24 Stunden am Stück: Feuer löschen und Menschen retten

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Karin Schütrumpf

„Peep, peep, peep“ tönt der Alarm kurz nach 13 Uhr am Samstag durchs Feuerwehrhaus in Kehlen. 15 Feuerwehrleute rüsten sich mit Sicherheitsschuhen, Arbeitshosen, Jacken und Helmen aus und klettern auf die Feuerwehrwagen, die schon einsatzbereit vor der Tür stehen. Einige müssen sich beim sogenannten „Aufsitzen“ ganz schön strecken. Der jüngste Teilnehmer bei diesem Einsatz ist erst zehn Jahre alt. Mit Blaulicht und Sirene donnern die beiden Feuerwehrautos nur Minuten später vom Hof.

24 Stunden Dienst erwartet die 15 Jugendlichen von den Meckenbeurer Feuerwehren. Bei der ersten Übung an diesem Tag geht es auf das Gelände des Technischen Hilfswerkes (THW). Dort lernen die angehenden Feuerwehrleute, 13 Jungs und zwei Mädchen, erst einmal, was das THW so alles macht. Besonders interessant: Ein riesiges Stromaggregat und der gewaltige blaue Radlader, dessen Schaufel allein schon so hoch wie manche der kleinen Übungsteilnehmer ist. Während die Feuerwehrjugend die THW-Fahrzeuge erkundet, lernt der Nachwuchs des Technischen Hilfswerkes, was alles auf einem Feuerwehrauto ist.

Zurück im Feuerwehrhaus ist Wachablösung. Die Jugendlichen von der Freiwilligen Feuerwehr Tettnang und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) Tettnang waren von Freitagmittag bis Samstagmittag im Übungseinsatz. Jetzt ist die Feuerwehr Meckenbeuren dran.

So realistisch wie möglich

„Wir versuchen, mit dem 24-Stunden-Feuerwehrtag möglich realistisch den Alltag eines Berufsfeuerwehrmannes zu simulieren“, erklärt Feuerwehrmann Andreas Schneider. „Dazu gehört auch gemeinsam essen, übernachten und der Austausch mit anderen Helfern.“ Im Ernstfall müssten später auch alle gut zusammenarbeiten.

Samstag 15 Uhr: Vor dem Feuerwehrhaus in Meckenbeuren ist jemand von einem Anhänger überrollt worden und steckt fest. Ein Einsatzfahrzeug rückt aus. Zwar ist das Opfer nur ein Sandsack. Um ihn zu bergen, hätten die Nachwuchshelfer aber am liebsten gleich zur riesigen Rettungsschere gegriffen. Aber: „Versucht es mal einfacher“, raten die Ausbilder. „Die Jugendlichen stützen das Fahrzeug mit Kanthölzern ab und heben es mit einem Luftkissen an. Auch die Büffelwinde wird unter fachkundiger Anleitung am Hänger angesetzt. Wie ein Anhänger richtig an- und abgekuppelt wird, dürfen die Jugendlichen auch üben.

Samstag 19:30 Uhr: Inzwischen ist es dunkel. Es schüttet wie aus Gießkannen. Der nächste Alarm ruft eine Einsatzgruppe in den Wald bei Holzreute. „Wir haben Schreie im Wald gehört, von dort drüben“, ist die Geschichte, die zu diesem Alarm erzählt wird. Die Nachwuchshelfer bilden eine Suchkette und dringen in langer Reihe, ausgerüstet mit Scheinwerfern und Wärmebildkamera ins Unterholz vor. Tatsächlich finden sie die vermisste Person bald.

Ein Fehlalarm ist auch dabei

Sonntag 7 Uhr: Die Einsatzgruppe die ein brennendes Fass hinter dem alten Feuerwehrhaus in Kehlen löschen soll, sieht noch etwas verschlafen aus. Trotzdem koppeln die Jugendlichen mit professioneller Gelassenheit Schläuche und greifen das Feuer von zwei Seiten an. Dicke Rauchwolken steigen auf. Schon bald können die Schläuche wieder eingerollt werden: „Schlauchtrupp einsatzbereit“ meldet ein Jugendlicher abschließend.

Sonntag 10.30 Uhr: Brandmeldealarm bei der Firma Maucher. Die Nachwuchsfeuerwehrleute suchen das Gebäude ab und prüfen, ob es wirklich brennt. „Das war ein Fehlalarm“, stellen sie fest.

Für viele Jugendlichen ist die letzte Übung an diesem Nachmittag der Höhepunkt der 24-Stunden Übung: Ein großer Container mit Papier ist in Brand geraten. Hier heißt es nochmal: „Wasser marsch!“ – und zwar aus allen Rohren.

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