Wo sich Bischof und Ursau begegnen

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Schwäbische Zeitung

Wer denkt, bei „Markdorf total verruckt“ ist am Fasnetsmontag die ganze Stadt außer Rand und Band, der täuscht sich. Doch wer eine Weile durch die Innenstadt schlendert, trifft dann doch auf einige Mäschkerle. Ob sie einzeln oder in Gruppen unterwegs sind: Alle haben tolle Kostüme genäht oder gebastelt.

Gegen 14 Uhr füllt sich das Stüble, das Pfarrer Ulrich Hund mit seinem Team im Pfarrhaus eingerichtet hatte. Gerne nehmen die Mäschkerle das Angebot, bestehend aus Schmalz- oder Zopfbrot, Apfelsaft oder Most, einer wärmenden Suppe oder einem Kaffee, an. Es wird geplaudert, gelacht, geschaut, wer sich als was verkleidet hat. Birgit Beck von der Historischen Narrenzunft Markdorf hat etwa ihr Zunftmeisterinnenhäs gegen ein mobiles Bett getauscht. Dies sei eine Innovation für Markdorf, steht auf dem Flugzettel, den sie verteilt. „Das mobile Hotelbett – schlafen wann und wo Sie wollen!“, heißt es dort. „Verschlafen geht nicht mehr, sobald die Stadt die blaue Zone einführt“, sagt sie augenzwinkernd.

Manfred Weiss ist in höchst offizieller Mission als Eminenz unterwegs. Sein Anliegen: Markdorf wieder ganz groß machen. „Ich kämpfe dafür, dass der Bischofssitz wieder nach Markdorf kommt“, sagt er. Klar, dass er sich im Pfarrhaus wohl fühlt und vielleicht auch den ein oder anderen Gleichgesinnten trifft. Dort findet er jedenfalls die passende Kulisse für seine Fasnets-Litanei. Singt er: „Markdorfs lustigster Pfarrer – ohne dich ist der Dreckkübel fad“, antwortet sein närrisches Publikum: „Bleib doch bei uns.“

Einen aufsehenerregenden Fang hat der Schnauzerstammtisch gemacht. Unter der beachtlichen Sau verbergen sich zwei Männer, angetrieben wird sie von zwei weiteren Stammtischlern. „Das ist die Ursau aus dem Kau“, sagt einer von ihnen. Sie sei resistent gegen die afrikanische Schweinepest und nur unter Einsatz modernster Technik im Wald bei Markdorf gefangen worden. Der Plan sei, sie nun mit dem europäischen Hausschwein zu kreuzen, damit auch ihm die Schweinepest nichts mehr anhaben kann.

Viel spontanen Applaus erhält auch Richard Gratwohl, der das neue Männerballett vorstellt. „Wir sparen Männer“, sagt er, während mit ihm zwei Puppen synchron tanzen, die vor und hinter ihm an Stangen befestigt sind. Klar, dass er und seine Puppen nicht lange allein durch Markdorf tanzen.

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