Am Bachrand gibt’s manches zu bemängeln

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Die Uferstreifen werden genau kontrolliert. (von links) Carmen Kiefer, Axel Beutner, Lena Ritter und Patrick Gohl
Die Uferstreifen werden genau kontrolliert. (von links) Carmen Kiefer, Axel Beutner, Lena Ritter und Patrick Gohl (Foto: Fotos: Karin Schütrumpf)
Karin Schütrumpf

Der Bach glitzert im Sonnenlicht. Gurgelnd und plätschernd fließt das Wasser die Stufen der Fischtreppe hinunter und ergießt sich in die Schussen. Leise tönt der Schlag der Kirchenglocken. Es ist 9 Uhr. Am Meckenbeurer Bach haben sich Vertreter von Gemeinde und Landratsamt zur jährlichen Gewässerschau eingefunden.

„Die Fischtreppe haben wir vor drei Jahren eingebaut – und sie funktioniert“, erzählt Ortsbaumeister Axel Beutner stolz. Über die flachen Steinstufen sind schon Fische gegen die Strömung in den Bach gewandert. Der Ortsbaumeister nimmt zusammen mit Patrik Gohl und Lena Ritter vom Bauamt der Gemeinde an der Gewässerschau teil. Zur Prüfungskommission gehören an diesem Morgen auch Wolfgang Hauser, der bei der Gemeinde für den Eigenbetrieb Abwasser verantwortlich zeichnet, und Carmen Kiefer, die im Landratsamt für Wasser- und Bodenschutz verantwortlich ist.

Die Fischtreppe an der Einmündung des Meckenbeurer Baches in die Schussen erhält an diesem Morgen einhelligen Beifall. Vorteile bringt sie nicht nur den Fischen. Die Investition konnte die Gemeinde als Ausgleichsmaßnahme für die bauliche Erschließung des Gewerbegebietes am Flughafen geltend machen. Für das zugunsten der Natur eingesetzte Geld bekomme die Gemeinde naturschutzrechtliche Ausgleichspunkte, die sie bei der Erschließung an anderer Stelle in die Waagschale werfen kann, erläutert Axel Beutner, was der Bach mit dem viele Kilometer entfernten Gewerbegebiet am Flughafen zu tun hat. Pluspunkte gab es auch für den Lichtschacht, den die Gemeinde für die Fische beim Fachmarktzentrum baute, und für die schilfbewachsenen Überlaufbecken auf der Höhe des Karl-Fränkel-Ringes.

Von der Einmündung in die Schussen wandert die Gruppe bachaufwärts. Innerorts werden bei der Gewässerschau fünf Meter rechts und links des Baches in Augenschein genommen. Außerhalb des Ortes sind sogar die ersten zehn Meter wichtig. Kritisch beäugt werden Draht- und Gitterzäune, mit denen die Grundstücke am Wasser zum Bachbett hin abgegrenzt werden. Ist das ein vor vielen Jahren genehmigter Altbestand oder wurde neu gebaut? „Wir müssen nachsehen, was der Bebauungsplan an dieser Stelle vorsieht“, erklärt Patrik Gohl, der zusammen mit Lena Ritter alle auffälligen Punkte in seiner Prüfliste notiert.

Kirschlorbeer ist unerwünscht

Wenige Meter weiter ragt aus der Uferböschung ein Rohr aus dem Boden. „Das ist nur eine Drainage für das darüber liegende Privatgrundstück und damit zulässig“, befindet die Prüfkommission. Anders sieht es mit einem Schlauch aus, der aus dem nächsten Rohr ins Bachwasser taucht. Dauerhafte Wasserentnahme mittels Schlauch und Pumpe ist nicht erlaubt. Die Gießkanne (Handschöpfgerät heißt sie im Fachjargon) darf der Anrainer dagegen im Bach füllen. Treppen ans Wasser gehen ebenso wie Müll und Komposthaufen gar nicht.

Auch die Pflanzen am Bach werden kritisch beäugt. Erle, Esche, Haselnuss und Weide sind heimische Gewächse und werden auch von der Gemeinde gezielt zur Uferbefestigung eingesetzt. Kirschlorbeer oder Schneebeere gehören nicht ans Bachufer. Der Schneeball, der jetzt im Herbst viele rote Beeren trägt, oder der Sanddorn sind dagegen eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und am Bachrand gern gesehen.

Auf der Abschussliste steht bei den Bachprüfern das japanische Springkraut, dessen Samenkapseln bei Berührung meterweit davonschießen und die wuchernde Pflanze weiterverbreiten. „Schade, dass viele Pflanzen nur wegen ihrer schönen Blüten gekauft werden“, beklagt Carmen Kiefer vom Landratsamt.

Das Bachufer darf und soll nach Natur aussehen. Bei der Pflege von Gehölzen sei deshalb weniger oft mehr. Büsche beschneiden und die losen Äste einfach am Ufer liegen lassen, geht aber nicht. „Sobald der Bach viel Wasser führt, wird alles, was lose am Bach rumliegt, mitgerissen. Das verstopft das Bachbett, und schon haben wir die nächste Überschwemmung“, schimpft Beutner.

Vor dem Haus Menis ist genau das passiert. Lose Äste haben sich im Bachbett verhakt. Ortsbaumeister Beutner greift höchstpersönlich zum Dunghaken und zieht die Äste aus dem Wasser. Kritisch beäugt wird einige Meter weiter auch ein großer Batzen schleimiger Schaum, der auf dem Wasser schwimmt. „Das waren nur Algen“, beruhigt Carmen Kiefer in diesem Fall.

Bauwerke, Pflanzen und Abfallhaufen – viele andere Punkte sind auf der Prüfliste der Gemeinde gelandet. Wenn die Bedenken nach dem Abgleich mit dem Bebauungsplan bestehen bleiben, werden die Grundstückseigentümer angeschrieben und gebeten, den Missstand zu beseitigen. Nur wenn auf diesem Weg nichts zu machen ist, greift das Landratsamt ein. Der Meckenbeurer Bach ist für die Gewässerschützer kein Sorgenkind. „Es gibt problematischere Bäche“, findet Carmen Kiefer.

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