60 Interessierte nutzen den Kennenlern-Abend

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40 bis 45 Menschen soll die Anschlussunterbringung in Brochenzell (links im Bild) Platz bieten. Als Nachbarn haben sie das Wohn
40 bis 45 Menschen soll die Anschlussunterbringung in Brochenzell (links im Bild) Platz bieten. Als Nachbarn haben sie das Wohnhaus der St. Gallushilfe und das Haus der Pflege St. Josef (rechts). (Foto: roland weiss)

40 bis 45 Menschen bietet die neue Unterkunft in der Zollernstraße auf drei Geschossen Platz. Ihre Kosten hatten sich letztlich auf 1,2 Millionen Euro belaufen, nachdem lange Zeit von 955 000 Euro ausgegangen worden war.

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Mehr als 60 Kinder, Jugendliche und Erwachsene hat Bürgermeisterin Elisabeth Kugel am Dienstag im Gemeindehaus St. Jakobus in Brochenzell begrüßen können. Eine stattliche Zahl Interessierter war der Einladung zum Kennenlern-Abend gefolgt, der nach einer ungezwungenen 45-minütigen Vorstellungsrunde in persönliche Gespräche überging – verbunden mit einer Betreuung für die Kinder sowie leckeren Speisen aus Syrien und Irak. Mit ihnen dankten die neuen Bewohner in der Anschlussunterbringung in der Zollernstraße für die freundliche Aufnahme im Ort.

„Es geht mir darum, dass wir ein gutes Miteinander haben“ – diese Aussage, die den hohen Wert guter Nachbarschaft unterstrich, verband Elisabeth Kugel mit vielfältigem Dank, so an die Kirchengemeinde für deren Gastfreundschaft.

Für sie und die Seelsorgeeinheit hieb Josef Scherer in die gleiche Kerbe: „Wenn wir offen sind füreinander, geschieht eine Bereicherung“, zeigte sich der Pfarrer überzeugt.

Julia Frey leitete als Integrationsbeauftragte der Gemeinde über zur Vorstellungsrunde, die stets in warmem Beifall endete. Für die neunköpfige Familie Ali aus Syrien schilderte der Vater, dass sie seit zwei Jahren und zwei Monaten in Meckenbeuren sei – zunächst sieben Monate in der Turnhalle, dann in den Containern am Bahnhof, nun in Brochenzell. „Die Leute sind sehr nett hier“, dankte er in flüssigem Deutsch. Ahmad Al Ali beginnt in einem Betrieb in der Gemeinde eine Ausbildung als Industriemechaniker.

Was ihm ganz wichtig ist, schob er nach der Vorstellungsrunde in bewegten und bewegenden Worten nach: „Wir wollen uns in die Gemeinschaft integrieren, wir kämpfen dafür.“

Ebenfalls in der Zollernstraße wohnen eine siebenköpfige Familie aus dem Irak sowie acht Frauen aus Afrika. Drei Wohnungen seien noch nicht belegt, erläuterte Frey – was sich teils dieser Tage ändern werde. Darunter sind zwei Familien aus Syrien, von denen eine am Kennenlern-Abend bereits zugegen war.

Zudem sind in einem Haus in der Inselstraße zwei Familien aus Afghanistan und Syrien untergebracht.

Wichtig: Hinweis auf Salutschüsse

Vorgestellt hat sich auch Michael Endler. Seit Jahresbeginn ist der Integrationsmanager als zweiter Hauptamtlicher tätig – angestellt bei den Johannitern und bezahlt aus Landesfördermitteln. In Meckenbeuren hat Endler, der das Konzept der „aufsuchenden Sozialarbeit“ erklärte, eine 90-Prozent-Stelle.

Was ehrenamtliche „Wegbegleiter“ tun können, das brachte Annette Heeger für den Freundeskreis Asyl nahe. Gerade auch für die nun in Brochenzell wohnenden Flüchtlinge werden solche Helfer, die ihren Zeitaufwand selbst bestimmen, gesucht – gerne direkt aus dem Ort.

Ebenfalls für den Freundeskreis wies Willi Bernhard darauf hin, dass gut gemeinte Kleider- oder Möbelspenden nicht am Haus abzustellen oder abzuliefern, sondern über das Rathaus abzuwickeln seien. Zudem blickte er voraus auf das Grillfest, zu dem der Freundeskreis am 31. Juli nach Kehlen einlädt.

Auch die weiteren Wortmeldungen machten Mut: „Wir heißen unsere neuen Nachbarn herzlich willkommen“ sagte Sonja Christian als Hausleitung des gemeindeintegrierten Wohnens der St. Gallus-Hilfe. Positive Rückmeldungen gab es auch von anderer Nachbarseite sowie großes Lob für die Frauen, die schon bei Turnstunden dabei gewesen seien.

An technikaffine Ruheständler wandte sich Heinz Nussbaumer mit einer Bitte: Vielleicht könne sich jemand in der Ausbildungsbegleitung der Flüchtlinge einbringen – was angesichts der Fachbegriffe äußerst hilfreich sei.

„Die vielen kleinen Dinge sind wichtig“ – quasi in Anlehnung an diese Sicht der Bürgermeisterin wies Anton Ruhstorfer seitens der Soldatenkameradschaft Brochenzell auf eine Besonderheit beim Kirchenpatrozinium am 22. Juli hin – auf das Salutschießen um 6 Uhr morgens. Mehrmals erläuterte er den Neuankömmlingen im Einzelgespräch draußen auf der Terrasse, was es damit auf sich hat.

40 bis 45 Menschen bietet die neue Unterkunft in der Zollernstraße auf drei Geschossen Platz. Ihre Kosten hatten sich letztlich auf 1,2 Millionen Euro belaufen, nachdem lange Zeit von 955 000 Euro ausgegangen worden war.

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