Ambulante Anlaufstelle soll Versorgungslücke schließen

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Die Experten im MZEB kümmern sich um Gesundheit und Wohlergehen ihrer besonderen Patienten, von links Elisabeth Greiner, Florian
Die Experten im MZEB kümmern sich um Gesundheit und Wohlergehen ihrer besonderen Patienten, von links Elisabeth Greiner, Florian Oczipka, Margarete Naser, Jürgen Kolb, Jonathan Turner, Benjamin Klinger (Foto: kesc)
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Rund 60 Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen haben sich über das neue Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) der St. Lukas Klinik informiert. Die Stiftung Liebenau Gesundheit hatte zu einem Fachtag eingeladen, um die neue ambulante Anlaufstelle, die als Unterstützung des Regelversorgungssystems angedacht ist, vorzustellen.

Zu den Teilnehmern gehörten Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten, Mitarbeiter der Sozialpädriatischen Zentren Memmingen und Ravensburg sowie Vertreter der Zieglerschen und der Diakonie Pfingstweid. „Wir sind froh, dass wir jetzt endlich starten dürfen. Der Bedarf ist da, wie auch die große Teilnehmerzahl heute beweist“, begrüßte Jürgen Kolb, Chefarzt des MZEB, die Gäste im Schloss Liebenau. Rund drei Jahre Vorbereitungszeit, geprägt von teils zähen Verhandlungen mit den Krankenkassen, waren bis zur endgültigen Zulassung vergangen, berichtete er. Im Anschluss stellte ein Ärzteteam des MZEB, mit Elisabeth Greiner, Jonathan Turner und Margarete Naser, das Behandlungsspektrum und die Arbeitsweise der Ambulanz vor. Im MZEB werden, in enger Kooperation mit den Fachärzten der St. Lukas Klinik, Patienten mit einer geistigen oder schweren Mehrfachbehinderung ab dem 18. Lebensjahr behandelt. Fachkräfte aus Medizin, Psychologie, Physiotherapie, Pädagogik und Pflege beurteilen den Patienten aus ihrer Perspektive, erstellen Behandlungspläne und koordinieren gegebenenfalls fachärztliche Maßnahmen.

Mit der Eröffnung des Zentrums schließt die Stiftung Liebenau eine Versorgungslücke, ist es doch die erste Einrichtung dieser Art im Bodenseegebiet. Gerade Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung, die zunächst in einem Sozialpädriatischen Zentrum umfassend betreut werden, fallen bislang mit dem 18. Geburtstag aus dem System heraus. „Wir möchten, dass unsere Patienten glücklich und zufrieden sind. Wir sind Berater und Koordinatoren bei schwierigen Fragen. Der Hauptansprechpartner bleibt aber weiter der Hausarzt“, erläuterte Elisabeth Greiner. Zwei Fachvorträge, in denen Experten über ihre Arbeitsweise informierten, rundeten die Tagung ab.

Zunächst erläuterte Benjamin Klinger, Leiter der Physiotherapie Liebenau, die verschiedenen Testverfahren, die er zur Patientenbeurteilung durchführt. Florian Oczipka, Facharzt für Kinder- und Neuroorthopädie an der Schön-Klinik München, sprach über konservative und operative Therapieformen in der Orthopädie bei Menschen mit Behinderung. „Es hat sich richtig gelohnt, heute hierherzukommen. Ich habe schon einige Patienten im Kopf, die ich bei Problemen hierherschicken würde“, sagte Eva Baur, Ärztin aus Tettnang, zu Veranstaltungsende. In ihrer Gemeinschaftspraxis betreut sie mit Kollegen seit Jahren viele Bewohner der Diakonie Pfingstweid. „Der orthopädische Vortrag war sehr interessant. Da haben wir hier in der Region nicht so viele Orthopäden, die auf Menschen mit Behinderung spezialisiert sind“, so Baur. Auch für Daniela König und Heide-Rose Rauch vom Verein Lebenshilfe Bodenseekreis hat sich die Teilnahme am Fachtag gelohnt. „Ich merke oft, hier kommt der Hausarzt nicht weiter. Ich bin froh, wenn ich jetzt eine neue Anlaufstelle habe und keine weiten Wege mehr fahren muss“, sagt Heide-Rose Rauch, Mutter einer erwachsenen Tochter mit Behinderung, die im Haushalt der Familie lebt. Gerade für Menschen, die, wie ihre Tochter, nicht sprechen können, sei die Betreuung durch ein multiprofessionelles Team mit großer Erfahrung „ein wahnsinniger Zugewinn“. „Es ist eine immense Bereicherung. Damit schließt sich eine Versorgungslücke,“ befand Daniela König.

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