WLAN an der Bushaltestelle, beim Arzt oder im Restaurant

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Martin Hellebrand (mit Mikrofon) von der Initiative Freifunk Bodensee wirbt für offene Netze.
Martin Hellebrand (mit Mikrofon) von der Initiative Freifunk Bodensee wirbt für offene Netze. (Foto: elo)

Seit einem Jahr wirbt die Initiative „Freifunk Bodensee“ für offene Netze. 40 Männer und vier Frauen haben sich am Freitag in den Räumen des Vereins „Toolbox Bodensee“ darüber informiert, wie sie ihren Internetzugang anderen Nutzern zur Verfügung stellen können. Und welche Vorteile die freien Netze ihnen selber bringen. Eingeladen hatten Freifunk Bodensee und Markdorf Marketing.

Die Stadt Markdorf bietet freies WLAN entlang von Markt- und Hauptstraße – vom Rathaus bis zum Proma. Benutzer müssen sich mit E-Mail-Adresse oder Mobiltelefon-Nummer anmelden und dürfen dann drei Stunden kostenlos ins Internet. Die Initiative „Freifunk Bodensee“ will weit mehr: Freie Netze möglichst überall – auf öffentlichen Plätzen, an der Bushaltestelle, im Restaurant oder beim Frisör. Und das ohne Anmeldung, Passwort oder zeitliche Begrenzung.

„Das ist eine tolle Sache, wenn man in der Stadt umherläuft und Tausende WLAN nutzen kann“, sagt Martin Hellebrand von der Initiative Freifunk Bodensee. Er spricht von der „Demokratisierung der Kommunikationsmedien durch freie Netzwerke.“ Von den freien Netzen würden nicht nur Bürger profitieren, die sich zum Beispiel in einer fremden Stadt zurechtfinden oder an der Bushaltestelle den Fahrplan checken wollten.

Auch für Gewerbetreibende sieht Hellebrand viele Vorteile. Er berichtet von einem Imbissgeschäft: Dessen Kunden hatten sich oft über schlechten Empfang beschwert und dass sie beim Warten aufs Essen keinen Zugriff auf Facebook oder WhatsApp hatten. Seit der Wirt ein freies Netz anbietet, sind die Kunden sehr zufrieden und der Umsatz hat zugenommen. Ähnlich gut ankommen könnten freie Netze zum Beispiel in Arztpraxen oder Frisörsalons, schlägt Hellebrand vor. Oder in Ferienwohnungen.

Wer beim Freifunk mitmachen will, brauche nur einen zusätzlichen Router. Je nach Reichweite koste ein solches Gerät 20 bis 50 Euro. Mitglieder der Initiative Freifunk Bodensee würden den Router innerhalb von zwei bis drei Minuten für seine Aufgabe vorbereiten. Dann müssten die Teilnehmer ihn nur noch bei sich zuhause anschließen und aufstellen. Der Stromverbrauch des Geräts koste etwa vier Euro im Jahr.

Aus dem Publikum kommt die Frage nach der sogenannten Störerhaftung: Bis vor kurzem war der Betreiber eines WLAN zum Beispiel für hochgeladene Inhalte oder illegale Downloads verantwortlich. Das gelte zwar nicht mehr, sagt Hellebrand. Aber mit Abmahnungen wegen Verletzungen von Urheberrechten müsse man nach wie vor rechnen – nicht jedoch als Teilnehmer beim Freifunk. Denn der Datenverkehr gehe nicht direkt ins Internet, sondern werde zunächst zu Freifunk Bodensee umgeleitet. Die IP-Adresse des Anbieters vor Ort werde nicht ins Internet übermittelt, der Betreiber sei also auf der sicheren Seite.

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