30 Narren leisten den Maskeneid

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Vor dem Maskenrat und Zunftmeister Ralf Müller (Mitte) erbaten die Paten die Aufnahme ihrer Zöglinge in die Narrenzunft Brochenz
Vor dem Maskenrat und Zunftmeister Ralf Müller (Mitte) erbaten die Paten die Aufnahme ihrer Zöglinge in die Narrenzunft Brochenzell. (Foto: Kerstin Schwier)
kesc

„Jetzt habt ihr es geschafft. Jetzt können wir euch auf die Fasnet 2020 loslassen.“ Mit diesen Worten hat Ralf Müller, Zunftmeister der Narrenzunft Brochenzell, am Montagabend 30 Narren in die Nacht entlassen. Sie alle waren zuvor in einer schaurig-schönen Prozedur in den Kreis der Brochenzeller Narren aufgenommen worden.

Traditionell beginnt die Fasnet in Brochenzell mit der Maskentaufe am Dreikönigstag. Viele Zuschauer, darunter Schussenteufel aus Meckenbeuren, Sumpfbiberhexen aus Bürgermoos, Feuerhexen aus Tettnang und Waldteufel aus Kau, versammelten sich nach Einbruch der Dunkelheit vor dem Brochenzeller Schloss und warteten gespannt auf den Beginn der Zeremonie. Die leichten Nebelschwaden, die sich langsam auf den Meckenbeurer Ortsteil herabsenkten, taten ein Übriges, um die richtige Stimmung zu erzeugen.

Zu den Trommelschlägen des Fanfarenzugs Brochenzell, der erstmals sein neues Häs als Kampfpilot der US-Airforce präsentierte, marschierten die 30 Täuflinge mitsamt ihrer Paten in den Innenhof des Schlosses. Dort wurden sie bereits vom Zunftmeister und dem rot gewandeten und Fackeln tragenden Maskenrat auf dem Podium erwartet. Ralf Müller begrüßte alle Gäste, darunter ANR-Vizenarrenmeister Frank Spleiß, und freute sich über den gelungenen Einstand von Büttel Markus Bruder. Dieser hatte am 11. November die Schelle von „Oberschwabens schönstem Büttel“, Edwin Lanz, übernommen. Angesichts der großen Fußstapfen, in die er tritt, möchte Markus Bruder gar nicht erst versuchen, Edwin Lanz zu kopieren. „Es ist perfekt, es macht Spaß. Ich möchte meinen eigenen Weg gehen und kein zweiter Edwin werden. Das ist sowieso unmöglich,“ erklärte der neue Büttel am Rande.

Mit Erscheinen des mächtigen Maskenmeisters (Severin Nachbaur) startete das rituelle Taufgeschehen, das 15 Humpishexen und 15 Schlossnarren bestehen mussten. Nach einem Jahr Probezeit beginnt für sie nun der Ernst des Narrenlebens. „Seid still, ihr kleinen Erdengeister, verbeugt euch vor mir, dem Maskenmeister. Habt das Trommeln wohl vernommen und seid zur Taufe hierhergekommen,“ begrüßte der Maskenmeister die Täuflinge. Nun trat von jeder Narrengruppe ein Pate vor, um die Aufnahme in die Zunft für die Frischlinge zu erbitten. „Verzeiht Meister, dass wir euch heut’ gerufen, doch vor des Schlosses steinernen Stufen sind alle Täuflinge heute erschienen, um künftig nur noch euch, dem Meister, zu dienen,“ trugen sie ihr Anliegen vor. Der Maskenmeister befragte neben den Paten auch den Maskenrat und die Geister, ob etwas Negatives gegen einen der Täuflinge vorliege. Da keinerlei Einwände bestanden, konnte der feierliche Taufprozess beginnen. Alle mussten ein undefinierbares, ekliges Gebräu hinunterwürgen, wurden mit Hochprozentigem übergossen und anschließend mit den Farben der Nacht bemalt. Mit dem Kuss des Maskenmeisters war die Taufe vollzogen.

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