfahren, wie Verletzte eine Treppe heruntertransportiert werden. Mit den Kindern stöbert Klaus Herberth in allen Fächern. Zum Vorschein kommen Spucktüten, Halskrausen, Blutzuckermessgerät (wie das von der Oma, weiß ein Teilnehmer) und ein EKG.

Besonders interessant finden die Ferienspielteilnehmer aber eine Luftpumpe. „Die ist für die Vakuummatratze“, erklärt Herberth. Wenn die Luft zwischen den Kügelchen in der Matratze mit der Pumpe herausgesogen wird, können sie sich nicht mehr bewegen, die Matratze schmiegt sich wie ein Gipsverband an den Verletzten und sichert ihn beim Transport.

Die Kinder haben noch viele Fragen. Viel zu schnell sind die Eltern da, um sie abzuholen. Wenn es Oma und Opa mal schlecht wird, könnten sie jetzt helfen. Da sind sich alle Erste- Hilfe-Helden am Schluss einig.

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