Marlies Grötzinger erzählt beim Seniorennachmittag in Brochenzell Heiteres und Besinnliches auf schwäbisch.
Marlies Grötzinger erzählt beim Seniorennachmittag in Brochenzell Heiteres und Besinnliches auf schwäbisch. (Foto: Karin Schütrumpf)
Karin Schütrumpf

„Was ist das beliebteste schwäbische Wort?“, fragt Marlies Grötzinger die Besucher des Seniorennachmittags in Brochenzell. „Muggeseggele“, antworten mehrere Zuhörer gleichzeitig. Marlies Grötzinger erzählt im Gemeindehaus vergnügliche und besinnliche Geschichten über die heißgeliebten keinen Eigenheiten um die „Mucken und Mödele“.

Die kleinste schwäbische Maßeinheit ist ein „Muggeseggele“ wörtlich übersetzt das Geschlechtsteil der männlichen Stubenfliege erklärt Marlies Grötzinger.

Die Mundartautorin, die von sich selbst sagt, sie sei „HIV positiv, also der Heimat intensiv verbunden“ plädiert fürs Schwäbischsprechen im Alltag.

Schon die Urmenschen haben bestimmt schwäbisch gesprochen glaubt sie, weil die Sprache so kurz, prägnant und praktisch ist: „Ein ha passt immer und kann so vieles ausdrücken“. „Nee, noi, id, idda, ha-a…. fürs „Neinsagen“ findet Grötzinger im Schwäbischen immerhin elf verschiedene Möglichkeiten. Auch die doppelte Verneinung „des is no nie nix gewese“, hat es Grötzinger angetan. Die Dialekt-Autorin erzählt Geschichten aus dem Alltag und aus der Familie.

Sie erntet Beifall, wenn sie vom Zusammenprall des Englischen mit dem Schwäbischen zum „Schwenglisch“ berichtet und zitiert zur Begeisterung der Senioren aus einem Gedicht an ihren Mann: „I ma mein Ma ond mei Ma ma mi“.

Zum Schluss erzählt sie noch Geschichten von früher, als es Autos ohne Gurte und Fahrradfahren ohne Helm gab, als Schwarzbrot in Milch gebrockt oder ein Zopfbrot dick mit Butter und Gsälz bestrichen gegessen wurde.

„Bleiben Sie noch mehr als ein Muggeseggele sitzen und erinnern Sie sich an die alten Zeiten“, fordert Marlies Grötzinger die Besucher des Seniorennachmittags auf.

Uschi Keller-Weißhaupt vom Seniorenteam bedankte sich bei Marlies Grötzinger für ihren wunderbaren Vortrag und freute sich, dass der Saal im Gemeindehaus in Brochenzell wieder richtig voll geworden war.

Mit Freunden aus Meckenbeuren, war dieses Mal auch die älteste Bürgerin der Gemeinde gekommen. Renate Martin, die inzwischen 104 Jahre zählt, ist „mit ihrem zweitbesten Freund dem Rollator“ noch viel in Brochenzell unterwegs.

Sie freute sich über Kaffee und leckeren Kuchen und – weil sie inzwischen schlecht hören kann – an der schönen Stimmung: „Die fröhlichen Gesichter der Anderen haben auch Spaß gemacht.“

„Kommen Sie bitte wieder“, so lud Uschi Keller-Weißhaupt alle Besucher auch gleich zum nächsten Seniorennachmittag am 13.Februar ein. Dann wird Fasnet gefeiert.

„Das Motto heißt Märchenwelt“ gab Uschi Keller-Weißhaupt nach Rücksprache mit dem Seniorenteam bekannt, „damit wir schon mal das passende „Fasnetshäs“ heraus suchen können.“

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